Bonner Nothelferin: "Mosambik steht unter Wasser"

Beira Port: Überlebende des Wirbelsturms «Idai», die durch die Fluten abgeschnitten waren, kommen mit einem Rettungsboot an einem Notaufnahmezentrumm an, wo sie Lebensmittel bekommen und medizinisch versorgt werden.

Bonner Nothelferin: "Mosambik steht unter Wasser"

  • Sturm- und Flutkatastrophe im Südosten Afrikas
  • Bonner Nothelferin in Mosambik
  • "Das Land steht unter Wasser"

Nach dem Zyklon "Idai" brauchen mindestens 1,7 Millionen Betroffene in Mosambik, Malawi und Zimbabwe dringend Unterstützung, berichtet das UN-Nothilfebüro (Ocha) am Freitag (22.03.2019).

Jennifer Bose arbeitet als Nothelferin für die Bonner Hilfsorganisation Care. Sie will mit ihrem Team Zelte, Baumaterialien, Hygienepakete oder Kanister zu den Menschen bringen. In Maputo, der Hauptstadt von Mosambik, bereitet sie sich auf ihren Einsatz vor. Dort haben wir sie erreicht:

WDR: Frau Bose, über die Lage in den Katastrophengebieten von Mosambik gibt es bisher nur vereinzelte, teilweise widersprüchliche Berichte. Was haben Sie vor Ort erfahren?

Jennifer Bose von der Bonner Hilfsorganisation Care

Jennifer Bose von der Bonner Hilfsorganisation Care

Jennifer Bose: Die Situation ist katastrophal. Wir kämpfen gleichzeitig gegen zwei Krisen: die Folgen des Wirbelsturms und die Überschwemmungen. Die starken Regenfälle dauern an, und die Gefahr von Sturzfluten ist noch nicht gebannt. Das Land steht unter Wasser.

WDR: Gibt es zuverlässige Informationen aus den abgelegenen Regionen?

Bose: Nur aus den am stärksten betroffenen Landstrichen. In der Region rund um die Stadt Beira haben sich richtige Binnenmeere geformt. Hilfsgüter kommen zwar ins Land, aber es ist noch sehr schwierig, sie zu den Menschen zu transportieren. Zurzeit ist das meist nur per Helikopter möglich, und von denen gibt es zu wenige.

WDR: Die Rede ist von Tausenden, die auf Hausdächern und in Baumkronen auf Hilfe warten. Können Sie das bestätigen?

Bose: Ein Kollege von Care konnte sich vor zwei Tagen bei einem Flug über das Überschwemmungsgebiet selbst ein Bild machen. Er hat uns von 5.000 Menschen berichtet, die auf Dächern ausharren - und er hat nur einen begrenzten Bereich gesehen.

WDR: Bisher haben offizielle Stellen in Mosambik die Zahl der Todesopfer mit 242 angegeben. Ist das realistisch?

Bose: Das ganze Ausmaß der Katastrophe werden wir erst in einigen Tagen kennen. Aber die wahre Opferzahl wird wohl sehr viel höher liegen.

WDR: Wie ist die Lage in Maputo?

Bose: Die Menschen in Maputo haben Glück gehabt. Die Schäden sind hier weit weniger schlimm als in Zentralmosambik, das vom Wirbelsturm mit voller Wucht getroffen wurde.

WDR: Was hoffen Sie, in den nächsten Tagen erreichen zu können?

Bose: Wir wollen Zelte, Baumaterialien, Hygienepakete oder Kanister zu den Menschen bringen - eben alles, was man zum Überleben braucht. Ich reise nach Beira weiter, um bei der Koordination mitzuhelfen.

WDR: Wie kommen Sie persönlich mit der Situation klar?

Bose: Ich weiß noch nicht genau, was auf mich zukommt. Aber aus früheren Einsätzen weiß ich, wie schwer Elend zu verkraften ist.

Das Interview führte Andreas Poulakos.

Stand: 22.03.2019, 15:15

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