08.01.2021, Brandenburg, Großbeeren: Der Großbeerener Internist Christian Schäfer vom Mobilen Impfteam des DRK gibt der 75-jährigen Gabriele Urban eine Impfung

Kaum Überblick über Impfquote in Pflegeheimen

Stand: 07.12.2021, 18:00 Uhr

In vielen Fällen haben die Behörden auch in der vierten Corona-Welle keine Ahnung, wie gut Senioren in Pflegeheimen geschützt sind. Das ergab eine Umfrage von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung.

Von Markus Grill, Arnd Henze, Lena Kampf und Patrick Wira, WDR/NDR

Das gilt demnach auch für die Impfquote unter den Beschäftigten in den Einrichtungen. Bei einer Umfrage unter mehr als 370 Gesundheitsämtern in Deutschland antworteten gut 180 Ämter. Rund zwei Drittel gaben an, keinen Überblick über den Impfschutz von Seniorinnen und Senioren in Pflegeheimen zu haben.

Gut 130 von ihnen wissen zudem nicht, wie hoch der Anteil der Geimpften beim Pflegepersonal ist. Die Umfrage ist nicht repräsentativ, zeigt aber einen klaren Trend. Dabei ist es aber nicht überall so schlecht: Die NRW-Landkreise Düren und Heinsberg etwa haben einen nahezu vollständigen Überblick über die Lage in den Pflegeheimen.

Auch im Seniorenzentrum Köln-Riehl, bekannt als "Riehler Heimstätten", ist man gut aufgestellt, wenn es um das Boostern geht. Rund drei Viertel der Bewohner und Bewohnerinnen der Pflegeeinrichtung haben bereits ihre Drittimpfung erhalten, bei dem Pflegepersonal sind sogar über 85 Prozent geboostert.

In Kölns größter Senioreneinrichtung hat schon im September mit den Auffrischungen begonnen – lange bevor die Ständige Impfkommision ihre Empfehlung abgegeben hatte. Dr. Jan Schirmer, einer der Hauptverantwortlichen für das Impfen bei den Sozialbetrieben Köln: "Wir haben auch mitbekommen, dass es Impfdurchbrüche gibt. Und haben dann sehr großzügig geboostert."

Er hat seine Arztpraxis auf dem Gelände der Einrichtung. "Wir haben natürlich die über 70-jährigen gehabt: Risikogruppe! Aber die Pflegekräfte gehören im Grunde auch dazu. Also wer wollte, konnte sich früher boostern lassen."

Fallzahlen in Pflegeheimen häufen sich

Welche dramatische Folgen eine unzureichende Impfquote in Pflegeheimen haben kann, zeigt sich derzeit in Saalfeld-Rudolstadt in Thüringen. Dort sind in einem Pflegeheim, in dem ein Drittel der Bewohner nicht geimpft ist, in den vergangenen Tagen 28 Menschen gestorben.

Dabei wurde allerdings allen eine Impfung angeboten, betont Amtsarzt Christian Stiehler: "Die Nicht-Impfung ist in diesen Fällen also eine bewusste Entscheidung der Bewohner beziehungsweise von deren Angehörigen und Betreuern und liegt nicht an Terminengpässen in der Impfstelle."

Viele Gesundheitsämter haben keine Informationen über Impfquoten

Auch die Zahlen, die rückgemeldet wurden, zeigen ein erschreckendes Bild: Erst rund die Hälfte der Seniorinnen und Senioren hatten zum Zeitpunkt der Umfrage Ende November die medizinisch notwendige Drittimpfung bekommen.

Dabei hatte schon am 2. August die Konferenz der Gesundheitsminister beschlossen, dass "ab Ende September vulnerablen Gruppen eine Auffrischimpfung angeboten wird" - nur passierte dann lange Zeit fast nichts.

Mal lag es daran, dass die mobilen Impfteams abgebaut wurden, mal hatten Hausärzte ihre Corona-Impfungen wieder eingestellt, mal war das Impfzentrum geschlossen worden, aus dem zuvor auch die Heime versorgt wurden. Erst jetzt zieht das Impftempo an – fast zwei Monate nach dem geplanten Start.

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