PrEP - das Ende von HIV?

PrEP - das Ende von HIV?

  • HIV-Prophylaxe PrEP gibt es seit kurzem auf Rezept
  • Neue Wunderwaffe im Kampf gegen HIV-Infektionen?
  • Der Bonner Forscher Hendrik Streeck schätzt das Medikament ein

Noch bis Samstag (09.11.2019) läuft in Basel die Europäische AIDS-Konferenz. Ein Thema dort ist auch die Vorsorgepille gegen HIV, kurz PrEP genannt. Das Medikament ist für breite Bevölkerungskreise erschwinglich geworden, kostet etwa 40 Euro monatlich. Und der Deutsche Bundestag hatte im März beschlossen, dass es für Menschen mit erhöhtem Ansteckungsrisiko Kassenleistung wird.

Bedeutet diese Präventionstherapie das Ende von HIV? Der WDR sprach darüber mit Prof. Hendrik Streeck, dem Leiter des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Bonn.

WDR: Wie sicher schützt die PrEP vor einer HIV-Infektion?

HIV-Forscher Professor Hendrik Streeck von der Uniklinik Bonn

HIV-Forscher Hendrik Streeck

Prof. Hendrik Streeck: In den ersten Studien hat die PrEP einen 86-prozentigen Schutz gezeigt. Mittlerweile weiß man: Wenn man die PrEP richtig und dauerhaft einnimmt, bietet sie einen über 95-prozentigen Schutz vor HIV.

WDR: Wovor schützt die PrEP und wovor nicht?

Streeck: Das ist der Unterschied zu einem Kondom: Die PrEP schützt nur vor einer HIV-Infektion. Das Kondom schützt vor HIV und allen anderen sexuell übertragbaren Krankheiten.

WDR: Welche Nebenwirkungen hat die PrEP?

Streeck: Wie jedes Medikament hat auch die PrEP Nebenwirkungen. Daher ist es wichtig, dass die Ausgabe ärztlich begleitet wird. Die schwerwiegendste Nebenwirkung können Nierenschädigungen sein. Das ist reversibel, wenn man sie früh erkennt. Gerade bei Frauen kann PrEP auch die Knochendichte verringern.

WDR: Wie beurteilen Sie die Sorge, dass durch die Verbreitung der PrEP als Kassenleistung das Sexualverhalten mitunter wieder riskanter wird?

Streeck: Wir sehen schon, dass es eine Risikokompensation gibt - dass das Kondom weggelassen und stattdessen die PrEP eingenommen wird. Wir haben in Deutschland und Europa gerade eine Studie laufen. Die Datenlage ist nicht eindeutig: Anfänglich haben wir einen Anstieg an sexuell übertragbaren Erkrankungen beobachtet. Über die nachfolgenden Monate schien es nicht eindeutig zu sein, dass es überhaupt einen Anstieg an sexuell übertragbaren Erkrankungen gab.

HIV-Vorsorge ist ab jetzt Kassenleistung in Deutschland

COSMO Daily Good News 06.09.2019 01:58 Min. Verfügbar bis 05.09.2020 COSMO

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WDR: Kann man in die PrEP die Hoffnung setzen, dass die HIV-Neuinfektionen weiter zurückgehen?

Streeck: Wir wissen, dass die PrEP einen Effekt auf die Rate der Neuinfektionen hat. Das sehen wir an anderen Ländern, die PrEP-Programme eingeführt haben. Ein Beispiel ist London, wo es kaum noch Neuinfektionen gibt seit der Einführung der PrEP. In Washington D.C. haben wir einen Rückgang von 42 Prozent, in Australien von 32 Prozent. Ich bin sicher, dass wir so einen Effekt auch in Deutschland sehen werden.

WDR: Kann die PrEP einen Impfstoff gegen HIV ersetzen?

Streeck: Chemoprophylaxen wie die PrEP sind effektiv, aber sie können HIV nicht dauerhaft eindämmen. Das effektivste Mittel im Kampf gegen einen Krankheitserreger ist ein Impfstoff. Wir forschen aktiv an HIV-Impfstoffen.

WDR: Wann wird es einen Impfstoff gegen HIV geben?

Streeck: Das ist schwer vorherzusagen. Der Impfstoff, der zurzeit getestet wird, hat eine sehr gute Effektivität bei Affen gezeigt. Er lässt hoffen, dass er auch bei Menschen funktionieren wird.

Stand: 06.11.2019, 20:56

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