Hospitalisierungsrate: Klinikverband fordert Schwellenwerte

Pflegerin versorgt an Corona erkrankten Patienten auf der Intensivstation

Hospitalisierungsrate: Klinikverband fordert Schwellenwerte

Die Corona-Inzidenz war lange die entscheidende Kennziffer für Corona-Maßnahmen. Nun soll das Ausmaß der Corona-Patienten in den Kliniken eine wichtigere Rolle spielen. Die Ermittlung dieser Quote ist nicht ganz einfach.

Konkret ist im neuen Infektionsschutzgesetz vorgesehen, dass die Zahl der Corona-bedingten Krankenhauseinweisungen je 100.000 Einwohner in sieben Tagen "wesentlicher Maßstab für die weitergehenden Schutzmaßnahmen" wird. Das Robert Koch-Institut erfasst diese Zahl genau wie die Inzidenz seit geraumer Zeit - und das auch mit einer ähnlichen Unschärfe.

Meldedatum des positiven Corona-Tests entscheidend

Zur Berechnung der Inzidenz für die vergangenen sieben Tage wird nicht der Zeitpunkt der Krankenhausaufnahme bei jedem gemeldeten Fall herangezogen, sondern das Meldedatum des positiven Testergebnisses. Doch das kann abhängig vom Infektionsverlauf von der Einweisung in eine Klinik abweichen. Der SWR berichtete Anfang August darüber, Zeit Online griff die "trügerischen Hospitalisierungsraten" nun erneut auf.

Dr. Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), zeigte sich am Samstag auf WDR-Anfrage überrascht davon, dass "das RKI die Hospitalisierungsrate nicht anhand des Datums der Krankenhausaufnahme berechnet". Dies sollte aber der "maßgebliche Zeitpunkt für die Einbeziehung des Falls in die Hospitalisierungsrate sein".

DKG fordert bundesweiten Schwellenwert

Gerald Gaß , Präsident der Deutschen Krankenhaus Gesellschaft zu Gast in der ARD Talkshow " Hart aber Fair " am 26.11.2018

Gerald Gaß - Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft

Nach Ansicht des DKG-Vorstandschefs kann "diese Rate anhand der vorliegenden Meldungen regional differenziert und nach Altersgruppen geordnet werden". Was die Bedeutung des neuen Wertes als Frühwarnstufe im Kampf gegen die Corona-Pandemie betrifft, sei es erforderlich "Schwellenwerte zu definieren, bei denen bestimmte Maßnahmen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens und zur Vorbereitung der Krankenhäuser auf steigende Belegungszahlen ergriffen werden", fordert Gaß.

Einzelne Bundesländer wie Niedersachsen hätten bereits ein Ampelsystem entwickelt. Die DKG empfiehlt einen "bundesweiten Schwellenwert in mehreren Stufen als gemeinsamen Orientierungswert für alle Bundesländer".

Impffortschritte dringend erforderlich

Was die Probleme bei der Ermittlung von Inzidenzwerten betrifft, rät Ruth Schulz von der WDR-Wissenschaftsredaktion, diese nicht überzubewerten: "Diese Unsicherheiten muss man aushalten. Davon gibt es viele bei Corona." Es gebe jetzt wichtigere Dinge wie etwa die Impfungen weiter voranzutreiben, um so letztlich für die entscheidende Entlastung zu sorgen.

Das sieht Gaß, der die Krankenhäuser für den Herbst und Winter gewappnet sieht, ähnlich: "Aktuell sind wir optimistisch, dass wir durch den bereits erreichten Impfschutz die Maximalwerte aus der zweiten und dritten Welle nicht erneut erreichen werden. Weitere deutliche Impffortschritte sind aber dringend notwendig, um auch sicher und deutlich unter diesen Spitzenwerten zu bleiben."

Stand: 11.09.2021, 19:58

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