Sind in NRW viel weniger Kinder geimpft als gedacht?

Eine Hand hält den Arm eines Kindes fest, die andere Hand hält eine Spritze.

Sind in NRW viel weniger Kinder geimpft als gedacht?

Von Christian Wolf

  • Krankenkasse legt neue Zahlen zu Impfquoten vor
  • Offenbar viel mehr ungeimpfte Kinder in NRW als gedacht
  • Masern-Impfpflicht soll 2020 kommen

Die Barmer Krankenkasse geht davon aus, dass viel mehr Kinder in NRW nicht geimpft sind als bislang gedacht. Der Handlungsbedarf ist offenbar groß.

Wie ist die Impfquote in NRW?

Die Barmer hat am Donnerstag (08.08.2019) ihren Arzneimittelreport vorgestellt. Darin wurde untersucht, wie viele der 2015 geborenen Kinder in den ersten zwei Jahren eine Impfung bekommen haben. Bei Masern, Mumps und Röteln waren es 83,3 Prozent. Gegen Tetanus waren 81,5 Prozent geimpft und gegen Kinderlähmung 81,3 Prozent.

Die Zahlen sind niedriger als die vom Robert-Koch-Institut (RKI). Laut dessen Statistik liegen die Quoten bei über 90 Prozent. Angesichts der Unterschiede sagt Daniel Grandt, Mitautor des Arzneimittelreports: "Die Impflücken bei Kleinkindern in Deutschland sind größer als bisher bekannt."

Impfen – Der kleine Piks, der Leben rettet Planet Wissen 10.05.2019 57:57 Min. UT Verfügbar bis 10.05.2024 WDR

Wie lassen sich die verschiedenen Quoten erklären?

Grund sind unterschiedliche Herangehensweisen. Die Krankenkasse hat sich die Abrechnungsdaten ihrer Versicherten angeschaut und diese auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet. Das RKI verwendet die Daten der Schuleingangsuntersuchungen. Bei diesen wird aber die Impfquote jener Kinder ermittelt, die auch einen Impfpass haben. Alle ohne Pass fallen aus dem Raster.

Die Barmer-Studienautoren sagen, dass sie realistischere Zahlen ermittelt haben, da die Kinder ohne Impfpass bei ihnen auch erfasst wurden. Das RKI räumt ein, dass seine Quoten möglicherweise etwas zu hoch seien.

Was fördert die Impfbereitschaft?

WDR 5 Quarks - Hintergrund 09.05.2019 09:18 Min. Verfügbar bis 08.05.2024 WDR 5

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Was sind die Folgen von niedrigeren Impfquoten?

Mit einer hohen Impfquote wäre NRW gegen wichtige Krankheiten gut gerüstet. Das sieht aber offenbar anders aus. Ortwin Adams, Virologe an der Uniklinik Düsseldorf, sagt: "Wenn wir tatsächlich nur Zahlen erreichen, die sich im unteren Bereich der 80 Prozent befinden, dann ist das insofern bedenklich, dass wir damit keine Chance haben, ein Virus auszurotten. Wir wissen, dazu muss zum Beispiel bei den Masern die 95-Prozent-Rate erreicht werden." Es bestehe die Gefahr, dass es immer wieder Ausbrüche gebe.

Ein Ausweg könnte eine Impfpflicht sein. Für Masern gibt es dafür Pläne. Das Bundeskabinett hat Mitte Juli ein Gesetz für eine Masern-Impfpflicht auf den Weg gebracht. Ab März 2020 müssten Eltern vor der Aufnahme ihrer Kinder in eine Kita oder Schule nachweisen, dass diese geimpft sind. Der Bundestag muss noch zustimmen.

Stand: 08.08.2019, 16:32

Kommentare zum Thema

1 Kommentar

  • 1 Brigitte 09.08.2019, 10:19 Uhr

    Was ich nicht verstehe: ALLE Kinder werden einer Schuleingangsuntersuchung unterzogen. Über die Sinnhaftigkeit wird seit 25 Jahren diskutiert, aber der ÖGD will unbedingt diese "Untersuchung" für alle, auch wenn mit den Daten wenig gemacht wird. Warum wird in diesem Zusammenhang nicht konsequent der Impfstatus erhoben und ggf. ein Beratungsgespräch geführt. Wer sein Impfbuch vergessen hat, muss dann nochmals vorsprechen und es vorzeigen. Das wäre doch mal ein systematischer Ansatz, bevor die Pflichtkeule hervorgeholt wird. Die Datenlage wäre gut und die Schuleingangsuntersuchung hätte wenigstens ein wenig Sinn.

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