Wie sexuelle Gewalt an Schulen thematisiert wird

ARCHIV - Eine Schülerin hebt  im Unterricht an einer Schule  den Finger.

Wie sexuelle Gewalt an Schulen thematisiert wird

Von Jörn Kießler

  • Bildungsbarometer ist in Berlin vorgestellt worden
  • Eine Frage: Gehört die #MeToo-Debatte in den Unterricht?
  • In NRW ist das Thema Pflicht - Umsetzung aber sehr verschieden

Die Antworten des aktuellen Bildungsbarometers sind eindeutig: Drei Viertel der 4.000 befragten Männer und Frauen sind dafür, dass im Schulunterricht das Thema sexuelle Belästigung behandelt werden soll. Nach der #MeToo-Debatte hatten die Forscher des ifo-Zentrum für Bildungsökonomie explizit danach gefragt. Am Donnerstag (13.09.2018) haben sie die Ergebnisse veröffentlicht.

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Auch die 1.000 erstmals befragten Schüler sprachen sich für die Thematisierung im Unterricht aus. Laut der Studie sind 81 Prozent der Mädchen und 76 Prozent der Jungen dafür, dass das Thema sexuelle Belästigung auf dem Lehrplan stehen sollte.

Laut den "Richtlinien für die Sexualerziehung in Nordrhein-Westfalen" des NRW-Schulministeriums ist das längst Pflicht - einheitlich behandelt wird das Thema aber nicht.

Verantwortung liegt bei Lehrern

"Wie das umgesetzt wird, bleibt den Schulen überlassen", sagt Heike Schönemann von der Theaterpädagogischen Werkstatt in Osnabrück. 160 Mitarbeiter unterstützen Schulen in ganz Deutschland seit fast 25 Jahren dabei, Kinder und Jugendliche über sexuelle Gewalt aufzuklären - mit Theaterprogrammen für Schüler und Präsentationsveranstaltungen für Eltern durch örtliche Beratungsstellen und Polizei.

Doch die Unterstützung muss von den Schulen nicht angenommen werden. "Wie in anderen Fächern ist es auch im Sexualkundeunterricht möglich, externe Fachkräfte in den Unterricht zu laden", heißt es aus dem Schulministerium. Abgesehen davon, sei die Sexualerziehung "eine Querschnittsaufgabe für alle Unterrichtsfächer". Welche Unterrichtsmaterialien verwendet werden, bestimmen die Lehrkräfte.

Tabuthema sexuelle Gewalt

Genau wie die Entscheidung, ob im Rahmen des Aufklärungsunterrichts das Thema sexuelle Belästigung überhaupt im Unterricht behandelt wird. Denn während Drogen und Alkohol mittlerweile anerkannte Probleme sind, über die offen gesprochen wird, ist das Thema sexuelle Gewalt an einigen Schulen offenbar noch immer ein Tabuthema.

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"Manche Schulen sind auch der Meinung, ihre Schüler und Schülerinnen seien noch zu jung für diese Themen oder wollen sie aus religiösen Gründen nicht behandeln", sagt Schönemann, die dennoch eine positive Bilanz zieht. "Wir machen sehr viel in Nordrhein-Westfalen und in 90 Prozent der Fälle ist die Zusammenarbeit sehr gut."

Dennoch wünscht sich Schönemann, dass sich die Politik mehr engagiert. "Das Thema sexualisierte Gewalt sollte besser im Lehrplan verankert sein", sagt sie.

Stand: 13.09.2018, 10:30

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