Teaserbild ImPuls: Putins Krieg in der Ukraine

KOLUMNE

Ukraine-Russland-Krieg: "Putin ist ein Terrorist!"

Stand: 26.02.2022, 11:42 Uhr

Dieser Mann ist unberechenbar. Das haben wohl in dieser Woche auch die letzten begriffen. Zu spät, meint unser Kolumnist Ralph Sina.

Von Ralph Sina

Putins Truppen bereits kurz nach dem Ukraine-Einmarsch in Kiew - das hätte ich nicht für möglich gehalten. Ab sofort ist das Undenkbare denkbar: Russische Invasionstruppen in Polen, Bulgarien oder in den baltischen Staaten. Ein Atomkrieg Russland-USA - nichts ist mehr ausgeschlossen.

Dass in dieser Situation der Heeresinspekteur der Bundeswehr offen bekennt, die Armee des wichtigen Nato-Mitglieds Bundesrepublik sei buchstäblich blank, ist hochgradig alarmierend.

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Unsere Kanzlerin war naiv

Merkel hat das gewusst. Und sie kannte besser als andere die kranke Denk-Welt des ehemaligen KGB-Agenten Putin. Nicht erst als dieser Sadist trotz ihrer bekannten Hunde-Phobie seinen großen schwarzen Labrador an ihr vorbeistreifen ließ.

Koney - der schwarze Labrador von Russlands Präsident Putin

Koney - der schwarze Labrador von Russlands Präsident Putin

Was hat sich die Kanzlerin eigentlich gedacht? Und ihre VerteidigungsministerInnen von der Leyen und Kramp-Karrenbauer? Wir schaffen das schon? Das Minsker Friedensabkommen wird es schon richten? Es hätte ihnen klar sein müssen, dass das mit einem Größenwahnsinnigen wie Putin auf Dauer nicht zu machen ist.

"Ich friedensverwöhntes westdeutsches Wohlstandskind habe mehr Angst denn je um die Zukunft meiner Kinder und Enkel." Ralph Sina

Putins mörderischer Armeeapparat hat an alles gedacht. Mobile Krematorien folgen bereits den russischen Truppen in die Ukraine. So die Informationen aus Großbritannien.

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Putin kann sich die Hände reiben. Der Kriegsverbrecher im Kreml ist derzeit der mächtigste Mann der westlichen Welt. Er treibt den zweitgrößten europäischen Staat namens Ukraine vor aller Augen nicht nur in die bedingungslose Kapitulation. Er degradiert dieses Land, mit seiner frei gewählten Regierung, vor den Augen der EU und der USA zu einem Vasallenstaat - einem Staat, der sich unterordnen muss.   

Vom Westen alleingelassen

Die Ukraine war in dieser Woche der einsamste Staat der Welt. Als die USA von Osama Bin Ladens Al Quaida in New York und Washington angegriffen wurde, rief Washington die Nato-Welt zu Hilfe. Kiew kann niemanden zu Hilfe rufen.

"Warum nehmen wir die Ukraine nicht einfach in die Nato auf?", fragte mich eine Bekannte aus Münster kurz vor Putins Ukraine-Invasion. Die Antwort ist einfach: Weil niemand im Westen einen Atomkrieg mit Russland will. Zu dem Putin aber bereit ist, wenn sich ihm der Westen in den Weg stellt.

Russland ist zwar wirtschaftlich ein Zwerg. Aber Putins Armee besitzt neben strategischen Atomwaffen auch Hyperschallwaffen mit zehnfacher Schallgeschwindigkeit, gegen die die Luftabwehrsysteme der Nato machtlos sind.

Das Gleichgewicht des Schreckens, das im Kalten Krieg den Atomschlag zwischen den USA und der UdSSR verhinderte, gibt es nicht mehr. Und die Bundeswehr als einer der wichtigsten Alliierten der USA steht mehr oder weniger blank da.

Putin weiß, dass sich ihm derzeit niemand in den Weg stellt. Die Ukraine ist buchstäblich zum Abschuss freigegeben. Russlands Präsident führt einen Krieg gegen Freiheit und Selbstbestimmung in den ehemaligen Sowjetrepubliken. 

Und was machen wir jetzt? Deutschland, die EU und die Nato?

Im Kern: business as usual. Fast alles wie immer! Stell Dir vor, es herrscht Krieg in Europa - und alle zucken mit den Schultern. Unfassbar!

Hat US-Präsident Biden etwa die Ölimporte aus Russland gestoppt? Nein. Die USA finanzieren weiterhin durch ihre russischen Öl- und Gasimporte indirekt Putins Kriegskasse.

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Putin muss derzeit nichts und niemanden von außen fürchten. Nicht in Washington. Nicht in Berlin, London oder Rom. So traurig es ist: Der ehemalige KGB-Agent agiert momentan völlig ungehindert und wie es ihm gefällt.

Wer nach dem Überfall auf die Ukraine immer noch glaubt, die Nato mit ihrer Osterweiterung habe Putin zu dieser "Verzweiflungstat" getrieben, dem ist wirklich nicht zu helfen.

Die Nord-Stream-Lüge

Was hat Deutschland nicht alles getan, um den Deutschland-Kenner Putin positiv zu stimmen! Merkel hat zum Entsetzen der Ost-Europäer Putins Prestigeprojekt und potentielle Gelddruckmaschine Nord Stream 2 vorangetrieben. Und die deutsche Bevölkerung mit dem schwachsinnigen Hinweis zu beruhigen versucht, hier handele es sich um ein reines Wirtschaftsprojekt.

Merkel hat die Schwäche der Bundeswehr sehend in Kauf genommen und gleichzeitig die russische Gaspipeline gegen den Widerstand Polens und der Balten vorangetrieben - so viel Unterstützung aus Deutschland  hätte sich der einst in Dresden stationierte ehemalige KGB-Agent Putin nicht träumen lassen.

Dazu kam die ungebremste Bereitschaft der Bundesrepublik und der EU, sich von Russlands Energiequellen abhängig zu machen. Auch unsere Abhängigkeit von Putins Erdgas macht ihn zum derzeit mächtigsten Player.

Putin regierte sogar auf Schalke

Als Kind des Ruhrgebiets hat es mich seit Jahren hochgradig irritiert, Putins verlängerten Arm namens Gazprom bis zum zweiten Ukraine-Einmarsch auf den Schalke-Trikots zu sehen. Ein deutscher Traditionsclub finanziert sich über ein Jahrzehnt lang mit Geldern eines Gas-Konzerns, in dem ein Kriegsverbrecher den Ton angibt! Unfassbar.  

Gazprom-Schriftzug auf dem Schalke-Trikot

Gazprom-Schriftzug auf dem Schalke-Trikot

Putin hat Syriens Diktator Assad den Bau von Chemiewaffen ermöglicht und in Syrien Schulen und Krankenhäuser mit Brandbomben dem Erdboden gleichgemacht. Der russische Präsident gehört deshalb seit Jahren vor das Internationale Kriegsverbrecher-Tribunal in Den Haag.

Doch selbst nachdem Putin in Syrien dem Massenmörder Assad in die Hände spielt, 2014 die Krim annektiert und den Osten der Ukraine terrorisiert, nimmt ein deutscher Fußballclub nicht nur hemmungslos Gelder von Gazprom, sondern akzeptiert 2019 auch noch den engsten deutschen Putin-Freund namens Matthias Warnig im Aufsichtsrat. Einen der übelsten Stasi-Majore.

Später dann wurde er von der Dresdener Bank als ihr Statthalter nach Petersburg geschickt und freundete sich dort mit Putin an. Seit Jahren ist dieser ehemalige Stasi-Scherge und Putin-Intimus namens Warnig eine treibende Kraft in mehreren der größten russischen Unternehmen. Und der Boss von Nord Stream 2. Und eine solche Figur akzeptiert Schalke 04 über zwei Jahre lang in seinen Aufsichtsrat-Reihen! Da ist die Tatsache, dass sich Schalke vom Wurst- und Eisbein-König Tönnies - den Putin übrigens auch sehr schätzt - hemmungslos durch den Kreml führen ließ, eher eine Lappalie.

Gerhard Schröder und Wladimir Putin auf Schloss Gottorf anlässlich Deutsch-Russischen Regierungskonsultationen/21.12.2004/Archivbild/Symbolbild

Putin und Schröder

Altkanzler Schröder lässt sich weiterhin von den verlängerten Industrie-Armen des Kriegsverbrechers Putin finanzieren. Und Schalke hatte über ein Jahrzehnt lang keine Hemmung, dasselbe zu tun. Zwei deutsche Geschichten einer unsäglichen Kumpanei und Skrupellosigkeit.

Wir müssen aus unseren Fehlern lernen!

Vielleicht rüttelt uns dieser Krieg jetzt endlich wach. Vielleicht begreifen wir, dass wir den russischen Geldwäschern in der EU ihr Handwerk legen müssen. Die Yachten und Gelder der Oligarchen konfiszieren.

Wir müssen uns an den mächtigsten Verbündeten und Putins größten Gegner wenden, an Russlands junge Generation und Opposition, die von Putin um ihre Perspektiven betrogen werden.

Wir müssen endlich handeln. Statt nur ewig auf den Staatsterroristen namens Putin zu starren.

Was denken Sie? Waren die vielen diplomatischen Bemühungen und Gespräche mit Russland der richtige Weg? Oder haben wir uns zu lange von Putin an der Nase herumführen lassen? Und wie sollte Deutschland der Ukraine im Krieg nun helfen? Lassen Sie uns darüber diskutieren! In den Kommentaren auf WDR.de oder auf Social Media.

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Kommentare zum Thema

112 Kommentare

  • 112 Micha 04.03.2022, 11:07 Uhr

    Musste sich Melnyk erst entgeistert von nicht näher benannten deutschen Offiziellen anhören, die Ukraine könne Std., vllt Tage dem russ. Überfall standhalten, scheinen erste Prognosen überholt zu sein. In Dtschl. bereitet Lauterbach Einrichtungen + Ärzte auf die Versorgung ukrain. Verletzter, Verwundeter, Versehrter vor. Selbst in kl. Dörfern wird nach Wohnraum für Vertriebene gesucht. Merz kann sich eine Verwicklung der NATO vorstellen. Frankr. zieht im Mittelmeer e. Flugzeugträger nebst Geleitschutz v. einer Mission ab, um ihn zur Abschreckung+Aufklärung rund um die Ukraine einzusetzen. Belarus schickt Truppen an die ukrain. Grenze. Russ.+ukrain. Verhandler einigen sich auf humaitäre Korridore. Die Duma stellt Verunglimpfungen des russ. Militärs+Sanktionsaufrufe geg. Russl. unter hohe Strafen. --- "Soll" der Krieg ewig weitergehen, wurde Putins Haltung als hoffnungslos erkannt, ist/wird das ein Stellvertreterkrieg - mitten in Europa? Drehen bald alle durch? Und die IAEA ist besorgt.

  • 111 Despototo 01.03.2022, 00:17 Uhr

    SPD = Abkürzung für Schröder-Putin-Desaster ? Einst rüttelte der aus einfachen Verhältnissen stammende und später zum Juristen avancierte Herr S. am Zaun des Kanzleramtes in Bonn und rief: "Ich will hier rein". Ja, hat er auch geschafft. Nun fühlt er sich wohl noch mehr zu Höherem berufen und will wohl der oberste Gasmann Russlands werden. Genosse der Bosse: Agenda 2010, Hartz IV-Empfänger vs. dicke Zigarren und Brioni-Anzug-Foto-Shooting. Das waren Peanuts, bzw. Training für eine höhere Liga. Meine Großmutter sagte einst: "Wer von Not zu Brot kommt, schnappt gerne über". Oder meint, mit Herrn P. mal so richtig Schlitten fahren zu dürfen (2001). Wieso grätscht der einst als "Acker" bezeichnete Dorf-Fussballer S. seinem Kreml-Kumpel P. nicht einfach mal dazwischen ? Das wäre doch ehrenvolles Fairplay unter lupenreinen Demokraten zur Rettung Europas. Oder darf er das, als ehemaliger Geheimnisträger der Bundesrepublik Deutschland, vielleicht gar nicht ?

    Antworten (1)
    • Micha 02.03.2022, 12:13 Uhr

      @ Despototo: Ich eröffne die Märchenstunde: Der Kreml-Chef und Herr S. setzen sich ganz vertraut mit Zigarren und alkoholischen Getränken zusammen, und Herr S. bequatscht Herrn P., friedlich von seiner Riesenpalme herunter zu kommen. Russische Bären haben auf Palmen sowieso nix verloren, die sind für Äffchen und Kokosnüsse da.

  • 110 LOL 28.02.2022, 17:59 Uhr

    Echt krass wie gut die westliche Propaganda funktioniert! Bevor wir mit dem Finger auf jemanden zeigen, sollten wir erst unseren Misthaufen wegräumen. Dieser ist so gross dass die menschen scheinbar nicht mehr fähig sind klar zu denken oder gar etwas zu erkennen... es macht mir sorgen das Einstein damals bereits zu 200% richtig lag und ich von solchen mitgelenkt werde. Gott steh uns bei!

    Antworten (2)
    • Rolf B. 02.03.2022, 11:22 Uhr

      Wir haben keine Übung mit Propaganda umzugehen; lange Zeit gab es Meinungsvielfalt und es wurde nicht nur in Schwarz-Weiß gezeichnet. Seit Barroso Janukowitsch vor die Wahl stellte, entweder gute Beziehungen zur EU oder zu Russland aber beides geht nicht, macht man im Westen falsch was nur falsch laufen kann. Allerdings wäre der Umkehrschluss nicht zulässig, dass auf der anderen Seite alles richtig läuft. Die Verteidigung der Ostukraine durch Russland gegen die Westukraine finde ich richtig, den russische Einmarsch in die Westukraine sehe ich auch als krassen Fehler an. Aber die Unabhängigkeitsbewegungen im Osten der Ukraine werden schon seit 8 Jahren mit Krieg bekämpft doch das hatte und hat bis heute hier niemanden gestört. Das ist unser „Misthaufen“, den wir zumindest mal nicht rausfiltern sollten, sonst gibt es keinen Ausweg aus der Eskalation.

    • Micha 02.03.2022, 12:05 Uhr

      @ LOL: An welchen Stellen des Misthaufens fehlt uns so dringend ein Erkenntnisgewinn?

  • 109 steinwolf@gmx.de 28.02.2022, 17:13 Uhr

    Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er gegen unsere Netiquette verstößt. (die Redaktion)

  • 108 Bernd 28.02.2022, 13:54 Uhr

    Schon interessant oder eher arm. Kaum sind die Sanktionen der EU in Kraft erhöht Herr Putin seine Bereitschaft seiner Atomwaffen. Die Verzweiflung eines Lügners. Seine Untertanen fangen an zu murren. Das ist gut für Russland. als es im TV kam das die Bereitschafsstufe sahen seine Vasallen aus als hätten sie in eine Zitrone gebissen. Will Herr Putin das Ende der Welt aus seinem Bunker noch ein paar Wochen über einen Haufen Schlacke regieren. Der Westen sollte die Gasleitungen schließen auch wenn es teuer wird.

    Antworten (2)
    • Micha 02.03.2022, 12:02 Uhr

      @ Bernd: Polens Ministerpräsident hat gerade heute laut über ein Embargo (Gas, Kohle, Öl) nachgedacht. - Meine rabenschwarze Glaskugel sagt, dass frühestens am Wochende darüber diskutiert wird. Wenn die ukrainischen Soldaten und Bürger noch so lange Widerstand leisten können. Und wenn es inzwischen nicht mehr als zwei Kriegsparteien geben sollte. ---- Wer noch hochbetagte Angehörige hat, sollte sich in diesen Tagen sehr gut um sie kümmern. Diese Senioren müssen mMn derzeit kurz vor dem Abtillen sein, da kommen auch wieder längst verschüttet geglaubte Kriegserinnerungen hoch.

    • Micha 02.03.2022, 13:05 Uhr

      Gerade gelesen: Trading Hub Europe ist beauftragt, für unsere Bundesregierung Flüssiggas zu kaufen. 1,5 Mrd. EUR wegen Dringlichkeit sofort bewilligt, ohne Haushaltsdiskussion.

  • 107 Günther Peters 28.02.2022, 10:16 Uhr

    Putin und seine Kriminelle Bande gehören vor dem Gericht der Vereinten Nationen und Rußland muß für die Schäden in der Ukraine alles bezahlen und diese Bande darf keinen Fuß mehr in die freie zivilisiert Welt setzen dürfen.

  • 106 Ännibuddy 27.02.2022, 22:59 Uhr

    Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er gegen unsere Netiquette verstößt. (die Redaktion)

  • 105 Bernd 27.02.2022, 22:36 Uhr

    Dieser Kommentar wurde mehrfach abgegeben und daher an dieser Stelle gesperrt. (die Redaktion)

  • 104 Bernd 27.02.2022, 22:31 Uhr

    Dieser Kommentar wurde mehrfach abgegeben und daher an dieser Stelle gesperrt. (die Redaktion)

  • 103 Anonym 27.02.2022, 22:26 Uhr

    Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er zu Gewalt aufruft. (die Redaktion)

  • 102 Melli 27.02.2022, 19:27 Uhr

    Herr Sina, ich stimme ihrer Kolumne hier voll und ganz zu. Die Ukraine braucht unsere Hilfe und ich hoffe, dass Putin mit seinem unsinnigen Krieg nicht erfolgreich sein wird. Für diesen Mann habe ich einfach keine Worte mehr. So ganz normal scheint er nicht zu sein und ich glaube, dass der an Wahnvorstellungen leidet. Bin nur froh, dass in Amerika jetzt nicht der orangene Mann sitzt. Das wäre eine fürchterliche Vorstellung.

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