Handy am Steuer: "Menschen sind dumm und gefährlich"

Landesweite Kontrollen "Handy am Steuer" WDR aktuell 08.05.2019 02:00 Min. Verfügbar bis 08.05.2020 WDR

Handy am Steuer: "Menschen sind dumm und gefährlich"

Obwohl Autofahrer wissen, wie gefährlich Handynutzung am Steuer ist, tun sie es immer wieder. Der Duisburger Verkehrspsychologe Michael Haeser erklärt im Interview, warum.

WDR: Warum greifen so viele Autofahrer am Steuer zum Handy, obwohl doch allgemein bekannt ist, wie dumm und gefährlich das ist?

Michael Haeser

Verkehrspsychologe Michael Haeser

Michael Haeser: Wir Menschen sind dumm und gefährlich - und bequem. Die Bequemlichkeit ist der erste und wichtigste Punkt. Der zweite ist Neugier. Eine immense Neugier, die uns dazu verführt, wenn es klingelt 'nur mal eben schnell' aufs Handy zu gucken.

WDR: Warum schützt uns das Wissen um die Gefahren nicht vor riskantem, lebensgefährlichem Handeln?

Haeser: Wir Menschen sind als Autofahrer nicht in der Lage, zwischen der Bedeutsamkeit der Konzentration auf den Straßenverkehr und allem anderen zu unterscheiden. Wir sind in einem Auto in einem geschlossenen Raum und glauben, dass das, was darin passiert, wichtiger ist als das, was draußen passiert.

WDR: NRW-Innenminister Herbert Reul hat gewarnt: Handys am Steuer kosten Menschenleben und zerstören Existenzen. Das müsse in die Köpfe der Menschen. Wie kann das gehen?

Haeser: Es ist ganz wichtig, dass wir viel mehr in der Öffentlichkeit über die Gefahren reden und sie aufzeigen. Auf Youtube zum Beispiel findet man jede Menge Warnhinweise. Man sollte diese Videos als Trailer im Kino einsetzen und ins Fernsehen bringen und deutlich machen: Das passiert, wenn ihr auch nur zwei, drei Sekunden lang vom Straßenverkehr abgelenkt seid.

WDR: Vermehrt Schockvideos zu zeigen wäre ein Ansatz, der Abhilfe schaffen könnte?

Haeser: Immer! Das, was man visuell wahrnimmt bleibt mehr hängen als das, was man liest oder hört.

WDR: Warum zeigen denn dann entsprechende Warnplakate an den Straßen offenbar kaum Wirkung?

Haeser: Das sind nur Momentaufnahmen, Standfotos. Man sieht auf denen nicht, was wirklich passiert.

WDR: Sind 100 Euro Bußgeld und ein Punkt im Verkehrszentralregister zu niedrige Strafen für Telefonieren am Steuer ohne Freisprechanlage?

Haeser: Der Punkt schreckt überhaupt nicht ab und die 100 Euro sind ein Witz.

WDR: Welche Strafen würden denn eher abschrecken?

Haeser: Zwei Punkte Minimum, das wäre schon ein Viertel der Punkte, die reichen, um den Führerschein zu verlieren. Und 200 Euro Bußgeld wären auch angemessen.

WDR: Was halten sie von der Idee, ertappte Handysünder automatisch zu einer MPU hinsichtlich ihrer Verkehrstauglichkeit zu schicken?

Haeser: Das finde ich bei einem Verstoß übertrieben. Aber nach zweien könnte man demjenigen empfehlen, ein verkehrspsychologisches Seminar oder ein Aufbauseminar zu besuchen. Das machen einige Straßenverkehrsbehörden schon.

Das Interview führte Frank Menke.

Stand: 08.05.2019, 17:00

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