EU-Urheberrecht: Bonner Politiker wird massiv bedroht

EU-Urheberrecht: Bonner Politiker wird massiv bedroht

  • Bonner EU-Politiker Axel Voss wird massiv bedroht
  • Grund: Seine Mitwirkung an EU-Urheberrechtsreform
  • Bombendrohung, Beschimpfungen und Beleidigungen

WDR: Wie fühlen Sie sich angesichts dieses Shitstorms?

Axel Voss: Die Lage ist schon angespannt, weil es so eskaliert.

WDR: In welcher Form werden Sie bedroht?

Voss: Wir hatten letzte Woche eine Bombendrohung gehabt. Darüber hinaus kriegen wir tagtäglich hunderte E-Mails mit Beleidigungen und Beschimpfungen wie zum Beispiel "Dich hätte man anstatt der Juden vergasen sollen" oder "Irgendwann wird einer ausrasten und dir eine Kugel in den Kopf jagen".

Angeklickt: Pro & Contra Uploadfilter Aktuelle Stunde 22.03.2019 04:33 Min. UT Verfügbar bis 22.03.2020 WDR Von Jörg Schieb

WDR: Was denkt man, wenn man so etwas liest?

Voss: Das gibt unbehagliche oder unangenehme Reaktionen in einem selber, und man fragt sich: Ist es das eigentlich alles wert?

WDR: Ist es das wert?

Voss: Ich glaube schon, dass es sich lohnt, sich dafür einzusetzen, das Eigentumsrecht anderer zu schützen und zu verteidigen – auch in einer digitalen Welt. Wenn es aber zu irgendwelchen Tätlichkeiten kommen sollte, das wäre es im Zweifel nicht wert.

WDR: Was denken Sie darüber, dass Plattformbetreiber selbst mithilfe von Bots (Softwareroboter, die sich als reale Menschen ausgeben; die Red.) einen solchen Shitstorm in die Welt gesetzt haben sollen?

Voss: Man kann sich darüber Gedanken machen, ob das tatsächlich alles reale Personen sind. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass wir anhand von versuchten Rückmeldungen überhaupt nie mehr eine Reaktion erhalten haben.

WDR: In der kommenden Woche stimmt das EU-Parlament über die Urheberrechtsreform ab. User sehen vor allem in dem vieldiskutierten Uploadfilter die Gefahr, dass alles rausgefiltert wird, sobald da irgendein Zitat oder Musik von jemandem anderen auftaucht.

Voss: So weit muss das ja gar nicht kommen. Das hängt am Ende auch von der Einstellung einer Plattform ab. Letztlich könnte man ja alles auch anhand von zeitlichen Vorgaben entsprechend freistellen.

WDR: Also alles heiße Luft und Sorge um nichts?

Voss: In gewisser Weise ist das so. Dieses Problem, das da im Moment extrem diskutiert wird, existiert schon seit langem. Man hat nur die Umsetzung rechtlicher Verpflichtungen bislang nicht ernst genommen. Und das ist das, was wir jetzt versuchen, besser auszubalancieren, damit wir eine Sicherheit für denjenigen haben, der rechtmäßigerweise mit Urheberrecht hantieren möchte.

Anmerkung der Redaktion: Das gesprochene Wort des WDR-Interviews wurde an einigen Stellen gekürzt und wegen einer besseren Verständlichkeit sprachlich geglättet. Der Inhalt der Fragen und Aussagen bleibt davon unberührt.

Stand: 22.03.2019, 20:00

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