"Gewalt gegenüber Homosexuellen nimmt zu"

Gewalt gegen Homophobie [Symbolbild]

"Gewalt gegenüber Homosexuellen nimmt zu"

Sind Gewalt und Diskriminierung gegenüber Homosexuellen tatsächlich noch ein Thema? Ja, sagt einer, der es wissen muss - am internationalen Tag gegen Homophobie.

NRW gilt als tolerant und weltoffen. Dennoch sind Diskriminierung und Gewalt gegenüber Homosexuellen und Transsexuellen alltäglich und nehmen deutschlandweit zu. Das belegte schon 2017 eine Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Kleine Anfrage des Grünen-Politikers Volker Beck.

Toleranz stößt schnell an Grenzen, berichtet auch Uwe Weiler am Internationalen Tag gegen Homophobie (17.05.2019) in einem Interview mit der Aktuellen Stunde. Weiler ist Vorstandsmitglied des Kölner Lesben- und Schwulentag e.V.

WDR: Beim Thema Homophobie richtet sich der Blick hierzulande oft ins Ausland wie nach Brunei, wo Homosexuellen zumindest theoretisch die Todesstrafe droht. Ist das der richtige Blickwinkel?

Uwe Weiler, Vorstandsmitglied des Kölner Lesben und Schwulentag e.V.

Uwe Weiler, Vorstandsmitglied des Kölner Lesben- und Schwulentags

Uwe Weiler: Der Blick ins Ausland ist richtig und wichtig. Aber es gibt auch noch in Deutschland viel zu tun. In unserer Gesellschaft denken viele, ihr habt jetzt die gleichgeschlechtliche Ehe, es ist doch alles super. Aber leider ist das noch nicht so.

WDR: Wie ließe sich das ändern?

Weiler: Frühzeitige Aufklärung in Schulen ist ein sehr wichtiges Thema. Aber leider werden bei der Jugendarbeit Gelder gestrichen.

WDR: Inwiefern ist Gewalt gegenüber Homosexuellen immer noch ein Thema?

Weiler: Die Gewalt gegenüber homosexuellen Menschen nimmt zu. Das ist nachweislich so.

WDR: Zeigen Sie Ihre Homosexualität in der Öffentlichkeit?

Weiler: Ich bin sehr selbstbewusst. Und dennoch küsse ich meinen Freund nicht überall oder nehme ihn überall an die Hand. Selbst nicht in einer Stadt wie Köln.

WDR: Welche negativen Erfahrungen haben Sie gemacht?

Weiler: Ich habe einmal eine richtig krasse Erfahrung gemacht. Ich war mit zwei Freundinnen unterwegs in Münster. Die Frauen wurden von einer älteren Dame als 'Dreckslesben' beschimpft. Und sie rief noch hinterher: 'So was wie euch hätte man damals vergast.'

WDR: Wie haben Sie reagiert?

Weiler: Das war für mich der Punkt, an dem ich gesagt habe: Es kann nicht wahr sein, dass Menschen in unserer Gesellschaft aus Überzeugung solche Dinge sagen. Und deswegen kämpfe ich dafür, dass das irgendwann nicht mehr so ist.

WDR: Hinkt die Gesellschaft der politischen Entwicklung hinterher?

Weiler: Ja, was in der Gesellschaft passiert, steht immer noch auf einem anderen Blatt. Wenn ich nur höre, dass Homosexuelle durch Therapien geheilt werden können. Ich bin ein ganz normaler Mensch, habe ein ganz normales Leben, einen guten Job. Ich wüsste ehrlich gesagt nicht, wovon ich geheilt werden sollte.

Stand: 17.05.2019, 19:38

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