Politologe: Keine Richtungswahl bei AfD-Parteitag

Abstimmung auf dem AfD Parteitag

Politologe: Keine Richtungswahl bei AfD-Parteitag

  • AfD-Bundesparteitag in Braunschweig
  • Entscheidet Wahl der Parteispitze auch über den politischen Kurs?
  • Interview mit dem Politologen Wolfgang Schroeder

Der Politologe Wolfgang Schroeder von der Uni Kassel beleuchtet im WDR-Interview am Samstag (30.11.2019) den AfD-Bundesparteitag in Braunschweig.

WDR: Entscheidet die Wahl der Parteispitze über die politische Richtung der AfD?

Wolfgang Schroeder: Nein, weil die Richtungsentscheidungen der AfD permanent umkämpft werden. Versuche, das über Personalentscheidungen ein für alle Mal zu klären, sind in der Vergangenheit gescheitert und werden auch in der Zukunft scheitern.

WDR: Björn Höcke hat 23 Prozent für die AfD in Thüringen geholt. Ist das nicht eine Eintrittskarte des rechtsextremen Landeschefs für mehr Einfluss auf die künftige Ausrichtung der Partei?

Wolfgang Schroeder

Politologe Wolfgang Schroeder

Schroeder: Bei oberflächlicher Betrachtung schon. Man muss aber auch sehen, dass dieser Flügel vielleicht ein Drittel der Aktivisten auf seiner Seite hat. Die Ostdeutschen haben insgesamt einen Mitgliederanteil von 18 Prozent, also von noch nicht einmal einem Fünftel. Das heißt, sie sind auf Unterstützung aus dem Westen angewiesen – und im Westen dominieren ganz klar die pragmatischen, parlamentsorientierten Kräfte.

WDR: Kann man überhaupt von einem pragmatischen Flügel einerseits und einem radikalen andererseits sprechen?

Schroeder: Diese Flügel gibt es so nicht als festgefügte Formationen. Aber man kann schon sagen, es gibt einen parlamentsorientierten Flügel, der die Spielregeln des Parlamentarismus und der Demokratie anerkennt und in diesem Sinne versucht, so eine neue CDU, wie sie vor Heiner Geißler und Angela Merkel existierte, anzustreben.

Auf der anderen Seite gibt es so einen bewegungsorientierten Flügel, der sich damit nicht zufrieden gibt und der Politik, Ansprüche und Herrschaft verändern will. In der Wirklichkeit ist diese Gemengelage etwas komplizierter. Das ist immer ein bisschen fließend und hängt von Stimmungslagen ab.

WDR: Braucht die AfD den Auftritt von rechts, um die Unterstützung zu kriegen, die sie als Partei bekommt?

Schroeder: Wenn die AfD nur diese konservative, parlamentsorientierte Fraktion darstellen würde, würde man nicht viel Aufheben um sie machen. Die AfD hat bisher mit diesem rechtsextremen Flügel insofern ein gutes Geschäft gemacht, weil der Aufmerksamkeit hergestellt hat, weil der mobilisiert hat. Und in diesem Sinne ist er auch stärker, als es eigentlich seine zahlenmäßige Position ausmacht.

Politologe: AfD braucht "Truppe um Höcke"

WDR 5 Morgenecho - Interview 30.11.2019 05:55 Min. Verfügbar bis 29.11.2020 WDR 5

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Anmerkung der Redaktion: Die schriftliche Version des Morgenecho-Interviews wurde im Vergleich zur gesprochenen Version leicht gekürzt. Der Inhalt bleibt davon unberührt.

Stand: 30.11.2019, 11:57

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