Türkisch-kurdischer Konflikt hat wohl NRW erreicht

Türkisch-kurdischer Konflikt hat wohl NRW erreicht

  • Türkisch-kurdischer Konflikt wohl auch in NRW
  • Anschläge und Auseinandersetzungen
  • Kurdische Jugendbewegungen unter Verdacht

Brandanschläge auf türkische Einrichtungen in Meschede und Ahlen, Verletzte bei einer nicht angemeldeten Kurden-Demo am Düsseldorfer Flughafen, Schmierereien an der Kölner Moschee, landes- und bundesweite kurdische Proteste: Augenscheinlich wirkt sich die türkische Militäroffensive gegen Kurden im nordsyrischen Afrin auch hierzulande aus.

Reul rechnet mit Eskalation

Teilnehmer einer Kurden-Demonstration protestieren in Köln kurz vor dem Start des Zuges gegen die türkische Militäroffensive in Nordsyrien

Kurden-Demo in Köln

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) warnte, dass mit einer fortgesetzten Eskalation in der kurdischen Community gerechnet werden müsse. Die Sicherheitsbehörden beobachteten die Lage: "Wir werden es nicht dulden, dass innertürkische Konflikte hier auf deutschem Boden ausgetragen werden."

Afrin als Emotionalisierungseffekt

Archivbild: Türkische Panzer in der Region Afrin (Nordsyrien)

Türkische Panzer in Afrin

Doch das ist wohl längst Realität. "Deutschland ist aufgrund des hiesigen Bevölkerungsanteils auch Spiegel der türkisch-kurdischen Konflikte in den Heimatregionen. Die Vorfälle in der Region um Afrin haben auf die hier lebenden Kurden einen Emotionalisierungseffekt", sagte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums.

Handschrift eines Rachefeldzugs

So sieht das auch Erkan Arikan, Leiter der türkischen Redaktion des WDR. "Dieser innertürkische Konflikt ist in jedem Fall schon bei uns auf der Straße und in den Communitys angekommen." Seiner Meinung nach gibt es ein "Muster hinter den Anschlägen", die "deutlich die Handschrift eines Rachefeldzugs" zeigten.

Anschläge auf türkische Einrichtungen: Innertürkischer Konflikt in Deutschland

WDR 2 | 12.03.2018 | 03:13 Min.

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Sorgen bereiten Arikan vor allem kurdische Jugendbewegungen, die der verbotenen PKK nahestehen. In einem Aufruf heiße es, sie "werden dauerhaft auf die Straßen gehen und die ganze Welt, besonders Europa, für Afrin in ein Widerstandsgebiet verwandeln."

Kurdische Gemeinde gegen Gewalt

Arikan geht davon aus, dass hinter den Anschlägen in Deutschland radikale Gruppen stehen. "Viele Kurden sagen, sie sind zuerst Moslems und dann Kurden. Deswegen glaube ich, dass hier militante Organisationen beteiligt sind, denn auch die kurdische Gemeinde hat sich ganz vehement gegen solche Aktionen ausgesprochen und aufs Schärfste verurteilt."

Nicht instrumentalisieren lassen

Der Vorsitzende der Kurdischen Gemeinde Deutschland, Ali Ertan Toprak, hatte gesagt, diese Form der menschenverachtenden Gewalt sei mit nichts zu rechtfertigen. Er ist sich aber nicht sicher, wer dahinter steht, "ob PKK-nahe Kreise oder der türkische Geheimdienst MIT".

Im vergangenen Jahr gab es laut Bundesinnenministerium in Deutschland mindestens 950 Angriffe auf Muslime und islamische Einrichtungen. In fast allen Fällen waren die Täter Rechtsextremisten. Hinweise auf islamfeindliche Motive für die Anschläge gebe es diesmal allerdings nicht.

Stand: 13.03.2018, 19:01