Soforthilfe: Hier können Hochwasser-Betroffene Gelder beantragen

Essen: Ein Mann trägt einen Ofen aus einem bei dem Hochwasser zerstörten Haus

Soforthilfe: Hier können Hochwasser-Betroffene Gelder beantragen

Der Bund gibt 200 Millionen Euro als Soforthilfe. Wie können Hochwasser-Betroffene die Hilfe beantragen? Und welche finanzielle Hilfe gibt es in den NRW-Kommunen? Fragen und Antworten.

Bereits in der Woche nach dem verheerenden Unwettern und Überflutungen in NRW und Rheinland-Pfalz haben Bund und betroffene Länder Soforthilfen für die Hochwasser-Opfer auf den Weg gebracht - 400 Millionen Euro alleine für Nordrhein-Westfalen.

Doch wie kommen Betroffene jetzt schnell an das dringend benötigte Geld?

Privatpersonen

Geregelt wird die Auszahlung der Soforthilfen durch die jeweiligen Länder. NRW zahlt beispielsweise jedem betroffenen Privathaushalt 1.500 Euro Soforthilfe. Für jede weitere Person, die in dem Haushalt wohnt, gibt es weitere 500 Euro. Maximal soll es aber 3.500 Euro pro Haushalt geben. Beantragt werden kann die Soforthilfe mit einem Formular, dass bei der eigenen Gemeinde eingereicht werden muss. Belege oder Nachweise über den entstandenen Schaden sind zunächst nicht erforderlich. Allerdings können die Angaben im Nachhinein überprüft werden.

Antragsvoraussetzung ist laut NRW-Innenministerium der glaubhafte Nachweis, dass der Hauptwohnsitz in einem der NRW-Hochwassergebiete liegt. Zudem muss die geschädigte Person eine Eigenerklärung abgeben, wonach in ihrem Haushalt ein Schaden in Höhe von mindestens 5.000 Euro entstanden ist. Dieser Schaden darf nicht durch Versicherungsleistungen ersetzt werden.

Achtung! Nach WDR-Recherchen könnten ausgerechnet Flutopfer, die schon vor der Katastrophe finanzielle Probleme hatten, keinen Zugriff auf die Soforthilfe haben. Wenn eine Kontopfändung vorliegt, leitet die Bank die Einmalzahlung offenbar direkt an die Gläubiger weiter. Denn die Hilfsgelder gelten nicht als Sozialleistung. Solange keine neue Regelung beschlossen ist, sollten Betroffene auf das Problem hinweisen und auf eine Auszahlung in bar bestehen.

Gewerbetreibende, Freiberufler, Land - und Forstwirte

Die Hochwasserkatastrophe hat auch viele Unternehmen und Gewerbe zerstört und Freiberufler in Existenznot gebracht. Ihnen bietet das Land für jede betroffene Betriebsstätte eine sogenannte Billigkeitsleistung in Höhe von 5.000 Euro an.

Die gleiche Hilfe bietet NRW auch Land- und Forstwirten sowie Unternehmen aus dem Bereich Obst- und Gartenbau, Aquakultur und Fischerei an. Für alle gilt: Die Soforthilfe muss bei der jeweiligen Kommune mit einem Vordruck beantragt werden. Belege oder Nachweise über den entstandenen Schaden sind zunächst nicht erforderlich.

Wenn Unternehmen durch die Flut zahlungsunfähig geworden sind, soll das nicht automatisch das Ende bedeuten. Konkret hat das Kabinett am Mittwoch eine Aussetzung der Insolvenzantragspflicht beschlossen, wie sie auch schon während der Pandemie genutzt wurde. Diese gilt rückwirkend ab dem 10. Juli bis zunächst Ende Oktober. Der Bundestag muss noch zustimmen, die zeitnahe Zustimmung gilt aber als sicher.

Darlehen der NRW-Bank

Neben der Soforthilfe des Landes bietet die NRW-Bank für Hochwasser-Betroffene Darlehen zur Gebäudesanierung mit Zinssätzen von 0,01 Prozent an. Möglich sind bis zu 75.000 Euro mit einer Laufzeit bis zu 20 Jahren. Voraussetzung: Man bewohnt seine Immobilie selbst.

Dieses Element beinhaltet Daten von Twitter. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Wie kommt man an Soforthilfe auf kommunaler Ebene?

In Erftstadt erhalten Hochwasser-Betroffene direkt von der Stadt eine kleine Soforthilfe. Sie soll ihnen die Möglichkeit geben, "sich selbst mit Dingen des täglichen Bedarfs und Nahrungsmitteln zu versorgen", wie die Stadt am Montag mitteilte. Bislang wurden mehr als 600.000 Euro ausgezahlt. Mittlerweile steht die Hilfe nur noch Menschen aus dem stark betroffenen Stadtteil Blessem zur Verfügung. Beantragt werden kann sie im Rathaus Erftstadt im Amt für Soziales.

Auch im Rhein-Sieg-Kreis ist eine finanzielle Unterstützung geplant. Dazu gebe es bereits einen fraktionsübergreifenden Antrag, sagte ein Sprecher des Kreises dem WDR. Über die Auszahlung soll in enger Abstimmung mit den Kommunen entschieden werden.

"Düsseldorf wird eine Million Euro Soforthilfe für die von den Hochwasserfolgen besonders betroffenen Stadtbezirke bereitstellen", wie die Stadt am Dienstag mitteilte. Ob davon auch Geld auf Konten von Privatpersonen fließen wird, das entscheiden die Bezirksvertretungen "dann in eigener Zuständigkeit vor Ort", so ein Sprecher der Stadt auf Nachfrage.

In Solingen hat die Stadt-Sparkasse Solingen ein Sonderkreditprogramm über 10 Mio. Euro aufgelegt. Solingerinnen und Solinger, die von der Flut betroffen sind, können hieraus zinsfreie Darlehen von bis zu 50.000,00 Euro je Haushalt abrufen. Außerdem verdoppelt die Solinger Sparkasse bis Sonntag jeden Euro, der auf dem Solinger Hilfskonto bei der Gerd Kaimer-Bürgerstiftung eingeht – bis 100.000 Euro.

Hochwasser im Bergischen Land

Auch Solingen-Unterburg hat es schwer getroffen.

Das gespendete Geld (bislang etwa 500.000 Euro) wird bereits an die Hochwasser-Opfer verteilt. Die ersten Solinger werden schon Ende der Woche das Geld auf ihrem Konto haben – maximal 3.000 Euro pro Haushalt. Die Stadt ist mit dem Bauwagen in den betroffenen Gebieten unterwegs und hat die formlosen Anträge dabei, die dann von einer Kommission kurzfristig beschieden werden. Informationen gibt es auch per E-Mail an hochwasserhilfe@solingen.de und telefonisch unter 0212/14912230.

Auch im Kreis Heinsberg können Betroffene auf Spendengeld hoffen. Eingesammelt wird es vom Verein "HS - ein Kreis hilft". Einen Antrag brauchen Betroffene aber nicht stellen, wie ein Sprecher des Kreises dem WDR mitteilte. Nach einer Begutachtung der Schäden würden die Kommunen dem Verein mitteilen, wo welcher Bedarf besteht.

Lokale Spendenkonten gibt es auch andernorts. Oft ist die Auszahlung an die Betroffenen aber noch nicht geregelt. Darüber hinaus gibt es einige überregionale Spendenkonten.

Müllberge nach Hochwasser in Leverkusen

In Leverkusen türmt sich nach dem Hochwasser der Sperrmüll.

Manche Kreditinstitute wie die Sparkassen Leverkusen und Essen bieten zum Beispiel günstige Soforthilfekredite an. Und das Wohnungsunternehmen Vonovia bietet Betroffenen aus Eschweiler, Bonn, Leverkusen und Köln für eine kurze oder auch längere Zeit sofort verfügbare Wohnungen an - den ersten Monat ohne Miete.

Wie kommen Versicherte am schnellsten an ihr Geld?

Wer seine Immobilie gegen Hochwasserschäden versichert hat, sollte für eine schnelle Auszahlung der Versicherungsleistung manches beachten. Der Versicherungen-Verband GDV gibt drei Tipps:

  1. Versicherer "so schnell wie möglich" informieren.
  2. Schäden so gering wie möglich halten - beschädigte Fenster z.B. provisorisch abdichten, damit kein weiteres Regenwasser eindringen kann.
  3. Schäden fotografieren.

Die Versicherungsmathematiker (Aktuare) der Kölner Beratungsfirma Meyerthole Siems Kohlruss (MSK) erwarten einen versicherten Schaden von mehr als einer Milliarde Euro. "Das Gros der versicherten Schäden kommt aus der (erweiterten) Elementarversicherung, ein kleinerer Teil aus der Kfz- und Transport-Sparte", erklärte MSK-Geschäftsführer Onnen Siems.

Die Frage, was von den Policen genau gedeckt ist, könnte in der Regulierung der Schäden für Probleme sorgen. "Schadenursachen wie Dammbruch oder Unterspülungen und die Trennung zwischen Starkregen und Hochwasser sind je nach Klausel und Bedingungswerk gedeckt oder ausgeschlossen", sagte Siems. Er rechnet damit, dass die Schadenabwicklung Monate bis Jahre dauern werde.

Stand: 05.08.2021, 19:25

Aktuelle TV-Sendungen