Unsicherheit vor der Rente: Ansturm auf NRW-Sozialverbände

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Unsicherheit vor der Rente: Ansturm auf NRW-Sozialverbände

Von Marion Feldkamp

  • Immer mehr Anträge bei Rentenversicherung
  • Sozialverbände verzeichnen Mitgliederzuwachs
  • VdK-Kampagne für eine "Rente für alle" findet Unterstützer

Die Deutsche Rentenversicherung und die Sozialverbände fühlen sich derzeit zum Teil regelrecht überrannt: Viele Beschäftigte sind offenbar unsicher, ab wann genau sie vorzeitig in Rente gehen können und ob sie dann Abschläge hinnehmen müssen.

Der Beratungsbedarf ist so hoch, dass einige Anlaufstellen kaum noch jedem Interessierten einen Gesprächstermin anbieten können. Der Beratungsbedarf ist vor allem bei Arbeitnehmern sehr hoch, die zwischen 1964 und 1958 geboren wurden, jetzt also zwischen 55 und 61 Jahre alt sind. Darüber berichtet der WDR in Westblick am Donnerstag (07.11.2019)

Mitgliederboom bei Sozialverbänden

Der Sozialverband VdK erlebt aktuell einen regelrechten Mitgliederboom. Gegründet 1950 als Verband der Kriegsbeschädigten, hat er sich 1994 umbenannt und sich auch um soziale Themen gekümmert. Seine Mitglieder vertritt der VdK auch in rechtlichen Angelegenheiten. In Nordrhein-Westfalen ist er, was die Mitglieder angeht, binnen sechs Jahren um 60 Prozent gewachsen. In diesem Jahr traten bislang landesweit Monat für Monat 2.000 weitere Menschen in den Sozialverband ein.

Mehr Rentenanträge

Die Deutsche Rentenversicherung hat seit Jahresbeginn bundesweit bis August schon mehr als 161.000 Anträge für die vorzeitige Rente entgegen genommen. Das sind drei Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Wie viele Menschen sich dort zur Rente ab 63 zusätzlich noch beraten lassen haben, wird statistisch nicht erfasst.

Anlaufstelle Sozialverbände

Einen ähnlichen Trend melden die Sozialverbände – die Rentenberatungen anbieten. Sowohl der Sozialverband Deutschland (SoVD) als auch der VdK verzeichnen für Nordrhein-Westfalen steigende Mitgliedszahlen.

Beim Sozialverband VdK hat sich die Zahl innerhalb von fünf Jahren um 60 Prozent erhöht. In diesem Jahr traten bislang jeden Monat landesweit rund 2.000 Menschen neu ein. Aktuell sind es mehr als 360.000 - Durchschnittsalter bei 60 Jahren.

Münster mit 1.400 neuen VdK-Mitgliedern

In der Stadt Münster hat der VdK zum Beispiel derzeit rund 4.000 Mitglieder. Vor fünf Jahren waren es 2.600.

Geschäftsführerin Antje Schleimer ist es wichtig, dass die Menschen dort insgesamt bei sozialen Problemen begleitet werden: "Eine Zeit lang kamen die Mitglieder oft mit einem Verfahren und haben Hilfe gesucht, bei einer abgelehnten Rente oder Schwerbehindertenantrag." Heute sei es so, dass Mitgliedschaften auch ohne Verfahren abgeschlossen werden, um das zu unterstützen, was der VdK leistet.

Einsatz für gerechtere Rente

Die Rente mit 63 ist für die VdK-Landesgeschäftsstelle in Düsseldorf ein Grund für den hohen Zulauf. Im vergangenen Jahr hat der VdK rund 2.300 Mitglieder vor den NRW-Sozialgerichten vertreten, die Schwierigkeiten hatten, ihre Rente durchzusetzen.

Run auf Rentenberatung

WDR 5 Westblick - aktuell 07.11.2019 03:36 Min. Verfügbar bis 06.11.2020 WDR 5 Von Marion Feldkamp

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Der Verband geht außerdem davon aus, dass ein Teil der neuen Mitglieder seine bundesweite Kampagne für eine gerechtere Rentenpolitik unterstützen will. Der VdK macht sich dafür stark, dass alle Erwerbstätigen, also auch Selbständige oder Politiker, in die Rente einzahlen sollen.

Rente mit 69? Hier und heute 24.10.2019 08:50 Min. Verfügbar bis 24.10.2020 WDR

Stand: 07.11.2019, 06:00

Kommentare zum Thema

8 Kommentare

  • 8 Fr.A.Causevic 09.11.2019, 05:43 Uhr

    betr.Rente : Hallo , bin enttâuscht , dauernd diese talks shows , über d.Rente - es bringt nichts - klartext ...es müßen alle in die Rentenkasse einzahlen , besonders , die Politiker , die soviel am ende ihres Berufes , pension , eine hohe Pension bekommen , das ist große schweinerei !!! An besten und fairsten wâre es - wir machen das Rentensystem wie in Holland und der Schweiz - die sehr viel haben , zahlen auch mehr ein und d.wenig haben - zahlen auch n.viel ein und wenn d.Rente kommt , dann bek.die , die wenig haben , mehr ausbezahlt...logisch..für ein Menschenunwürdiges Leben - die Politiker sollen sich was schâmen...die Rentner so im stich zulassen...unfassbar

  • 7 speedy 07.11.2019, 21:16 Uhr

    Leider stehen die Zeichen für eine Rente für ALLE sehr schlecht. Zur Zeit gibt es eine wachsende rechts (konsevativ)-liberale Mehrheit in Deutschland. Auch die deutschen Beamten möchten nicht in die Deutsche Rentenversicherung integriert werden. Ungelöst ist nach wie vor, dass für bestimmte Berufe eine Rente mit 67 oder 70 unzumutbar ist. Es wird in Zukunft sehr ungerecht werden - und auch vieleicht etwas mittelalterlich. Mägde und Burschen hatten fleißig zu sein und waren Diener Ihrer Herren. Eigentum, Heiraten und Kinder bekommen war den höheren Ständen vorbehalten.

  • 6 Gerhard 07.11.2019, 18:28 Uhr

    Das ganze System ist doch ein Witz! Ich bin 1966 geboren, also falle ich in die geburtenstarken Jahrgänge, die man so schön belasten kann, mit allem!! Arbeiten bis 67 oder 69 oder 70, die Rente selbst ist ein Witz, und dann wird diese je nach dem auch noch versteuert!! Mal ganz abgesehen davon, dass die LVA (mit Sitz an der KÖ!!!!!) die EDV unserer Daten nicht auf die Reihe bekommt! Der Generationenvertrag wird doch gar nicht mehr erfüllt!

    Antworten (1)
    • Das Sandmännchen 08.11.2019, 00:32 Uhr

      Sie werden noch viel zu lachen haben, denn Sie gehören zur "Sandwich-Generation", haben durch ihre Arbeit alle Jahre die Renten der Älteren finanziert und werden sehen, wie sich die Jüngeren weigern für Sie zu zahlen. Deshalb liegen Sie mit der Prognose für den Generationenvertrag gar nicht so daneben... Am besten Augen zu machen, sagt das Sandmännchen.

  • 5 Rentner 07.11.2019, 18:15 Uhr

    Grundrente,Mindestrente? Weshalb wird den Adoptiveltern für Adoptivkinder keine Erziehungsjahre angerechnet? Sozialpolitisch??

  • 4 Achim 07.11.2019, 16:34 Uhr

    Die Grundrente abzulehnen ist echt ein Witz. Die unter dem Existensminium leben, müssen eh noch Hartz IV beantragen. Die Menschen, welche über 45 Jahren gearbeitet haben, teilweise für einen Mindestlohn, oder krank geworden sind, müssen das bekommen, was Ihnen zum Lebenstandard, verhilft. Die Aussage, dass die junge Generation dafür aufkommen muß ist teilweise richtig. Andererseits sind die alten jahrelang in diesem Staat beschissen worden, obwohl sie arbeiteten. Ohne sie wäre die BRD heute nicht, was sie isst. Die BRD ist mittlerweile ein egoistischer Kapitalistenstaat geworden, wo die Geringverdiener, Rentner und Kranke die Zesche bezahlen müssen. Am besten möglichst bald sterben, damit der Staat schwarze Nullen schreibt. Andererseits haben dafür mitverantwortliche Manager und Politiker Millionen in den Arsch geschoben bekommen, die brauchen sich keine Gedanken über Grundrente zu machen. Was macht einen Sotzialstaat aus, der nicht in der Lage ist diese Menschen grund zu versorgen.

  • 3 Kurt 07.11.2019, 15:50 Uhr

    Der Grundrente stimme ich zu, wenn alle (d.h. Beamte, Selbstständige, Künstler usw.) in die Rentenkasse einzahlen. Als Maßstab sollten 35 Jahre Beitragszahlung vorliegen. Sind diese nicht erreicht muß das sog. Sozialamt in Anspruch genommen werden. (also Prüfung) Die Rentenformel sollte für JEDEN verständlich sein. Zu beachten ist hier das Grundgesetz und diesbezüglich die Sozialgesetze.

  • 2 H. Bielemeier 07.11.2019, 15:02 Uhr

    die Gesetzgebung drastisch vereinfachen und für jedes Mitglied verständlich darstellen, damit jedes Mitglied auf Beratungen nur im Ausnahmefall zugreifen muss. Jeder muss in die Lage versetzt werden, dass er stets seine Rentenansprüche selbst ermittel kann. Gutes Gelingen allen denen, die dieses bewirken können müssten.

  • 1 H. Bielemeier 07.11.2019, 15:00 Uhr

    die Gesetzgebung drastisch vereinfachen und für jedes Mitglied verständlich darstellen, damit jedes Mitglied auf Beratungen nur im Ausnahmefall zugreifen muss. Jeder muss in die Lage versetzt werden, das er stets seine Renteansprüche selbst ermittel kann. Gutes Gelingen alles, die dieses bewirken können müssten.

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