Ausufernde Hochzeitsfeiern - ein lebensgefährlicher Trend

Ausufernde Hochzeitsfeiern - ein lebensgefährlicher Trend

Von Frank Menke

  • Hochzeitsfeiern ufern aus
  • Autoblockaden, Luftschüsse und Bengalos
  • NRW-Innenminister Reul droht mit härteren Maßnahmen

Seit Wochen müssen sich die Behörden in NRW immer wieder mit ausufernden Hochzeitsfeiern samt Autoblockaden, Geballere aus Schreckschusswaffen, Abfeuern von Silvesterraketen und Zünden von Bengalos beschäftigen. Allein von Ostersamstag (20.04.2019) bis Montag (22.04.2019) wurde die Polizei laut Innenminister Herbert Reul (CDU) zu 38 solchen Einsätzen gerufen, am Wochenende davor waren es 32.

Autobahnen keine Festsäle

"Das ist schon eine stattliche Zahl und wir haben den Eindruck, dass das zunimmt. Wir haben den Beteiligten gesagt, dass wir Straßen und Autobahnen nicht zu Festsälen machen können", sagte Reul dem WDR am Mittwoch (24.04.2019).

Seinen Erkenntnissen zufolge handelt es sich bei den Teilnehmern häufig "um Leute, die einen anderen kulturellen Hintergrund haben." Doch auch in deren Herkunftsländern könne man nicht "in der Landschaft rumschießen oder auf vielbefahrenen Autobahnen Feste feiern."

Sollte das "relativ neue Phänomen" nicht in den Griff zu bekommen sein, schließt Reul nicht aus, schärfere Maßnahmen zu ergreifen - bis hin zum Führerscheinentzug wegen charakterlicher Nicht-Eignung zum Führen eines Fahrzeugs.

Tatsächlich waren die Vorfälle am Osterwochenende teilweise gravierend. Bei Gladbeck blockierten Zeugen zufolge rund 50 Fahrzeuge die A52. Hochzeitsgäste fackelten dabei Pyrotechnik ab und beleidigten Fahrer, die wegen ihnen im Stau standen.

Mehr Einsätze als Anzeigen

Laut Polizei Recklinghausen fuhr die Kolonne von der A52 auf die Bundesstraße 224 ab - und verschwand. So blieb es in diesem wie in vielen anderen Fällen bei Zeugenaussagen. Denn als die Polizei anrückte, war schon alles vorbei. So stehen auf der Liste des Innenministeriums wesentlich mehr Einsätze als Anzeigen.

In Langenfeld blockierten 25 Autos eine Kreuzung, in Witten waren es fünf. In Köln-Mülheim zählte die Polizei 50 Zweite-Reihe-Parker, die laut Deutscher Presse-Agentur Gäste einer türkischen Hochzeit waren.

Autorennen zur Hochzeit

Schon Ende März hatten sich in Essen Mitglieder libanesischer Großfamilien auf dem Weg zu einer Hochzeit offenbar ein illegales Autorennen geliefert. Auf der A3 bei Ratingen stellten sich Fahrzeuge quer, die Insassen schossen auf der Fahrbahn Fotos.

Auch für die Polizei sind solche Aktionen keine Kavaliersdelikte. "Wenn verhaltensoriginelle Zeitgenossen meinen, sie müssten mal eben den Verkehr anhalten, um Erinnerungsfotos zu machen, bringen sie sich und unbeteiligte Dritte in absolute Lebensgefahr", sagte ein Sprecher der Düsseldorfer Autobahnpolizei.

Stand: 24.04.2019, 17:47

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