Hochwasser-Hilfen - was ist der Stand?

Erftstadt-Blessem in Nordrhein-Westfalen steht unter Wasser. DFB und DFL haben den Hochwasser-Opfern finanzielle Hilfe zugesagt.

Hochwasser-Hilfen - was ist der Stand?

Von Johannes Zuber

Politiker versprechen schnelle Hilfe für alle Opfer des Hochwasser. Zugleich gibt es Kritik, dass es nicht schnell genug gehe. Wie viel Geld ist schon geflossen - und von wem kommt es? Fragen und Antworten.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) stand im Zentrum der Kritik, als er am Montag das Hochwassergebiet von Swisttal bei Bonn besuchte. Verärgerte Bürger schimpften, sie hätten noch keine Hilfe erhalten, und nannten die Politiker "Versager". Zugleich sind aber bereits Millionen an Hilfsgeldern geflossen. Ein Überblick.

Bis Donnerstag sind nach Angaben der Landesregierung 215 Millionen Euro an Soforthilfe ausgezahlt worden. Das Geld kommt jeweils zur Hälfte von Bund und Land und wird von den Gemeinden und Kreisen an betroffene Bürgerinnen und Unternehmen ausgezahlt. Jeder Haushalt bekommt maximal 3.500 Euro, Unternehmen bekommen bis zu 5.000 Euro.

Fluthilfe: Laschet trifft Unternehmer in Stolberg

WDR 5 Westblick - aktuell 03.08.2021 04:45 Min. Verfügbar bis 03.08.2022 WDR 5


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Noch nicht alle Anträge bearbeitet

Hochwasser-gebiet: Armin Laschet in Swisttal

Ministerpräsident Laschet in Swisttal

Anspruch haben alle, die einen geschätzten Schaden von mindestens 5.000 Euro erlitten haben, den die Versicherung nicht übernimmt. Der Antrag auf die Soforthilfe soll schnell und unbürokratisch gehen, verspricht die Landesregierung. Teilweise sei das Geld schon nach wenigen Tagen auf dem Konto, berichten Betroffene dem WDR

In einzelnen Gemeinden sind aber noch nicht alle Anträge bearbeitet worden, deshalb kann es immer wieder dazu kommen, dass Betroffene noch auf die Hilfen warten, sagen die Kommunen. 

Banken behalten Geld bei verschuldeten Haushalten

Probleme gibt es bei verschuldeten Haushalten. So berichten die Caritas und die Verbraucherzentrale im Kreis Euskirchen von zahlreichen Fällen, in denen Banken das Geld einbehalten haben. Ursache sei eine Regelungslücke. Haben Flutopfer wegen ihrer Schulden ein so genanntes Pfändungsschutzkonto, dann sind die Banken verpflichtet, das Geld bis auf einen Freibetrag einzubehalten. Darunter fällt auch die Soforthilfe, denn sie gilt nicht als Sozialleistung. Da das Amtsgericht Euskirchen wegen Flutschäden hier nicht helfen kann, zahlt die Caritas eigene Hilfsgelder jetzt bar aus, um die Betroffenen vor der Pfändung zu schützen. 

Spenden in Millionenhöhe gesammelt

Neben den Soforthilfen von Bund und Land können Betroffene auch auf Hilfe durch Spenden hoffen. Allein die "Aktion Deutschland hilft" hat schon 149 Millionen Euro eingesammelt, die sie an die einzelnen Hilfsorganisationen weiterreicht. Viele von ihnen wollen einen Teil der Spendengelder bar auszahlen. Auch die christlichen Hilfswerke Diakonie und Caritas geben bis zu 1.500 Euro pro Haushalt. Die lokalen Einrichtungen sollen die Verteilung ohne umständliche Anträge organisieren. Bisher haben Caritas und Diakonie nach eigenen Angaben mehrere 100.000 Euro ausgezahlt.

Entscheidung über langfristige Hilfen

Neben den kurzfristigen Hilfen von allein in NRW 400 Millionen Euro soll es auch größere Summen für den Wiederaufbau zerstörter Häuser geben. Wie genau dieser Fonds aussehen soll, steht noch nicht fest. Bund und Länder wollen am kommenden Dienstag darüber entscheiden, Bundestag und Bundesrat könnten den Wiederaufbaufonds dann im September beschließen. 

Nach dem letzten großen Hochwasser im Jahr 2013 legten Bund und Länder einen Fonds von insgesamt 8 Milliarden Euro auf. Daraus wurden die Schäden an Häusern und Inventar bis zu einer Höhe von 80 Prozent der Schadenssumme bezahlt.

Stand: 04.08.2021, 15:29

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