Locken oder Strafen: Impfstrategie am Scheideweg

Ein Senior wird von einer medizinischen Fachkraft geimpft.

Locken oder Strafen: Impfstrategie am Scheideweg

Die Delta-Variante breitet sich in NRW aus, gleichzeitg nimmt die Impfbereitschaft ab. Die Politik steht deshalb vor der Frage, wie sie gegensteuert: mit Lockangeboten oder Impf-Pflicht und Sanktionen.

Die Corona-Inzidenz ist in NRW zuletzt in einigen Regionen wieder leicht angestiegen. Auch wenn das RKI die Inzidenz als Schlüsselwert zur Bewertung der aktuellen Pandemie-Lage ablösen will, ist die Politik doch gewarnt. Zumal die ansteckende Delta-Variante mittlerweile dominiert.

Zahlreiche Impftermine bleiben frei

Denn nach den Sommerferien könnten heimkehrende Urlauber die Infektionszahlen hoch treiben und gleichzeitig nimmt offenbar die Impfbereitschaft ab. Allein in NRW sind in dieser Woche noch rund 300.000 Impftermine frei. Das Hagener Impfzentrum impft nur noch an zwei Tagen in der Woche, weil die Nachfrage nach den Erstimpfungen so gering ist.

Die Landesregierung hat deshalb die "Woche des Impfens" ausgerufen, um Menschen einfacher zu erreichen, die bislang noch nicht geimpft sind. Die Städte und Kreise sollen dazu kreative Wege finden, um die Menschen möglichst niedrigschwellig zu erreichen.

Impfen am See oder im Fitnesscenter

Impfen im Impfzentrum ohne Termin, Impf-Mobile und kreative Impf-Aktionen sollen Hürden beseitigen. So wurde etwa am Schiedersee im Kreis Lippe geimpft, in Attendorn gab es ein Impf-Frühschoppen mit Blasmusik und alkoholfreiem Bier.

Genau richtig findet Susanne Johna, Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund: "Wir müssen Menschen auch direkt ansprechen und nicht warten, bis sie ins Impfzentrum oder zum Hausarzt kommen."

Lockangebote: Fahrrad gegen Spritze

Aber reicht das, um die Impfquote nachhaltig zu erhöhen? Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) ist skeptisch. Er hat deshalb dafür plädiert, Menschen mit Belohnungen zu locken, etwa indem unter Impflingen ein Fahrrad verlost wird. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hält das allerdings für das falsche Signal.

In den USA sind Impf-Lotterien weit verbreitet, teils mit Preisen in Millionenhöhe. Allerdings offenbar mit bescheidenem Erfolg. Wissenschaftler der Universität Boston hatten untersucht, wie sich die Impfquoten in Bundesstaaten nach Einführung der Lotterie entwickelt haben und keine signifikanten Auswirkungen festgestellt.

Impfpflicht für Lehrer?

In eine andere Richtung gehen Vorschläge des Ethikrates. Der Humangenetiker Wolfram Henn fordert eine Impfpflicht für Beschäftigte an Schulen und Kitas um Kinder unter zwölf Jahren zu schützen, die nicht selbst geimpft werden können: "Wer sich aus freier Berufswahl in eine Gruppe vulnerabler Personen hineinbegibt, trägt eben besondere berufsbezogene Verantwortung", sagte er der Rheinischen Post.

Auch in Frankreich bereitet die Regierung wegen des sinkenden Impftempos nach Medienberichten eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen vor. Dazu sollen vor allem Beschäftigte in Gesundheitsberufen gehören. In NRW wird das von den betroffenen Berufsgruppen allerdings abgelehnt.

Stand: 12.07.2021, 13:40

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