Trumps pompöse Inszenierung - clever oder dumm?

Trumps pompöse Inszenierung - clever oder dumm?

Der an Corona erkrankte US-Präsident Donald Trump hat seine Rückkehr ins Weiße Haus als Demonstration der Stärke inszeniert. In Sachen Wiederwahl nicht unbedingt eine schlaue Idee, findet der deutsche Wahlkampfprofi Frank Stauss.

Bloß keine Schwäche zeigen. Auch nach seiner Covid-19-Erkankung bleibt sich Donald Trump treu. Der US-Präsident markiert bei seiner Rückkehr vom Krankenhaus ins Weiße Haus gewohnt den starken Mann, dem nicht einmal das Coronavirus etwas anhaben kann. Für seine Wiederwahl punktet er damit nicht, analysiert Politikberater Frank Stauss. Er gestaltete etliche Wahlkampkampagnen mit, zum Beispiel für Gerhard Schröder, Peer Steinbrück, Hannelore Kraft oder Frank-Walter Steinmeier.

WDR: War die Inszenierung von Trumps Rückkehr ins Weiße Haus zu dick aufgetragen?

Frank Stauss

Frank Stauss

Frank Stauss: Zunächst einmal sind das natürlich die Insignien der Macht, die einem amerikanischen Präsidenten zur Verfügung stehen: die Helikopter, die vielen Autos, die Wachen und so weiter. Und ich gehe davon aus, dass auch Barack Obama nicht mit dem Fahrrad ins Weiße Haus zurückgekehrt wäre. Ja, es ist Inszenierung, aber auch, wenn man so will, für die Amerikaner gewohnte Inszenierung.

WDR: Trump will zeigen, er hat alles im Griff. Ist das die Botschaft, die ihm jetzt im Wahlkampf hilft?

Stauss: Für Trump war es wirklich ein Debakel, dass er an Corona erkrankt ist. Weil er sich ja immer auch, zuletzt in der Debatte mit Biden (seinem Herausforderer ums Präsidentenamt, d. Red.), darüber lustig gemacht hat, dass man Masken trägt. Jetzt Tage im Krankenhaus zu verbringen, das ist für ihn persönlich tatsächlich auch eine Niederlage. Er versucht jetzt einen Ansatz nach dem Motto ‚Ich bin der Unverwundbare‘. Aber er macht dabei viele Fehler.

WDR: Er hat also Chancen vertan?

Stauss: Er hat in den letzten Wochen mehrere Chancen vertan. Er hätte bei der Besetzung des Supreme Courts weniger aggressiv vorgehen können, er hätte in der TV-Debatte weniger aggressiv auftreten können und auch jetzt hätte er natürlich die Chance gehabt, die eigene Erkrankung zu einer legitimen Umkehr seines Kurses zu machen. Er hat all diese Chancen letztlich verstreichen lassen, was einfach daran liegt: Er ist halt sehr authentisch, er verstellt sich nicht - auch auf die Gefahr hin, am Ende klar zu verlieren.

WDR: Hat Trump die falschen Berater?

Stauss: Ich glaube nicht, dass Trump falsch beraten wird. Er sieht in 2016, in seinem überraschenden Erfolg, eine Garantie, dass das schon gutgeht, wenn er sich auf seinen eigenen Kopf verlässt. Allerdings sind wir jetzt nur noch vier Wochen von der Wahl entfernt. Die neuesten Umfragen zeigen ihn so klar hinten, wie noch nie in den letzten 20 Jahren jemand hinten lag.

WDR: Spricht Trump mit seiner Inszenierung der Stärke nur seine Stammwählerschaft an?

Stauss: Ja. Die liegt allerdings bei 41, 42 Prozent. Mit dem Kurs, den er jetzt fährt, bleibt er da stecken. Biden gewann sowohl nach der Debatte als auch nach der Erkrankung des Präsidenten an Zustimmung.

WDR: Könnte Trump auch andere Wähler erreichen, indem er Schwäche zeigt?

Stauss: In den ersten Tagen sah es bei Trump ja so aus, als wenn er eine Lehre aus seiner Krankheit ziehen würde. Jetzt fühlt sich so stark oder unverwundbar, dass er die Chance verstreichen lässt, neuen Wählerinnen und Wählern ein Signal zu senden. Insofern verharrt er auch in dem Umfragetief.

WDR: Warum wirkt Trumps Wahlkampf auf uns Deutsche so pompös inszeniert?

Stauss: Wahlkämpfer machen das, was ankommt. Und erwiesenermaßen kommt das in den USA an, diese übermächtige Inszenierung. Die wird ja letztendlich von allen genutzt, von Republikanern wie von Demokraten. Eine Überinszenierung wirkt in Deutschland falsch und schreckt Wählerinnen und Wähler eher ab.

Stand: 06.10.2020, 18:00

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