Was macht Höhlentauchen so gefährlich?

Archivbild/Symbolbild: Taucher am Eingang einer Unterwasser-Tropfsteinhoehle

Was macht Höhlentauchen so gefährlich?

  • Jugend-Fußballteam in Thailand in Höhle gefangen
  • Höhlentauchen wäre ein Rettungsweg
  • Interview mit einem Höhlentaucher aus Schmallenberg

Wolfgang Röhr aus Schmallenberg (Hochsauerlandkreis) ist langjähriger Tauchlehrer. Mit WDR.de spricht er darüber, was beim Höhlentauchen wichtig ist und wie die Aussichten der Fußballer aus Thailand sind.

WDR.de: Was macht die Herausforderung und Faszination beim Höhlentauchen aus?

Wolfgang Röhr: Es gibt Menschen, die finden es toll, durch Gänge zu tauchen, wo man keine Chance hat, nach oben aufzusteigen. Beim Höhlen- oder Minentauchen ist zudem die Faszination, dass nur wenige Menschen dort waren. Höhlentaucher sind ein auserlesener Kreis.

WDR.de: Wie sieht es mit den Strömungen dort unten aus?

Röhr: Man kann gerade in natürlichen Höhlen von Strömungen überrascht werden. Das sieht man gerade in Thailand. Ein Regenguss kann den Eingang schnell unzugänglich machen.

Rettungsaktion in Thailand dauert an

WDR 5 Morgenecho - Beiträge | 05.07.2018 | 03:38 Min.

Download

WDR.de: Wenn Panik aufkommt, atmet man wahrscheinlich schneller und verbraucht mehr Atemluft.

Wolfgang Röhr

Wolfgang Röhr

Röhr: Ausgebildete Höhlentaucher atmen nicht schneller, sondern eher langsamer, das sind alles Profis. Wenn sie Probleme haben, dann unterbrechen sie die Arbeit, fahren den Atmen runter, um die Probleme ruhig zu bewältigen und dann tauchen sie weiter.

Beim Tauchen in der Höhle entsteht sonst aus einem kleinen Problem ein zweites kleines Problem und ein drittes und dann hat man wirklich ein großes Problem. Wichtig ist auch immer die Kommunikation mit dem Buddy, also dem zweiten Taucher, mit dem man unten ist.

WDR.de: Wer Höhlentauchen will, muss spezielle Kurse und ein Zertifikat machen. Was lernt man da?

Röhr: Man lernt unter anderem wie eine Leine unter Wasser gelegt wird, denn das ist die Lebensversicherung. Wenn die nicht richtig gelegt ist, dann habe ich ein Riesenproblem.

Und man lernt so zu tauchen, dass kein Sediment aufgewirbelt wird. Sonst entsteht ein sogenanntes Silt-out, da sieht man plötzlich gar nichts mehr.

Um das zu trainieren, muss man in den Kursen mit einer Blindmaske tauchen. Dann wird man von seiner Leine weggeführt. Und die muss man dann blind wiederfinden. Und man lernt bestimmte Flossenschläge, die möglichst keine Sedimente aufwirbeln.

WDR.de: Wie schätzen Sie die Rettungsaussichten in Thailand über das Höhlentauchen ein?

Röhr: Ich kann nur von meinen eigenen Erfahrungen ausgehen. Ich schätze es als sehr, sehr schwierig ein. Es sind zum Glück absolute Profis vor Ort, die mit den Jugendlichen arbeiten. Aber die lernen ja nicht erst Tauchen, sondern direkt das schwierige Höhlentauchen. Das ist sehr grenzwertig, aber vielleicht die einzige Chance die Jugendlichen zu retten.

Das Gespräch führte Sabine Tenta.

Stand: 05.07.2018, 17:12