Ansturm auf Impfaktionen in NRW - Hilferufe wegen Impfstoffmangels

Ansturm auf Impfaktionen in NRW - Hilferufe wegen Impfstoffmangels

Von Katja Goebel und Christina Höwelhans

Der Bundespräsident appelliert: "Lassen Sie sich impfen!" Viele Ärzte in NRW haben in ihren Praxen am Samstag einen so starken Ansturm verzeichnet, dass sie jetzt davor warnen, dass Impfstoff knapp wird.

Der Coronavirus breitet sich rasant aus. Regeln werden so stark verschärft, dass sie den Ungeimpften aus Sicht von NRW-Gesundheitsminister Laumann einem Lockdown gleichen. Und dann taucht auch noch eine neue, wohl gefährlichere Variante auf. Da wollen sich viele gegen Corona impfen oder boostern lassen.

In NRW gibt es an diesem ersten Adventswochenende zahlreiche Angebote. Ob Arztpraxen, Rathäuser, Fußgängerzonen, Turnhallen und Impfbussen - an vielen Orten wird geimpft und geboostert. Momentan sei die Nachfrage nach Impfungen kaum mehr zu bewältigen, sagte der Arzt Peter Münster aus Münster dem WDR.

Doch genau dieses Ziel der Impfkampagne droht wegen Vorgaben und fehlender Vorkehrungen der Politik nicht erreicht werden zu können. An Impfwilligen scheitert es nicht, aber an Impfstoff.

Kassenärzte: Zwei Millionen Dosen Impfstoff fehlen

Dr. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, spricht zu Journalisten

Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein

Inzwischen machen deutschlandweit 100.000 Ärzte bei den Impfungen mit und buhlen um Impfstoffmengen. Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein sagt, dass der Bund nach eigenen Angaben etwa die Hälfte der Biontech-Bestellungen nicht bedienen könne. Viele Praxen werden auch in der kommenden Woche also weniger Impfstoff erhalten, als sie bestellt haben.

Insgesamt fehlen nach Informationen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung kommende Woche bundesweit rund zwei Millionen Dosen. Selbst beim Impfstoff Moderna könne es regional zu Kürzungen kommen. Dies widerspreche den Aussagen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), wonach für Praxen genug Moderna-Impfstoff vorhanden sei. "So kann es einfach nicht weitergehen, in den vergangenen Wochen jagt im Bund ein Desaster das nächste", schimpft Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein.

Genug Impfstoff? "Hier ist er nicht"

Im Ibbenbürener Test- und Impfzentrum ist seit Wochen zu wenig Impfstoff da. Erst zwei Wochen Bestellfrist, dann rationierte Impfmengen. "Wir haben sehr viele Erstimpflinge, das zieht richtig an", sagt der Ibbenbürener Arzt Dieter Windmann. "Die Wartenden in der Schlange können wir gleich wegschicken und ihnen sagen: Es geht heute nicht."

Hintergrund dieses Desasters: Die Impfstoffmenge wurde rationiert und nur die Hälfte der bestellten Biontech-Dosen geliefert. Aufgrund der zugesicherten Biontech-Dosen hatte der Arzt kein Moderna geordert und als es Dienstag zur Bekanntgabe kam, konnte er nicht mehr nachbestellen, weil die Bestellfrist abgelaufen war. "Herr Spahn sagt: Wir haben genug Impfstoff. Hier ist er nicht."

Spahn: Rund 14 Millionen Dosen zur Verfügung

Bundesgesundheitsminister Spahn weist die Kritik aus Ländern und von Ärzten zurück. Diese Woche seien sieben Millionen Impfdosen ausgeliefert worden und 3,5 Millionen Menschen geimpft worden. Am Montag und Dienstag liefere der Bund weitere zehn bis elf Millionen aus. Dann stünden rund 14 Millionen Dosen zur Verfügung. Es könne trotzdem vorkommen, dass es lokal aus logistischen Gründen nicht so viel Impfstoff wie gewünscht gebe.

Bis zum 21. November 2021 sind laut Robert Koch-Institut insgesamt 125,7 Millionen Dosen Impfstoff an Impfzentren, mobile Impfteams, Arzt- und Betriebsarztpraxen geliefert worden. 96,4  Prozent dieser Dosen wurden bis zum Freitag verimpft.

Appell des Bundespräsidenten: "Lassen Sie sich impfen"

Bundespräsident Frank Walter Steinmeier

Bundespräsident Frank Walter Steinmeier

Gleichzeitig appelliert Bundespräsident Frank Walter Steinmeier eindringlich an die Menschen, sich impfen zu lassen: "Wir könnten doch so viel weiter sein! Das ist eine bittere, aber notwendige Erkenntnis. Lassen Sie sich impfen und erneuern Sie Ihren Impfschutz rechtzeitig", schrieb er in einem Gastbeitrag in der "Bild am Sonntag". In NRW sind 82,5 Prozent aller Erwachsenen vollständig geimpft.

Dort, wo Impfstoff vorhanden ist, wird auch das erste Adventswochenende für Impfungen genutzt. Ein Überblick.

Einige Arztpraxen impfen auch am Wochenende

Menschen stehen in einer Schlange bei einer Impfaktion im Hagener Zentrum.

Impfaktion im Hagen

Viele Arztpraxen verimpfen ihre Impfdosen an festgelegten Terminen - teilweise auch am Wochenende. Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein gibt einen Überblick über die Praxen und Termine in ihrem Bereich. Auch an diesem ersten Adventswochenende sind dort mehrere Impfaktionen geplant.

Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe listet die Praxen auf, die außer der Reihe geöffnet haben, um zu impfen.

Städte und Kreise bieten öffentliche Impfaktionen an

Die Städte und Kreise in NRW wollen das Impfen niedrigschwellig möglich machen. In vielen Regionen fahren Impfbusse und machen an unterschiedlichen Orten Station.

Und es gibt weitere Impfaktionen: An diesem Wochenende wird beispielsweise im Kreis Gütersloh am Samstag im Rathaus in Steinhagen und am Sonntag in der Friedenskirche in Schloß Holte-Stukenbrock geimpft. Im Hochsauerlandkreis ist am Sonntag eine Impfstation im evangelischen Gemeindehaus in Arnsberg-Neheim.

Es gibt auch Impfstationen mit regelmäßigen Öffnungszeiten: In Siegen-Wittgenstein gibt es jeden Samstag offene Impfsprechstunden - im Corona-Diagnose-Zentrum in Siegen und in der Ehemaligen Salzmannschule in Bad Berleburg. Anmelden muss man sich dort nicht - und man kann sich sowohl beraten als auch direkt impfen lassen.

Leicht wird es auch den Menschen in Duisburg gemacht: Eine Impfstation auf dem Vorplatz des Hauptbahnhofes ist durchgehend von Montag bis Sonntag geöffnet.

Erforderliche Unterlagen müssen mitgebracht werden

Wer sich spontan impfen lassen möchte, sollte die entsprechenden Dokumente mitbringen: In der Regel braucht man Personalausweis, Impfausweis und Krankenkassenkarte.

Das Aufklärungsmerkblatt und der Anamnese- und Einwilligungsbogen muss teilweise ausgefüllt mitgebracht werden, teilweise kann er auch vor Ort ausgefüllt werden. Alle Infos zu den Impfaktionen findet man am besten auf den Internetseiten der Städte und Kreise.

Stand: 28.11.2021, 13:19

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