Rekord-Hitze in Kanada: Warum das auch für uns wichtig ist

Rekord-Hitze in Kanada: Warum das auch für uns wichtig ist

Eine Hitzewelle im Westen Kanadas sorgt für Rekordwerte: Fast 50 Grad sind bisher gemessen worden. Was passiert da gerade? Und warum ist das auch für uns wichtig?

Den dritten Tag in Folge sind in Kanada die höchsten Temperaturen im Land seit dem Beginn der Wetteraufzeichnungen gemessen worden. Die Wetterstation in Lytton hat 49,6 Grad gemessen.

Wegen der hohen Temperaturen kam es zu Bränden, Lytton ist inzwischen fast vollständig abgebrannt. Mehr als 1000 Menschen mussten in aller Eile flüchten.

Wälder in den Bergen nördlich von Lytton in Kanada brennen.

Das kanadische Dorf Lytton ist fast komplett von Bränden zerstört worden.

Der ARD-Meteorologe Karsten Schwanke sprach am Mittwoch im WDR von der höchsten Temperatur, die jemals nördlich des 50. Breitengrades gemessen wurde. "Das ist ein fettes Zeichen des Klimawandels, der sich in Hitze-Höchstwerten bemerkbar macht."

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Stabile "Hitze-Kuppel" aufgebaut

"Die alten Rekorde in Lytton stammen aus den 1930er- und 1940er-Jahren - und lagen bei knapp 44,4 Grad", ergänzte WDR-Meteorologe Jürgen Vogt. Der Ort Lytton liege in einer sehr trockenen Zone und sei durch bis zu 3.000 Meter hohe Berge vom Pazifik abgeschirmt.

Die Skyline von Vancouver in Kanada ist durch einen Hitzeschleier zu sehen.

Skyline von Vancouver im Hitzeschleier

"Allgemein gilt: Wenn viel Festland und wenig Wasser in der Nähe ist, dann wird es ohnehin im Sommer heiß - und im Winter kalt", sagte Vogt am Mittwoch. Aktuell handele es sich in Kanada jedoch nicht mehr um eine Hitzewelle, die durchziehe, sondern um einen von den kanadischen Kollegen sogenannten "Heat-Dome". Diese "Hitze-Kuppel" baue sich über lange Zeit auf.

Auch in Europa weitere Hitzerekorde erwartet

Das entscheidende Kriterium sei die Dauer der Hitze, erklärte Wetterexperte Vogt. Sie sei ein eindeutiger Hinweis darauf, dass der Klimawandel in vollem Gange sei. Das sieht auch der Meteorologe Schwanke so.

"Weil sich die Atmosphäre weltweit erwärmt, steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass aus dem Süden mehr heiße Luft nach Norden gelangt." Auch in Europa seien zukünftig weitere Hitzerekorde erwartbar, sagte Schwanke.

Forscher Latif: Hitzewellen und Starkniederschläge gehören zusammen

Mojib Latif, Klimaforscher, Hochschullehrer und Präsident der Deutschen Gesellschaft Club of Rome, 23.09.2020.

Klimaforscher Mojib Latif vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel sieht bei der Hitzewelle in Nordamerika und den Starkniederschlägen in Deutschland den Klimawandel wirken: "Das gehört letzten Endes zusammen. Die globale Erwärmung ist längst nachgewiesen und sie hat verschiedene Gesichter. Bei den Temperaturen ist es eindeutig der Klimawandel, es gibt sehr viele Allzeitrekorde", so der Wissenschaftler bei WDR Aktuell.

Bei den Starkniederschlägen fehlen laut Latif noch die Datenreihen, aber es sei aus wissenschaftlicher Sicht völlig plausibel, dass die sich in Zukunft häuften.

Schon jetzt Hitzeperioden in NRW

Hitzewellen treten auch in Deutschland immer häufiger und immer heftiger auf: Am Niederrhein wurde am 25. Juli 2019 der bisherige deutsche Hitzerekord aufgestellt - in Duisburg-Baerl mit 41,2 Grad. Gleichzeitig steigt die Dauer der Hitzeperioden. 2006 war es zum Beispiel in Kleve 19 Tagen in Folge über 30 Grad heiß,  2020 waren es in Duisburg 14 Tage.  

"Wären die Niederlande und Niedersachsen nicht so flach – und hätten wir auch 3.000 Meter hohe Berge zwischen uns und der Nordsee –, kämen Kleve und Kalkar bei einer ähnlichen Wetterlage wahrscheinlich auch an ähnliche Werte wie in Kanada", sagte WDR-Redakteur Vogt.

Stand: 02.07.2021, 16:46

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