Spahn zur Pflege: Jeden Tag ein Stück besser werden

Spahn zur Pflege: Jeden Tag ein Stück besser werden

Flächendeckender Tarifvertrag, bessere Bezahlung, Entlastung der Fachkräfte: Im Interview erläutert Bundesgesundheitsminister Jens Spahn seine Pläne für die Pflege.

Die Arbeitsbedingungen in der Pflege sollen auf breiter Front verbessert werden. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil, Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (beide SPD) und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) haben ein Maßnahmenpaket erarbeitet. Dazu äußerte sich Spahn am Dienstag (04.06.2019) in der Aktuellen Stunde des WDR.

WDR: Warum gibt es noch keinen flächendeckenden Tarifvertrag für die Pflegekräfte?

Jens Spahn: Bei der besseren Bezahlung haben wir mit viel Mühe Arbeitgeber und Gewerkschaften überhaupt einmal zu gemeinsamen Grundpositionen gebracht. Das war in den letzten Monaten ein hartes Stück Arbeit.

Pflege-Vorbild Skandinavien

WDR 5 Profit - Topthemen aus der Wirtschaft 08.08.2018 05:14 Min. WDR 5

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WDR: Wenn die Arbeitgeber beim Tarifvertrag mauern, was setzen Sie dem entgegen?

Spahn: Wir haben auch den privaten Arbeitgebern heute noch einmal sehr klargemacht, dass wir uns wünschen, dass sie sich aktiv an diesem Prozess beteiligen.

Wir setzen darauf, dass es einen Tarifvertrag gibt, der hinreichend viele Pflegekräfte und Unternehmen abbildet - idealerweise regional ausdifferenziert, weil natürlich in Düsseldorf die Situation anders ist als in Chemnitz, auch was die Lebenshaltungskosten angeht.

WDR: Wer wird das bezahlen - die Familien? Oder geht das durch Steuergelder oder über die Krankenversicherung?

Spahn: Es braucht einen fairen Ausgleich – einen Teil wird die Pflegeversicherung übernehmen können. Aber wir werden natürlich auch schauen müssen, wie wir die Pflegebedürftigen bei den Eigenanteilen nicht zusätzlich übermäßig belasten und überfordern.

WDR: Bis alle offenen Stellen besetzt sind, wird es noch ein bisschen dauern. Wie können Sie kurzfristig die Leute entlasten, die jeden Tag hart arbeiten in der Pflege?

Spahn: Wir haben ein Gutachten in Auftrag gegeben, dass sich auch nochmal mit der Frage beschäftigt, ob wir Pflegefachkräfte entlasten können durch mehr Pflegehilfskräfte – so dass eben mehr Zeit für die eigentliche Facharbeit in der Pflege ist.

Aber eins ist und bleibt wahr: Eine fundamentale Verbesserung in sechs, acht, zwölf Wochen oder Monaten kann keiner ernsthaft versprechen. Wir wollen jetzt wirklich eine Entwicklung umdrehen, die über Jahre in die falsche Richtung gegangen ist – in der Kranken- wie in der Altenpflege. Wir wollen jeden Tag, jede Woche ein Stück mehr einen Unterschied machen im Alltag.

Das Interview führte Michael Dietz.

Anmerkung der Redaktion: Für die schriftliche Version des Fernsehinterviews wurden Fragen und Antworten sprachlich angepasst und gekürzt. Der Inhalt der Fragen und der Aussagen des Ministers bleibt davon unberührt.

Stand: 04.06.2019, 21:13

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