Warum dauert es so lange, bis ein Hitzerekord amtlich ist?

Thermometer pokazuje blizu 40 stepeni

Warum dauert es so lange, bis ein Hitzerekord amtlich ist?

  • Wetterstationen arbeiten automatisch
  • Bei Extremwerten wird akribisch geprüft
  • Bis Hitzerekord amtlich ist, dauert es

40,5 °C: Das ist seit Mittwoch (24.07.2019) der neue Hitzerekord in Deutschland, gemessen in Geilenkirchen. Aber erst einen Tag später (25.07.2019) hat der Deutsche Wetterdienst diesen Wert auch offiziell anerkannt. Warum dauert es so lange, eine Messung zu bestätigen?

Jede halbe Stunde bekommt der Deutsche Wetterdienst Informationen von seinen Messstationen, darunter die Höchsttemperatur. Selbst bei Hunderten von Stationen und Zehntausenden Daten kann ein Computer in Echtzeit den größten Wert aus dem Datensatz bestimmen. Viel schwieriger ist es, sicherzustellen, dass die zu Grunde liegenden Daten verlässlich sind.

Umgebung der Messtation muss überprüft werden

Damit eine Wetterstation offizielle Werte liefern darf, muss sie einige Anforderungen erfüllen. Das fängt bei der Umgebung an: Zum Beispiel dürfen Mauern nicht näher als zehn Meter am Sensor stehen. Sie könnten Wärme abstrahlen und die Ergebnisse verfälschen.

Auch Asphalt, Wasserflächen, Gewächshäuser, Bäume oder große Büsche dürfen nicht zu nah sein. Das Gelände darf keine zu große Steigung haben und um die Station herum muss sich eine mindestens 30 Quadratmeter große Rasenfläche befinden. Zudem darf die Station nicht im Schatten stehen.

Sitzt ein Käfer auf dem Sensor?

Ist die Umgebung in Ordnung, wird die normierte Station selbst untersucht. In den Messstationen steckt viel Technik, unter anderem ein geeichtes Thermometer in zwei Metern Höhe, das die Lufttemperatur misst. Um dieses zu schützen, gibt es darum ein engmaschiges Metallgitter, damit sich zum Beispiel keine Insekten auf dem Sensor einnisten und so die Messung unbrauchbar machen. Es könnte auch passieren, dass ein Blatt in die Station geweht wird und einen Hitzestau verursacht.

Die Stationen sind mit Zäunen geschützt. Man kann also nicht einfach mit einem Föhn selbst einen "Hitzerekord" verursachen. Solch ein Streich würde auch spätestens bei der Datenprüfung auffallen: Dabei überprüfen die Meteorologen, ob es Fehlermeldungen oder verdächtige Messwerte von der Station gibt - und auch, ob das Thermometer noch optimal kalibriert ist.

Sind die Daten glaubhaft?

Falls nach all diesen Tests immer noch Zweifel an dem neuen Hitzerekord bestehen, wird die ganze Station abgebaut und im Labor neu kalibriert. Bei dem großen Aufwand, um einen Hitzerekord offiziell zu bestätigen, ist dafür dann aber ziemlich sicher: Es war wirklich so bullenheiß, wie die Messstation gemeldet hat.

Hitze in NRW WDR extra 25.06.2019 15:49 Min. Verfügbar bis 25.06.2020 WDR

Stand: 25.07.2019, 12:20

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