Illegaler Müll kostet NRW-Kommunen Millionen

Im Vordergrund illegal entsorgter Müll, im Hintergrund Glascontainer.

Illegaler Müll kostet NRW-Kommunen Millionen

Von Katja Goebel

  • Wilder Müll kostet NRW schätzungsweise 40 Millionen Euro
  • Viel Sperrmüll und Elektroschrott illegal entsorgt
  • Manche Städte wollen Müllsündern mit Kontrolleuren auf die Spur kommen

Zur Diskussion über illegalen Müll

Rund 16.000 Tonnen Müll sammeln sich jährlich an den Straßenrändern in NRW an. Säckeweise Sperrmüll oder Elektroschrott finden sich regelmäßig auch vor Glas-und Papiercontainern - obwohl eine Entsorgung im Recyclinghof oder an städtischen Sammelstellen legal und kostenlos wäre. Laut einer WDR-Umfrage in zehn großen NRW-Städten entstehen dort Zusatzkosten durch illegalen Müll von etwa 12 Millionen Euro. Hochgerechnet auf das Land NRW bedeutet das eine geschätzte Summe von über 40 Millionen Euro.

"Da wo Müll liegt, kommt noch mehr Müll hin", erklärt Cordula Beckmann von den Abfallwirtschaftsbetrieben in Köln. Tonnenweise illegalen Müll sammeln die Mitarbeiter täglich in Köln, sieben Millionen Euro kostet das die Kölner pro Jahr - und da ist der Unrat rund um die Containerstandorte noch gar nicht mit eingerechnet.

Wer Müll hinterlässt, wird kaum erwischt

Auch in Essen ist der illegale Müll an Altpapier- und Glascontainern ein Dauerproblem. "Tapetenreste, Kleidung, Behälter mit unbekannten Flüssigkeiten", zahlt Bettina Hellenkamp auf, Sprecherin der Essener Entsorgungsbetriebe. Erwischt werde in der Regel kaum jemand. Doch das könnte sich bald ändern.

Städtische Mitarbeiter haben im Sommer 2018 vier Wochen lang testweise Container-Standorte überwacht. Elf Müllsünder wurden auf frischer Tat ertappt und mussten ein Bußgeld zahlen. Doch zeigten die Leute nach Angaben der Stadt kaum Unrechtsbewusstsein. Jetzt soll die Überwachung weitergehen. Zehn Sicherheitsmitarbeiter sowie fünf Fahrzeuge stehen zur Verfügung, damit ein Standort jeweils zu zweit überwacht werden kann.

Müllpaten in Siegen

Auch Siegen kämpft mit dem Problem. Allein in der 100.000-Einwohner-Stadt fallen jährlich 250 Tonnen illegaler Abfall an. Hier sind seit einiger Zeit ehrenamtliche "Paten" unterwegs, um die Stadt schnell über Müllhaufen zu informieren.

Kampf gegen illegale Müllentsorgung

WDR 5 Westblick - aktuell 04.10.2018 03:48 Min. WDR 5

Download

Müllwächter in Hagen

In Hagen will man den Müll-Verursachern ebenfalls besser auf die Spur kommen. Dabei sollen die "Waste-Watchers" künftig auch an Haustüren schellen und Anwohner nach potenziellen Müllsündern befragen dürfen. Werden Müllsünder erwischt, können die Kontrolleure an Ort und Stelle Verwarn- und Bußgeld kassieren.

Der Rat der Stadt hat am Donnerstag (27.09.2018) grünes Licht für die Müllwächter geben. 16 "Waste-Watchers" sollen ab April 2019 auf Streife gehen. Mit den zusätzlichen Mitarbeitern wird auch die Müllgebühr für die Hagener Bürger etwas steigen. Für eine 60-Liter Tonne müssen die Hagener dann beispielsweise zehn Euro mehr im Jahr bezahlen, rechnet Detlef Liedke von den Hagener Entsorgungsbetrieben vor.

Hier ist Platz für Ihre Meinung.

Stand: 04.10.2018, 06:30

Kommentare zum Thema

4 Kommentare

  • 4 HaJo Richter 05.10.2018, 15:26 Uhr

    @Julia, offensichtliche haben die Leute mit geringen Einkommen dazu eine andere Ansicht.

  • 3 HaJo Richter 05.10.2018, 11:23 Uhr

    Die Müllentsorgung in Köln ist privatisiert. Je günstiger, je mehr im Interesse der Bürger, je weniger Probleme. Je mehr Interesse an privaten Gewinnen, je mehr Konflikte gibt es. Es ist leider nicht zwangsläufig, dass eine kommunale Stadtverwaltung auch im Interesse der Bürger handelt. Es ist aber systemimmanent, dass Gewinne für private Unternehmen irgendwo her kommen und wenn Kosten oder Leistungen nicht mehr den Anforderungen der Bürger genügen landet eben mit höherer Wahrscheinlichkeit ein Teil auf der Straße. „Unrat rund um die Containerstandorte“ spricht eher für Mängel bei den privatisierten Betrieben. Auch das Problem „arm und reich“ spielt dabei eine Rolle, besonders nach der Agenda von SPD und Grüne. Der gut verdienende Wähler der Grünen kann nicht verstehen, warum der „Abgehängte“ Wähler der AfD oder der Linken ein paar Euro Entsorgungskosten sparen will oder muss; auf der Schattenseite des Lebens hat man eben andere Probleme, an denen die Grünen nicht ganz unschuldig sind.

    Antworten (1)
    • Julia 05.10.2018, 13:12 Uhr

      Die Städte und Gemeinden halten diverse Möglichkeiten der kostenlosen Entsorgung für alle Bürger vor. Es besteht, auch bei geringem Einkommen, kein Grund zur wilden Abfallbeseitigung.

  • 2 Christian Kötter 05.10.2018, 10:50 Uhr

    Was wir immer vergessen: Das Geld, das da ausgegeben wird, ist unser (Steuer-)Geld. Jeder illegale Müllentsorger schädigt die Gemeinschaft und damit uns!

  • 1 Julia 04.10.2018, 12:45 Uhr

    Es ist erstaunlich und manchmal bizarr, was ich bei meinen privaten Müll-Sammelaktionen am Straßenrand und in den Wäldern rund um unser Dorf oder auf dem Heimweg von der Arbeitsstelle schon gefunden habe. Und ja, wo Müll liegt kommt schnell weiterer hinzu. Offenbar gibt es auch Gewohnheitstäter, die regelmäßig an den selben Strecken dieselben Becher, Dosen etc. aus dem Auto zu werfen scheinen.

Weitere Themen

Aktuelle TV-Sendungen