Soforthilfe: Was Unwetter-Betroffene wo beantragen können

Soforthilfen beschlossen: Schnelles Geld für alle Betroffene Aktuelle Stunde 21.07.2021 UT Verfügbar bis 28.07.2021 WDR Von Jan Hofer

Soforthilfe: Was Unwetter-Betroffene wo beantragen können

Der Bund gibt 200 Millionen Euro als Soforthilfe. Wie können Hochwasser-Betroffene die Hilfe beantragen? Und welche finanzielle Hilfe gibt es in den NRW-Kommunen? Fragen und Antworten.

Der Bund gibt als Soforthilfe für die Betroffenen der Unwetter-Katastrophe 200 Millionen Euro. Das hat das Bundeskabinett am Mittwoch beschlossen. Weitere Millionen kommen von den betroffenen Ländern. Bislang gibt es finanzielle Unterstützung in NRW nur auf kommunaler Ebene. Was gibt es wo? Und wie kommt man schnell an Versicherungsleistungen?

Wann kommt die Hochwasser-Soforthilfe von Bund und Land?

Die Betroffenen sollten die Soforthilfe von Bund und Land möglichst schnell und unbürokratisch erhalten, sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) am Mittwoch. Wie die Auszahlung ablaufen wird, sollen die betroffenen Länder regeln.

Zuvor hatte das Bundeskabinett beschlossen, dass der Bund für die Soforthilfe 200 Millionen Euro zur Verfügung stellen werde - wenn nötig, auch mehr, so Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD).

Auch das Land NRW stellt 200 Millionen Euro als Soforthilfe zur Verfügung. Das hat die Landesregierung in einer Sondersitzung am Donnerstag beschlossen. Sie Hilfen sollen "unbürokratisch und schnell" beantragt werden können.

Dieses Element beinhaltet Daten von Twitter. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

"Die Formulare und die Anträge müssen ganz simpel sein, ganz einfach sein. Und sie sollen noch in dieser Woche fertig sein, damit recht bald das Auszahlen der ersten Gelder beginnen kann", hatte Laschet bereits bei seinem Besuch in der stark vom Hochwasser beschädigten Stadt Bad Münstereifel gesagt.

Auch Rheinland-Pfalz stellt Geld zur Verfügung. In Bayern sind nach am Unwetter am Wochenende bereits Soforthilfen vom Land beschlossen: 5.000 Euro pro Haushalt, notfalls werden sie ab sofort bar ausgezahlt. Bereits beschlossen sind in NRW lediglich Steuererleichterungen für Hochwasser-Betroffene.

Außerdem bietet die NRW-Bank für Hochwasser-Betroffene Darlehen zur Gebäudesanierung mit Zinssätzen von 0,01 Prozent an. Möglich sind bis zu 75.000 Euro mit einer Laufzeit bis zu 20 Jahren. Voraussetzung: Man bewohnt seine Immobilie selbst.

Dieses Element beinhaltet Daten von Twitter. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Wie kommt man an Soforthilfe auf kommunaler Ebene?

In Erftstadt erhalten Hochwasser-Betroffene direkt von der Stadt eine kleine Soforthilfe. Sie soll ihnen die Möglichkeit geben, "sich selbst mit Dingen des täglichen Bedarfs und Nahrungsmitteln zu versorgen", wie die Stadt am Montag mitteilte. Bislang wurden mehr als 600.000 Euro ausgezahlt. Mittlerweile steht die Hilfe nur noch Menschen aus dem stark betroffenen Stadtteil Blessem zur Verfügung. Beantragt werden kann sie im Rathaus Erftstadt im Amt für Soziales.

Auch im Rhein-Sieg-Kreis ist eine finanzielle Unterstützung geplant. Dazu gebe es bereits einen fraktionsübergreifenden Antrag, sagte ein Sprecher des Kreises dem WDR. Über die Auszahlung soll in enger Abstimmung mit den Kommunen entschieden werden.

"Düsseldorf wird eine Million Euro Soforthilfe für die von den Hochwasserfolgen besonders betroffenen Stadtbezirke bereitstellen", wie die Stadt am Dienstag mitteilte. Ob davon auch Geld auf Konten von Privatpersonen fließen wird, das entscheiden die Bezirksvertretungen "dann in eigener Zuständigkeit vor Ort", so ein Sprecher der Stadt auf Nachfrage.

In Solingen hat die Stadt-Sparkasse Solingen ein Sonderkreditprogramm über 10 Mio. Euro aufgelegt. Solingerinnen und Solinger, die von der Flut betroffen sind, können hieraus zinsfreie Darlehen von bis zu 50.000,00 € je Haushalt abrufen. Außerdem verdoppelt die Solinger Sparkasse bis Sonntag jeden Euro, der auf dem Solinger Hilfskonto bei der Gerd Kaimer-Bürgerstiftung eingeht – bis 100.000 Euro.

Hochwasser im Bergischen Land

Auch Solingen-Unterburg hat es schwer getroffen.

Das gespendete Geld (bislang etwa 500.000 Euro) wird bereits an die Hochwasser-Opfer verteilt. Die ersten Solinger werden schon Ende der Woche das Geld auf ihrem Konto haben – maximal 3.000 Euro pro Haushalt. Die Stadt ist mit dem Bauwagen in den betroffenen Gebieten unterwegs und hat die formlosen Anträge dabei, die dann von einer Kommission kurzfristig beschieden werden. Informationen gibt es auch per E-Mail an hochwasserhilfe@solingen.de und telefonisch unter 0212/14912230.

Auch im Kreis Heinsberg können Betroffene auf Spendengeld hoffen. Eingesammelt wird es vom Verein "HS - ein Kreis hilft". Einen Antrag brauchen Betroffene aber nicht stellen, wie ein Sprecher des Kreises dem WDR mitteilte. Nach einer Begutachtung der Schäden würden die Kommunen dem Verein mitteilen, wo welcher Bedarf besteht.

Lokale Spendenkonten gibt es auch andernorts. Oft ist die Auszahlung an die Betroffenen aber noch nicht geregelt. Darüber hinaus gibt es einige überregionale Spendenkonten. Wie die Caritas am Freitag mitteilte, will sie bald 1,5 Millionen an Spenden auszahlen. In den Gemeinden und Regionen mit Caritasverbänden sollen dann Koordinatoren als Ansprechpartner für die Menschen vor Ort zur Verfügung stehen.

Müllberge nach Hochwasser in Leverkusen

In Leverkusen türmt sich nach dem Hochwasser der Sperrmüll.

Darüber hinaus gibt es noch andere finanzielle Hilfen. Manche Kreditinstitute wie die Sparkassen Leverkusen und Essen bieten zum Beispiel günstige Soforthilfekredite an. Und das Wohnungsunternehmen Vonovia bietet Betroffenen aus Eschweiler, Bonn, Leverkusen und Köln für eine kurze oder auch längere Zeit sofort verfügbare Wohnungen an - den ersten Monat ohne Miete.

Auch der WDR ruft über die Aktion "Der Westen hält zusammen - WDR hilft helfen" zu Spenden auf, die den Betroffenen der Hochwasser-Katastrophe zugute kommen sollen.

Wie kommen Versicherte am schnellsten an ihr Geld?

Wer seine Immobilie gegen Hochwasserschäden versichert hat, sollte für eine schnelle Auszahlung der Versicherungsleistung manches beachten. Der Versicherungen-Verband GDV gibt drei Tipps:

  1. Versicherer "so schnell wie möglich" informieren.
  2. Schäden so gering wie möglich halten - beschädigte Fenster z.B. provisorisch abdichten, damit kein weiteres Regenwasser eindringen kann.
  3. Schäden fotografieren.

Die Versicherungsmathematiker (Aktuare) der Kölner Beratungsfirma Meyerthole Siems Kohlruss (MSK) erwarten einen versicherten Schaden von mehr als einer Milliarde Euro. "Das Gros der versicherten Schäden kommt aus der (erweiterten) Elementarversicherung, ein kleinerer Teil aus der Kfz- und Transport-Sparte", erklärte MSK-Geschäftsführer Onnen Siems.

Die Frage, was von den Policen genau gedeckt ist, könnte in der Regulierung der Schäden für Probleme sorgen. "Schadenursachen wie Dammbruch oder Unterspülungen und die Trennung zwischen Starkregen und Hochwasser sind je nach Klausel und Bedingungswerk gedeckt oder ausgeschlossen", sagte Siems. Er rechnet damit, dass die Schadenabwicklung Monate bis Jahre dauern werde.

Stand: 23.07.2021, 08:45

Aktuelle TV-Sendungen