Intensivpflege in Krankenhäusern: "Dramatischer Mangel"

Zwei Pflegerinnen schieben ein Bett über den Flur

Intensivpflege in Krankenhäusern: "Dramatischer Mangel"

Pflegemangel auf den Intensivstationen ist am Mittwoch (13.06.2018) bestimmendes Thema bei einer Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) in Köln.

Zur Diskussion über die Intensivpflege.

Wir haben mit dem Referenten gesprochen, Professor Christian Karagiannidis, Oberarzt der Lungenklinik Köln-Merheim.

WDR: Bei der Pflege in Krankenhäusern mangelt es an Zeit und Personal. Das ist auf normalen Stationen schon schlimm, wie desaströs ist es auf der Intensivstation?

Christian Karagiannidis: Wir sehen einen dramatischen Intensivpflege-Mangel in den letzten zwei bis drei Jahren. Es gibt immer weniger junge Leute, die sich für das Fach begeistern und nachkommen. Dieser Mangel ist mittlerweile in allen Krankenhäusern in Deutschland spürbar und führt dazu, dass wir Betten sperren müssen.

Christian Karagiannidis

Professor Christian Karagiannidis ist Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der DGIIN und leitender Oberarzt an der Lungenklinik Köln-Merheim der Kliniken der Stadt Köln

WDR: Was bedeutet das konkret, wenn Sie "Betten sperren" müssen? Müssen sich Patienten sorgen?

Karagiannidis: Wir haben die Situation, dass die Patienten auf der Intensivstation einen sehr hohen Pflegaufwand haben. Wenn wir aber kein Personal finden, dann bleibt uns nichts übrig, als die Betten zu sperren. Oder aber man überlastet die anderen Pflegekräfte, indem Betten offengehalten werden. Dies führt auf Dauer aber zu einer Abwärtsspirale aus Überlastung und noch mehr Kündigungen. Dann würde alles noch schlechter.

WDR: Müssen Menschen aus diesem Grund kurz nach der OP zu schnell wieder auf die Normalstation?

Karagiannidis: Das ist eine der möglichen Konsequenz. Je weniger Betten es gibt, desto mehr sind wir darauf angewiesen, die Betten schnell freizuräumen. Ich muss aber auch sagen: In Deutschland haben wir eine hohe Qualität der medizinischen Versorgung und das Verantwortungsbewusstsein ist sehr hoch, so dass darauf geachtet wird, dass im Großen und Ganzen keine schlimmen Konsequenzen daraus resultieren. 

WDR: Es gab aber schon schlimme Konsequenzen, und zwar in der Uniklinik in Düsseldorf. Dort sollen elf Patienten an multiresistenten Keimen gestorben sein.

Karagiannidis: Durch schweren Personalmangel kann es definitiv zu Notfallsituationen – und auch zu Todesfällen kommen. Was in Düsseldorf passiert ist, kann ich jedoch nicht beurteilen.

WDR: Was muss getan werden, damit die Pflege auf den Intensivstationen so ist, dass die Menschen schneller gesund werden?

Pflegerin in einem Krankenzimmer

Mehr Geld als ein Weg aus der Krise?

Karagiannidis: Wir brauchen einen bundesweiten Aktionsplan. Das muss sehr schnell passieren, weil die Situation noch dramatischer ist, als sie aktuell in den Medien dargestellt wird. Es gibt ein paar Punkte, die wesentlich sind: Zum einen sind die Pflegekräfte auf der Intensivstation deutlich unterbezahlt. Meiner Ansicht nach sollten die Pflegekräfte 500 bis 1.000 Euro mehr verdienen.

Das Interview führte Andreas Sträter.

Missstände an der Uniklinik Düsseldorf

WDR 5 Neugier genügt - das Feature | 30.05.2018 | 21:30 Min.

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Stand: 13.06.2018, 06:00

Kommentare zum Thema

1 Kommentar

  • 1 Segler 14.06.2018, 09:11 Uhr

    Cooler Beitrag! Berichterstattung über Intensivpflegemangel und der WDR befragt dazu einen Arzt. Liegt hier vielleicht auch ein Teil des Problems?

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