Nach Frankfurt: Wie mit Fake-News Stimmung gemacht wird

Fälschlich veröffentliches Bild

Nach Frankfurt: Wie mit Fake-News Stimmung gemacht wird

  • Tödliche Attacke auf Achtjährigen in Frankfurt
  • Fake-News im Internet
  • Was dahinter steckt - Interview mit Netz-Experte

Ein Achtjähriger wurde im Frankfurter Hauptbahnhof mutmaßlich von einem Mann aus Eritrea vor einen ICE gestoßen und starb. T-online.de berichtete nun darüber, dass mit einem angeblichen Foto des Opfers im Netz Stimmung gemacht wird gegen Migration und Flüchtlinge.

Laut t-online.de zeigt das Foto ein anderes Kind und wurde vermutlich Ende 2012 aufgenommen. Was wird damit bezweckt? Der WDR sprach am Freitag (02.08.2019) mit Netz-Experte Markus Beckedahl, Gründer und Chefredakteur von netzpolitik.org.

WDR: Wer sind die Urheber solcher Fake-News?

Markus Beckedahl

Markus Beckedahl von netzpolitik.org

Markus Beckedahl: Wir haben es hier mit Rechtsextremen zu tun, die Propaganda-Strategien anwenden. Sie verwenden falsche Bilder, um einen Lynchmob zu mobilisieren, Lynchjustiz zu entfachen, gegen Migration vorzugehen und eine offene Gesellschaft zu bekämpfen.

WDR: Der Tod des Achtjährigen kommt den Urhebern des Posts also sehr gelegen?

Beckedahl: Die Opfer sind diesen Tätern im Netz vollkommen egal. Die Opfer werden noch ein zweites Mal als Opfer missbraucht, um Propagandaziele zu erreichen.

Nach Frankfurt: "Der Hass hat zugenommen"

WDR 5 Morgenecho - Interview 31.07.2019 06:19 Min. Verfügbar bis 30.07.2020 WDR 5

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WDR: Welche Strategie steckt hinter solchen Posts?

Beckedahl: Die Stimmung in unserer Gesellschaft zu verändern. Es ist eine klassische Propagandatechnik, mit Falschinformationen Gerüchte zu streuen. Ziel ist, Menschen emotional zu erreichen, die das Gefühl haben, da könnte etwas dran sein.

WDR: Wie erklären Sie sich, dass viele solche Post so unkritisch weiterverbreiten?

Beckedahl: Wir haben leider in den letzten Jahren erlebt, dass Teile unserer Gesellschaft immer weiter nach rechts driften. In diese Stimmung hinein gibt es jeden Tag neue Falschinformationen. Diese geben Menschen das Gefühl, auf einer vermeintlich richtigen Seite zu stehen. Das führt zu einem vergifteten Diskussionsklima und gefährdet unsere offene Gesellschaft.

WDR: Warum wirkt eine mögliche Strafverfolgung nicht abschreckend davor, solche Posts zu teilen?

Beckedahl: Ich glaube, den meisten ist gar nicht bewusst, dass sie sich mitschuldig machen – sowohl moralisch als auch strafrechtlich. Wer Persönlichkeitsrechte von anderen Menschen verletzt, kann auch vor Gericht landen.

WDR: Sind diese Leute noch zu erreichen, etwa durch mehr Bildung?

Beckedahl: Ich glaube, wir haben es in unserer Gesellschaft mit einer relativ kleinen Anzahl von Hasspredigern zu tun, die alle ethischen, moralischen und gesetzlichen Grenzen überschreitet, um ihr Ziel zu erreichen. Die werden wir auch durch mehr Bildung nicht erreichen.

Aber die große Masse, der gar nicht bewusst ist, dass sie an einer Propaganda-Aktion teilnimmt, die kann man noch erreichen und die müssen wir auch erreichen.

Stand: 02.08.2019, 19:10

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