Illegale Partys trotz Corona – die Sehnsucht nach Normalität

Illegale Partys trotz Corona – die Sehnsucht nach Normalität

Von Lucie Jäckels und Frederik Fleig

Die Infektionszahlen steigen, Schuld sind private Feiern. Trotzdem gibt es weiter illegale Partys. Die junge Generation klagt über Verbote. Ein Generationenkonflikt.

Die Location ist geheim. Gefeiert wird im Wald oder in alten Fabrikhallen – da wo es möglichst keiner mitbekommt. Trotz rasant steigenden Infektionszahlen veranstaltet Eddy, (Name geändert) weiterhin illegale Partys.

In privaten Accounts auf Instagram bewirbt er sie. Tickets für seine Raves sind innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Wo das Ganze stattfindet, erfährt man erst kurz vor Beginn. Angst, dass er mit seinen Partys weitere Infektionsketten auslöst, hat Eddy nicht. "Jeder ist erwachsen und sollte sich bewusst sein, dass wenn er auf so eine Party geht, man am Tag danach nicht unbedingt die eigenen Großeltern trifft."

Durch die verkauften Tickets, sagt er, ist im Zweifelsfall eine Nachverfolgung der Kontakte möglich. Außer die Party spricht sich rum und plötzlich feiern hunderte Menschen dicht an dicht, die meisten ohne Masken.

Partys als Infektionstreiber

Diese Woche verkündet RKI-Präsident Lothar Wieler, dass aktuell vor allem Feiern, Treffen mit Freunden oder der Familie, die Infektionstreiber sind. Die Cluster sind vollkommen unterschiedlich, manchmal sind Partys die Hotspots, genauso oft aber auch Familienfeiern, sagen die Gesundheitsämter.

Trotzdem wird vor allem die Generation unter 30 in der Öffentlichkeit zum Sündenbock erklärt, sagt Kevin Kühnert, Vorsitzender der Jusos. Er fordert mehr Verständnis für junge Leute. "Was fehlt ist, dass einmal anerkannt wird, was die Einschränkungen gerade für junge Menschen bedeuten. Die können oft nicht entspannt nach Hause, weil zum Beispiel die eigene Wohnung fehlt. Das Problem ist, dass die Generation unter 30 nicht in der politischen Debatte gehört wird."

Die junge Generation fühlt sich im Stich gelassen

Wohin, wenn alle Clubs seit März geschlossen sind? Jetzt kommen auch noch die Sperrstunden dazu. Junge Menschen fühlen sich ungerecht behandelt, sagt Sozialpsychologin Pia Lamberty. Wurden für Reiserückkehrer besondere Testmöglichkeiten geschaffen, wird der jungen Generation einfach vieles verboten.

"Wenn man das Gefühl hat, die eigene Gruppe wird benachteiligt, ist man weniger bereit, Maßnahmen zu befolgen. Gerade, wenn man als Schuldiger ausgemacht wird."

Sie fordert die Öffentlichkeit dazu auf, erst bei sich selbst zu reflektieren, bevor man andere kritisiert: "Bei sich selbst wendet man mehr entschuldigende Mechanismen an. Da sagt man zum Beispiel, es ist ja nur die Familie. Ich treffe gar nicht so viele Leute, obwohl das vielleicht gar nicht stimmt."

Fehlende Alternativen

Lamberty rät zu Kontakttagebüchern, um sich bewusst zu machen, wie viele Kontakte man wirklich hat.

Matteo aus Köln (Name geändert) geht auch weiterhin auf Partys. Er ist um die 30, trägt im Alltag Maske, hält Abstand und desinfiziert seine Hände. Mit Freunden am Wochenende zu feiern, darauf will er aber nicht verzichten. "Mein Freundeskreis ist meine Familie, mit dem ich Zeit verbringe. Und Partys sind mein Alltagsventil. Das ist nicht nur wegschießen und Alkohol trinken, es geht um Freundschaften. Das will ich mir nicht nehmen lassen."

Er sagt: Corona ist ihm nicht egal. Aber Verbote hält er für den falschen Weg. Stattdessen fordert er einen Dialog zwischen Politik, Städten und jüngeren Menschen. Lieber ein legaler Feierkompromiss als illegale Partys in Corona-Zeiten. Nur ganz ohne Feiern, das geht für ihn halt nicht.

Stand: 24.10.2020, 15:13

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