Gefährliche Hitze für Senioren und Pflegebedürftige

Ale Dame trinkt etwas im Krankenbett

Gefährliche Hitze für Senioren und Pflegebedürftige

Von Susanne Schnabel

  • Hitze kann für Senioren lebensgefährlich werden
  • Ausnahmesituation für Pflegepersonal
  • Kein Geld für Klimaanlagen in Krankenhäusern
Hand einer pflegebedürftigen Patientin

Über-84-Jährige sind von der Hitze besonders betroffen - rein statistisch gesehen

Zwischen 1980 und 2013 starben nach Statistiken des Rückversicherers Munich Re in Europa durch Hitzewellen etwa 137.000 Menschen. Allein in Deutschland sind im Jahrhundertsommer 2003 circa 7.000 Menschen durch die Auswirkungen der hohen Temperaturen ums Leben gekommen. Und auch der vergangene Sommer forderte viele Todesopfer.

Genaue Zahlen aus NRW gibt es nicht, denn regionale Daten über den Zusammenhang zwischen Temperatur und Sterblichkeit liegen laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) nur für Berlin und Hessen vor. So viel steht fest: Ältere Menschen sind besonders betroffen, vor allem ab 84 Jahren wird die Hitze oft lebensgefährlich, so das RKI.

Hitze-Vorwarnung vom Deutschen Wetterdienst

Der Deutsche Wetterdienst informiert seit 2005 Ärzte und Pflegeheime bei Hitzewellen mit einem Frühwarnsystem, damit sich das Personal auf die Situation einstellen kann: Der Speiseplan wird angepasst, und eventuell müssen mehr Getränke besorgt werden. Das Personal in Pflegeheimen ist speziell geschult für solche Fälle. Die Trinkmengen eines jeden Patienten und Heimbewohners werden genau protokolliert. Das ist gesetzlich vorgeschrieben.

"Geheimwaffe Wassermelone" für Senioren

"Mit Getränkewagen laufen wir im Moment den Bewohnern hinterher und erinnern sie daran, zu trinken", sagt Helmut Wallrafen, Landesvorsitzender der kommunalen Senioren- und Behinderteneinrichtungen. "Wenn die älteren Herrschaften sagen: Lass mich in Ruhe, ich will nicht mehr trinken, dann ist unsere Geheimwaffe die Wassermelone", so Wallrafen.

Viele Senioren im Krankenhaus

Seniorin steht am Fenster

Klimaanlagen in Krankenhäusern sind die Ausnahme

Das bestätigt auch Lothar Kratz, Sprecher der Krankenhausgesellschaft NRW. Ärzte, Schwestern und Pfleger haben wegen der Hitze viel zu tun. "Über 50 Prozent unserer Patienten sind über 65 Jahre alt. Auch in den Notfallambulanzen rechnen wir an solchen Tagen mit erhöhtem Andrang", so Kratz.

Kein Geld für Klimaanlagen in Krankenhäusern

Klimaanlagen gebe es in den OP-Sälen und auf den Intensivstationen in den 348 Krankenhäusern in seinem Verband. Aber in den normalen Zimmern seien kühlende Geräte die Ausnahme, sagt Kratz. Angesichts der riesigen Finanzlücken für Bau und Erhalt der Häuser seien zusätzliche Millionenausgaben für Klimaanlagen derzeit "undenkbar".

Hohe Anforderungen an Klimaanlagen

Hinzu kommt: Für Klimaanlagen in Krankenhäusern gibt es aus hygienischen Gründen hohe Anforderungen. Sie dürfen keine Keime verteilen und müssen oft gewartet werden. Mit klassischen Anlagen für Büros und Hotels sind sie nicht zu vergleichen, und sie sind wesentlich teurer. Kratz: "Ein weiteres Problem ist das Lüften: Aus versicherungstechnischen Gründen dürfen in vielen Krankenhäusern die Fenster nicht mehr geöffnet werden."

Das passiert bei Hitze im Körper

WDR 5 Quarks - Topthemen aus der Wissenschaft 24.06.2019 05:36 Min. Verfügbar bis 23.06.2024 WDR 5

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Stand: 26.06.2019, 06:00

Kommentare zum Thema

5 Kommentare

  • 5 Pflegender 26.06.2019, 23:44 Uhr

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  • 4 Schweissperle 26.06.2019, 17:34 Uhr

    das Dilemma der nicht zu öffnenden Fenster in einem Krankenhaus kenne ich leider persönlich. Eingepfercht in kleine Zimmer mit mind. 2 oder 3 Patienten die schwitzend und müffelnd im Bett liegen ( müssen). Bei sommerlichen Temperaturen die reinste Qual. Glücklich darf sich derjenige schätzen der von den Angehörigen etwas Erleichterung erfährt indem er erfrischt wird ( waschen, kühle Umschläge und die Möglichkeit das Zimmer zu verlassen). Wassermelone gab es bei uns leider nicht. Einen Apfel hätte man sich gönnen können. Meine Gedanken sind bei all denen die das Bett hüten müssen und alleine darauf warten müssen das der wettergott Abkühlung schickt.b

  • 3 Wer_Sonst 26.06.2019, 16:23 Uhr

    Das Problem betrifft ja nicht nur die Senioren selbst - in einem Altenheim bei diesen Temperaturen einen Bewohner zu duschen gleicht einem Saunagang mit Kleidung.... Die Pflegekräfte sind somit noch viel schlimmer dran.

  • 2 hoe'oe 26.06.2019, 12:36 Uhr

    65jährige sind keine Senioren mehr, da das Rentenalter in Deutschland bei 67 Jahren liegt. Die imaginäre Grenze von 65 Jahren, die oft für Senioren herangezogen wird (zB hinsichtlich Fahrtüchtigkeit) sollte endlich mal an die aktuellen gesetzlichen Gegebenheiten angepaßt werden. Traurig ist allerdings, daß es nicht mal für Krankenzimmer Klimaanlagen gibt. Was in vielen Bürogebäuden und in jedem Supermarkt eine Selbstverständlichkeit ist, gibt es "aus finanziellen Gründen" dort nicht, wo Hygiene oberstes Gebot ist, und das Wohlergehen der Patienten oberstes Gebot sein sollte. Wir sind tief gesunken im "High-Tech-Standort" Deutschland.

    Antworten (1)
    • Gringo 26.06.2019, 18:44 Uhr

      Klimaanlagen sind nicht der Weisheit letzter Schluss. Die Erkältungsgefahr ist sehr groß, und wenn man ohnehin angeschlagen ist, holt man sich als Patient evtl. noch einen Extra-Pips.

  • 1 Eine alte 26.06.2019, 11:57 Uhr

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