Hochwasser am Rhein in Köln: Schiffe dürfen wieder fahren

Blick auf den Kölner Dom vom Wasser aus

Hochwasser am Rhein in Köln: Schiffe dürfen wieder fahren

Beim Hochwasser am Rhein zeichnet sich in Köln eine leichte Entspannung ab. Seit Montag sinkt der Wasserstand, nun dürfen dort wieder Schiffe fahren.

Beim Hochwasser am Rhein zeichnet sich in Köln eine leichte Entspannung ab. Das Wasser ist wieder soweit gesunken, dass dort Schiffe fahren können. Das zuständige Amt hat den Fluss wieder freigegeben. Der Rhein war mehrere Tage für Schiffe gesperrt, weil der Rheinpegel in Köln bei mehr als 8,30 Meter lag. Für die nächsten Tage wird erwartet, dass das Hochwasser weiter zurückgeht.

Bereits am Dienstagmorgen war der Pegel auf 8, 30 Meter gesunken. Am Sonntagnachmittag stand das Wasser in Köln noch deutlich höher, und zwar bei 8,68 Metern. Der Schiffsverkehr war wegen des Hochwassers bereits am Donnerstag eingestellt worden. Erst bei einem Pegelstand unter 8,30 Meter dürften die Schiffe den Abschnitt wieder passieren. In anderen NRW-Städten ist der Schiffsverkehr erst bei deutlich höheren Pegelständen betroffen.

Langgezogene Hochwasserwelle

Auf die Hochwasserlage wirkt sich der erneute Wintereinbruch in NRW lediglich indirekt aus. "Der Rheinpegel sinkt in den nächsten Tagen nur langsam ab", sagte WDR-Meteorologe Jürgen Vogt. Entscheidend sei das Wetter im Südwesten Deutschlands, wo im Unterschied zu NRW mildes Tauwetter herrsche. "Das führt zu einer langgezogenen Hochwasserwelle."

"Wir haben es – durch Tauwetter und Regen in Baden-Württemberg, am Alpenrand und in Frankreich – und dem damit verbundenen Wassernachschub – mit einem langen Hochwasserscheitel zu tun", so WDR-Wettermann Vogt. Das seien keine dramatische Höhen – "aber eben lang auf hohem Niveau".

Gefährliche Spaziergänge

Düsseldorf: Das Wasser des Rheins ist über die Ufer getreten

Doch jetzt im Lockdown zieht es noch mehr Spaziergänger als sonst raus ans Wasser. Die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) Nordrhein warnt Schaulustige, Radfahrer und Spaziergänger, dem Hochwasser zu nahe zu kommen. Auf überfluteten Brücken oder nicht erkennbaren Abbruchkanten könne es schnell gefährlich werden. Wer ins Wasser fällt, hat geringe Überlebenschancen. Keine drei Minuten hält es ein Erwachsener in dem 6 bis 8 Grad kalten Rheinwasser aus, sagt der Leiter Einsatz der DLRG Nordrhein.

In Verbindung mit der vorhandenen Strömung können Kleinkinder und frei laufende Hunde ins Wasser gezogen werden. In Düsseldorf verhängte das Ordnungsamt am Freitag sechs Knöllchen gegen "Hochwasser-Touristen", die durch eine für den normalen Verkehr gesperrte Straße am Rheinufer gefahren waren. "Die betroffenen Fahrzeughalter wurden durch die Einsatzkräfte kostenpflichtig verwarnt und der Örtlichkeit verwiesen", hieß es.

Auch keine Entspannung der Lage in Bonn

In Bonn wurde am Freitag - bei einem zeitweiligen Stand von 8,18 Metern - eine mobile Wand im Ortsteil Mehlem aufgebaut, um zu verhindern, dass das Rheinwasser in eine Straße läuft. In der ehemaligen Bundeshauptstadt erreichte der Pegelstand Montagmorgen einen Stand von 8,24 Metern. "Entspannung noch nicht in Sicht", teilte die Stadt mit.

Steigendes Grundwasser kann zu Schäden an Gebäuden führen

Als Folge des Hochwassers im Rhein steigt im Rheinland jetzt auch das Grundwasser. Selbst in Häusern, die weit vom Fluss entfernt sind, können Keller überflutet werden. Nach Angaben der Stadtentwässerungsbetriebe besteht die Gefahr von Gebäudeschäden, wenn Keller bei steigendem Grundwasser leergepumpt werden. Der Druck des Grundwassers kann Kellerwände eindrücken oder Keller-Böden anheben.

Hochwasser am Rhein in Köln

Die Uferpromenade in Köln ist überschwemmt.

Viele Deiche sanierungsbedürftig

Im bisherigen Winterhochwasser haben die NRW-Deiche bislang einen "guten Job" gemacht, lobte Holger Friedrich, Sprecher des NRW-Arbeitskreises Hochwasserschutz und Gewässer. Allerdings sei dieses Hochwasser ja auch bisher moderat.

Der Sprecher des NRW-Arbeitskreises Hochwasserschutz und Gewässer, Holger Friedrich, steht am überfluteten Ufer des Rheins

Gewässer-Experte Holger Friedrich

Dennoch seien viele Kilometer Deich teils seit Jahrzehnten sanierungsbedürftig. Die Genehmigungsverfahren dauerten viel zu lange, klagt der Fachmann. Das Land müsse hier die erforderlichen Fachleute rekrutieren, forderte Friedrich. Allein im Regierungsbezirk Düsseldorf gelten 95 von insgesamt 280 Kilometer Deich als Sanierungsfall, weitere 21 Kilometer werden untersucht.

Allein am Rhein leben in NRW rund 1,4 Millionen Menschen in Flussnähe. Experten erwarten, dass aufgrund der Klimaveränderungen Extrem-Wetterereignisse und damit auch die Hochwassergefahren zunehmen. 

Stand: 09.02.2021, 17:29

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