Masern-Impfpflicht: Was tun, wenn der Impfpass weg ist?

Masern-Impfpflicht: Was tun, wenn der Impfpass weg ist?

  • Bundestag beschließt Masern-Impfpflicht
  • Umfrage: Jeder Achte hat keinen Impfpass
  • Viele Unter-50-Jährige nicht gut geschützt

Ab kommenden Jahr müssen Kinder gegen Masern geimpft sein - und alle, die in Kindergärten, Schulen, Krankenhäusern und anderen öffentlichen Gemeinschaftseinrichtungen arbeiten. Das hat der Bundestag beschlossen, um die steigende Zahl an Masern-Erkrankungen einzudämmen. 2018 haben sich allein in Europa so viele Menschen mit Masern angesteckt wie seit zehn Jahren nicht mehr.

Der Masern-Impfschutz muss nachgewiesen werden. Dieser Nachweis erfolgt über den Impfausweis, das gelbe Kinderuntersuchungsheft oder über ein ärztliches Attest. Über einen Bluttest können Ärzte feststellen, ob bereits geimpft wurde oder der Patient nach einer erlittenen Krankheit immun ist.

Nach einer repräsentativen Forsa-Umfrage hat jeder Achte keinen Impfpass. Unter den Alleinlebenden besitzt nur jeder Fünfte einen Impfausweis.

Ärzte haben Aufbewahrungspflicht

Findet man seinen Pass nicht, kann man sich an den ehemaligen Hausarzt oder die Kinderärztin wenden. Sie müssen Patientenunterlagen mindestens zehn Jahre lang aufheben, und tun es oft viel länger.

Impfpflicht: Eine Frage der Solidarität

WDR 5 Morgenecho - Kommentar 19.10.2019 02:17 Min. Verfügbar bis 17.10.2020 WDR 5 Von Vera Wolfskämpf

Download

Erst wenn eine Impfung bescheinigt ist, kann sie in einen neuen Impfausweis eingetragen werden - mit dem man dann seinen Masernschutz nachweisen kann.

Neue Impfung schadet nicht

Wer sich im Zweifelsfall erneut impfen lässt, erleidet laut Robert-Koch-Institut keinen Schaden. Das körpereigene Immunsystem erkennt das abgeschwächte Masernvirus und registriert, dass es schon Antikörper dagegen gebildet hat. Bei der Impfung bekommen Erwachsene eine Spritze mit einem Stoff gegen Mumps, Masern und Röteln, der sogenannte MMR-Impfstoff. Nur er ist zurzeit in Deutschland gegen Masern zugelassen.

So sollen zukünftige Mütter gegen Röteln und potentielle Väter gegen Mumps geschützt werden. Denn Röteln können den Fötus schädigen und Mumps kann unfruchtbar machen.

Spahn weist Kritik zurück

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat am Donnerstag (14.11.2019) im ARD-Morgenmagazin Kritik zurückgewiesen, wonach die Bevölkerung ungenügend über die Masernschutzimpfung aufgeklärt werde. Es stehe ausdrücklich im Gesetz, dass die Verwendung eines Dreifach-Impfstoffes auch gegen Mumps und Röteln nicht gegen die verpflichtende Impfung spreche.

Die Masernimpfung kostet rund 50 Euro. Die Kosten werden zwar von den Krankenkassen übernommen, aber auch aus diesem Grund lohnt es sich, gut auf den Impfpass aufzupassen.

Keine Angst vor Allergien

Der MMR-Impfstoff enthält abgeschwächte Krankheitsviren, die die Erkrankung selbst nicht auslösen können. Er enthält kaum Spuren von Hühnereiweiß, die eine Allergie auslösen könnten.

Menschen, die auf viele Stoffe allergisch reagieren, sollten sich vor einer Impfung mit ihrem Allergologen beraten. Fachärztlicher Rat ist auch für Menschen wichtig, deren Immunsystem, zum Beispiel nach einer Krebsbehandlung, sehr geschwächt ist.

Warum Impfpflicht nur für unter 50-Jährige?

Die Masernimpfung wurde in Deutschland Anfang der 1970er Jahre eingeführt. Kinder bekamen zwei Spritzen mit einigem zeitlichen Abstand. Wurde die zweite Impfdosis aber vergessen, sind diese Kinder nicht unbedingt immun.

Bei fünf bis zehn von 100 Kindern reagiert das Immunsystem auf die erste Spritze noch nicht. 99 Prozent aller Kinder sind erst nach der zweiten Dosis geschützt. Menschen, die vor 1970 geboren wurden, sind zwar nicht geimpft, sie sind aber sehr wahrscheinlich alle mit dem hoch ansteckenden Masernvirus in Kontakt gekommen. Dann ist man ein Leben lang geschützt.

Gefährliche Masern Quarks 26.02.2019 06:23 Min. UT Verfügbar bis 26.02.2024 WDR Von Eva Schultes

Stand: 14.11.2019, 12:45

Weitere Themen

Aktuelle TV-Sendungen