Homeoffice-Pflicht: Diese Regeln gelten jetzt

Homeoffice-Pflicht: Diese Regeln gelten jetzt

Von Sebastian Tischkov

Arbeitnehmer und Arbeitgeber haben viele Fragen zur neuen Homeoffice-Verordnung. Rechtsanwalt Arndt Kempgens ordnet die neue Homeoffice-Pflicht ein und beantwortet die wichtigsten Fragen.

Arndt Kempgens, Rechtsanwalt

Rechtsanwalt Arndt Kempgens

Arbeitgeber sind ab heute dazu verpflichtet, zu prüfen, ob Arbeit von zu Hause möglich ist. Nur bei zwingend betrieblichen Gründen soll es Ausnahmen geben dürfen. Die neue Verordnung soll vorerst bis zum 15. März gültig sein. Arbeitsrechtler Arndt Kempgens aus Gelsenkirchen erklärt, was die neue Verordnung zur Homeoffice-Pflicht für Arbeitnehmer und Arbeitgeber bedeutet.

1. Arbeitnehmer dürfen Homeoffice-Angebote nicht grundlos ablehnen

Der Arbeitgeber muss genau prüfen, ob die Möglichkeit für Homeoffice besteht, aber auch Arbeitnehmer können die Heimarbeit nicht einfach ablehnen. Die Firma kann allerdings bei denjenigen, die zu Hause nicht eingesetzt werden können, Homeoffice ablehnen – zum Beispiel bei der Zahnarzthelferin, die vor Ort benötigt wird.

"Die Beweislast liegt beim Arbeitgeber", sagt Arbeitsrechtler Arndt Kempgens aus Gelsenkirchen. "In jedem Fall aber gilt, dass zum einen der Arbeitgeber verpflichtet ist, seine Mitarbeiter so weit möglich zu unterstützen und zu schützen."

2. Arbeitgeber müssen bei der Einrichtung des Homeoffice unterstützen

Arbeit zu Hause heißt auch, dass der Arbeitnehmer dafür gewisse Ressourcen zu Hause braucht. Es könne arbeitsrechtlich allerdings nicht davon ausgegangen werden, dass etwa Computer, Drucker und Internetanschluss bereits zur Verfügung stehen. "Wenn der Arbeitnehmer diese Betriebsmittel zu Hause nicht bereits hat, muss der Arbeitgeber auf seine Kosten die erforderlichen Mittel zur Verfügung stellen, die der Angestellte braucht, um seinen Beruf auszuüben ", erklärt Kempgens. Auch entstehende Kosten, wie zum Beispiel für Druckerpatronen, muss die Firma tragen.

Wichtig ist hier, dass auch auf Arbeitsschutz geachtet wird. Wenn beispielsweise kein geeigneter Stuhl zur Verfügung steht, muss der Arbeitgeber einen zur Verfügung stellen oder die Kosten erstatten. Nach der Zeit im Homeoffice müsste der Stuhl aber wieder zurückgegeben werden.

3. Die Umsetzung soll kontrolliert werden – aber nur im Zweifelsfall

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will, dass es im Zweifel auch Kontrollen der Homeoffice-Verordnung gibt. Arbeitsrechtler Kempgens glaubt hingegen, dass sie gar nicht unbedingt nötig sind: "Denn wenn der Arbeitnehmer überhaupt kein Homeoffice nutzen will, weil er möglicherweise gar nicht die räumlichen Verhältnisse hat oder aufgrund vom Zuhause spielen der Kinder gar nicht Zuhause arbeiten möchte, wird er den Anspruch auch nicht geltend machen."

4. Die Pandemie könnte als Erprobung für Homeoffice dienen

Schon seit Jahren sind Homeoffice-Konzepte im Gespräch. Die nun angeordnete Homeoffice-Pflicht berge für Unternehmen auch die Chance, solche Konzepte in der Praxis zu üben: "Für Arbeitgeber gibt es nämlich auch einen Riesenvorteil, er braucht beispielsweise weniger Bürofläche".

Stand: 27.01.2021, 06:44

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