Psychologe: "Like"-Verzicht kann Instagram "gesünder machen"

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Psychologe: "Like"-Verzicht kann Instagram "gesünder machen"

  • Pilotversuch bei Instagram
  • Likes nicht für alle sichtbar
  • Gesünder für Nutzer ?

Die Währung in sozialen Netzwerken sind bei vielen oft "Likes". Viele Nutzer klicken "Gefällt mir" bei Beiträgen und Fotos. Instagram führt bei einigen Nutzern einen Pilotversuch durch, bei dem die Gesamtzahl der "Likes" nicht für alle sichtbar sein soll. Der Fokus soll so mehr auf Inhalte statt auf Reaktionen gelenkt werden.

WDR.de: Immer wieder ist die Rede vom Suchtfaktor von "Likes". Was ist da dran?

Christian Montag: Es gibt keine offizielle Diagnose, die lauten würde: Social-Media-Abhängigkeit. Forscher in den USA haben Instagram-Nutzer in Hirnscanner geschoben und geschaut, wie sie auf Bilder, die sie posten wollen oder schon gepostet haben, reagieren, wenn diese Bilder mit viel oder wenig "Likes" bewertet werden.

Unter anderem wird durch Bilder, die von mir gepostet werden und mit vielen "Likes" versehen worden sind, sehr sehr stark das Belohnungssystem im Gehirn aktiviert. Das ist sicherlich ein Grund, warum Leute immer wieder auf die Plattform gehen, denn ich bekomme "Likes", das fühlt sich gut an.

Like-Wettbewerb bei Instagram

WDR 5 Morgenecho - Interview 16.11.2019 04:31 Min. Verfügbar bis 14.11.2020 WDR 5

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WDR.de: Das führt natürlich auch dazu, dass andere, die weniger "Likes" haben, auch gerne mehr haben wollen. Übt das Druck aus?

Montag: Wir leben im Zeitalter der Aufmerksamkeitsökonomie auf der einen Seite. Das ist der Grund, warum Plattformen wie Facebook oder Instagram großes Interesse haben, Mechanismen zu verbauen, damit die Nutzer immer wieder kommen und auch viel Zeit dort verbringen. Denn das bedeutet mehr Daten für die Unternehmen und wir können besser monetisiert werden.

Auf der anderen Seite entsteht eine "Like"-Ökonomie. Das heißt, wir vergleichen uns immer mehr. Gerade bei Menschen, die eine etwas instabilere Persönlichkeitsstruktur haben, die können in eine Schleife hineingeraten, die zu einem negativen Affekt führt.

WDR.de: Es kann vielleicht etwas Positives haben. Likes könnten den Jugendlichen auch so etwas wie Orientierung geben?

Montag: Das ist eine steile These, denn es ist eine Währung, die zunächst nur online stattfindet. Das ist das echte Leben, aber es ist sehr stark entkoppelt von dem, was mich im Alltag ausmacht. Dort wird durchaus sehr geschönt und nicht die wirkliche Realität abgebildet, sondern eine bestimmte Perspektive, die ich zeigen möchte.

WDR.de: Die "Like"-Zahlen sollen jetzt bei einigen nicht zu sehen sein. Hat das den gewünschten Effekt: Fokus mehr auf Inhalte statt auf Likes?

Montag: Ich bin vorsichtig optimistisch, dass es ein richtiger Schritt ist, diese Plattform gesünder zu bauen, psychisch gesünder zu machen. Das ist ein erster kleiner Schritt und warten wir mal ab, was tatsächlich folgt.

Das ist eine gekürzte und bearbeitete Fassung des Interviews.

Stand: 16.11.2019, 12:55

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