Hochwasser-Katastrophe in NRW: Wie die Städte mit der Zerstörung umgehen

Hochwasser-Katastrophe in NRW: Wie die Städte mit der Zerstörung umgehen

Von Thomas Wenkert

Die Aufräumarbeiten nach dem Hochwasser im Juli laufen auf Hochtouren. Aber die Flut hat riesige Schäden an Häusern, Straßen und Schienen angerichtet. Stolberg will daraus Lehren ziehen.

Patrick Haas ist ein Bürgermeister ohne Rathaus. In seiner Gemeinde Stolberg wurde das Rathaus beim Hochwasser so schwer beschädigt, dass es derzeit nicht genutzt werden kann. Der Stadtrat denkt über einen Neubau nach – Kosten 45 Millionen Euro.

Haas und sein Team in der Verwaltung arbeiten jetzt in einem Gebäude, das bisher von einer Krankenkasse genutzt wurde. Aber das sei nicht das Schlimmste, sagt der 40-Jährige. Vier Schulen können nur eingeschränkt genutzt werden, vier Kindertagesstätten ebenfalls. "Die Reparaturarbeiten laufen schon. Teilweise haben wir Containerklassen aufgestellt. Mir war es besonders wichtig, dass die Kinder einen normalen Alltag haben", sagt Haas.

Wie geht der Unterricht in den Hochwassergebieten weiter

WDR 5 Westblick - aktuell 24.08.2021 04:31 Min. Verfügbar bis 24.08.2022 WDR 5


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Stolberg will Modellstadt werden

Insgesamt wurden 20 städtische Gebäude zerstört, darunter auch drei Feuerwehrgerätehäuser. Und auch die Straßen müssen erneuert werden. Noch immer sind fast alle Geschäfte in der Innenstadt geschlossen. Der Bürgermeister gibt sich dennoch optimistisch: "Wichtig ist, wir haben wieder Trinkwasser, und auch Strom. Beim Handynetz gibt es noch immer Ausfälle, aber daran arbeiten wir", sagt Haas.

Bis zu 5.000 Wohnungen sind nach Aussage der Stadtverwaltung weiterhin nicht bewohnbar. Mit Blick auf den Herbst und auch den Winter werden jetzt Ersatzwohnungen für Betroffene gesucht, zusammen mit den umliegenden Kommunen.

"Stolberg wird schöner aussehen als vorher"

Der Bürgermeister von Stolberg sitzt der Kamera zugewandt an seinem Schreibtisch

Bürgermeister von Stolberg Patrick Haas

"Wir werden niemanden im Stich lassen", verspricht der Bürgermeister. Er geht davon aus, dass alle Schäden dieses Hochwassers erst in zehn Jahren behoben sein werden. Stolberg will daraus lernen – zurzeit wird an einem Modellkonzept für den Bereich Hochwasserschutz gearbeitet.

Das sei man den Menschen schuldig. "Wir haben Visionen. Stolberg wird schöner aussehen als vor der Katastrophe. Die Stadt wird sich verändern. Und wir wollen die Menschen mitnehmen auf diesen Weg", erklärt Haas.

Hilfe für die kalte Jahreszeit

Auch in Schleiden in der Eifel ist die Wucht der Zerstörung noch überall sichtbar. Bis 2026 soll wieder alles stehen, hofft Marcel Wolter, Beigeordneter der Stadt. An erster Stelle stehen die Reparaturarbeiten an den Schulen und Kindertagesstätten. Die Arbeiten sollen teilweise schon im kommenden Jahr abgeschlossen sein.

links ein kaputter Bürgersteig, rechts eine Straße, auf der ein Traktor fährt

Straßenschäden in Schleiden

Viele Privathäuser sind aber ohne Heizung. Laut einer Umfrage der Kommune sind es noch immer 150 Haushalte. Das ist mit Blick auf die nahende kalte Jahreszeit ein Problem. "Wir helfen, wo wie können. Wir vermitteln zum Beispiel Sanitärbetriebe", sagt Wolter. Und wenn jemand eine Ersatzwohnung braucht, dann wird die Stadt Schleiden bei der Suche helfen.

Erhebliche Schäden in NRW

Auch im Straßen- und Schienennetz gibt es fast zwei Monate nach der Flutkatastrophe noch erhebliche Einschränkungen. Voraussichtlich bis Ende des Jahres müssen Menschen, die mit dem Auto unterwegs sind, mit Vollsperrungen auf der Autobahn 1 und der Autobahn 61 rechnen. Teilweise müssen Lärmschutzwände und Brücken erneuert werden. Im Kreis Euskirchen sind weiterhin zehn Landstraßen für den Verkehr gesperrt.

Viele Züge fallen bis zum Jahresende aus

Das NRW-Verkehrsministerium rechnet mit Kosten in Höhe von fast 220 Millionen Euro. Die Deutsche Bahn beziffert ihre Schänden auf derzeit 1,3 Milliarden Euro. Zahlreiche Brücken und Bahnübergänge sind durch das Unwetter beschädigt, Gleise unterspült worden.

Der Bahnhof in Hagen-Hohenlimburg wurde völlig zerstört. Noch bis Ende des Jahres werden nach Aussage der Deutschen Bahn zahlreiche Züge ausfallen.

Schlecht gewarnt und spät reagiert – die Fehler in der Flut Westpol 29.08.2021 UT DGS Verfügbar bis 29.08.2022 WDR

Stand: 04.09.2021, 08:49

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