Ukraine-Hilfe: Was ist sinnvoll und was nicht?

Stand: 07.03.2022, 15:05 Uhr

Die Hilfsbereitschaft für die Ukraine ist riesengroß. Auch in NRW haben viele Menschen das Bedürfnis, zu helfen. Doch viele fragen sich auch, was überhaupt sinnvoll ist.

Ralf Oettinger aus Düsseldorf ist es ein Bedürfnis, den Menschen aus der Ukraine zu helfen. Die schlimmen Bilder vom Krieg haben ihn dazu motiviert. Bereits am Montag ist er Richtung polnisch-ukrainische Grenze aufgebrochen. Zusammen mit anderen Helfern brachte er zwei Sprinter voll mit Hilfsgütern in die Grenzregion. Durch einen Aufruf in sozialen Medien hatte er innerhalb kurzer Zeit Kleidung, Schlafsäcke und andere Hilfsgüter gesammelt. Diese wurden dem Roten Kreuz übergeben.

Große Welle der Solidarität mit Ukraine

So oder so ähnlich sind in ganz NRW binnen kurzer Zeit mehrere private Initiativen aus dem Boden geschossen, um Hilfsgüter in die Ukraine zu bringen. Die Helfer sammeln Kleidung, Decken, Schlafsäcke, Hygieneartikel oder Verbandsmaterial und bringen es an die Grenze. Allein bei einer Hilfsgüter-Sammlung in der Dortmunder Westfalenhalle seien seit vergangener Woche mehr als 300.000 Sachspenden abgegeben worden, berichtete Organisator Sebastian Heinze vom Verein "Grenzenlose Wärme - Refugee Relief Work".

Bedarf ändert sich stetig

Doch ist das überhaupt sinnvoll? Birte Steigert vom Bündnis "Deutschland hilft" sagt: "Nein. Der Bedarf an Hilfe ändert sich aktuell täglich. Und die Hilfsorganisationen beschaffen Hilfsgüter nach dem aktuellen Bedarf vor allem in grenznahen Regionen und in der Ukraine selber."

Hilfsgüter in der Ukraine selber einzukaufen sei aktuell noch möglich, bestätigt auch Gernot Krauß von der Caritas: "Die Ukraine ist ein großes Land. In Städten wie Kiew oder Charkiw, wo gerade die Waffen sprechen, ist es schwierig bis unmöglich, aber in anderen Landesteilen können sie noch Hilfsgüter beschaffen." Deswegen bitten große Hilfsorganisationen wie die Caritas aktuell auch um Geldspenden.

Sachspenden schaden der heimischen Wirtschaft

Der andere Weg, Hilfsgüter über die Grenze in die Ukraine hineinzubringen sei hingegen wegen der angespannten Lage an der Grenze sehr schwierig. In der Ukraine selbst einzukaufen habe auch noch den Vorteil, dass lange Transporte und damit Transportkosten wegfielen, sagt Birte Steigert von "Deutschland hilft": "Und sie schaden auch nicht der heimischen Wirtschaft, wenn sie etwa Lebensmittel vor Ort einkaufen."

Ukraine: "Sachspenden sind gerade nicht das Richtige"

WDR 5 Morgenecho - Interview 02.03.2022 06:49 Min. Verfügbar bis 02.03.2023 WDR 5


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Helfer entleeren einen Laster, der mittlerweile in der Ukraine angekommen ist.

Auch Menschen, die auf der Flucht bereits in Polen oder anderen Nachbarländern eingetroffen sind, sollten besser mit heimischen Lebensmitteln oder Medikamenten versorgt werden, findet Birte Steigert. Es sei zum Beispiel ein Problem, wenn Flüchtende Medikamente bekommen, deren Beipackzettel sie nicht lesen können, weil sie die Sprache nicht verstehen.

Aktivist Sebastian Heinze sagt ebenfalls, Kleidung nehme man an der Sammelstelle in Dortmund nicht mehr an. "Es war einfach viel zu viel und wird nicht mehr benötigt." Und Sandra Lorenz, Sprecherin der Johanniter Auslandshilfe, sagt, dass sich an den Grenzen bereits Kleiderberge anhäuften. "Das können wir und die Leute vor Ort nicht händeln." Wie viele andere Hilfsorganisationen auch rät die Johanniter Auslandshilfe mittlerweile zu Geldspenden. Sie könnten viel zielgerichteter verwendet werden, indem benötigte Hilfsgüter zentral beschafft und verteilt würden.

Wer dennoch lieber mit Sachspenden helfen wolle, der solle sich an gut koordinierten Aktionen mit erfahrenen Hilfsorganisationen beteiligen, rät Johanniter-Sprecherin Lorenz: "Wenn jeder mit einem vollgepackten Sprinter zur Grenze fährt und dort was ablädt, hilft das niemandem. Das ist einfach nicht bedarfsgerecht."

Auf Spendensiegel achten

Geld spendet man am besten ohne Zweckbindung: Dann können die Hilfsorganisationen die Gelder flexibel einsetzen. Um sicherzugehen, dass das Geld auch in der Ukraine ankommt, sollten Spender auf das Spendensiegel der DZI achten, rät Gernot Krauß von der Caritas. Das DZI prüft seit 1991 wie karitative Organisationen ihre Spenden verwenden.

Spendenkonto-Zusammenschluss

Wer sich unsicher ist, an welche Organisation er spenden soll, kann zum Beispiel auf das Gemeinschaftskonto von "Bündnis Entwicklung Hilft" und "Aktion Deutschland Hilft" spenden. Die ARD unterstützt die Initiativen. Die beiden Zusammenschlüsse umfassen zahlreiche Hilfsorganisationen wie "Brot für die Welt", "Misereor", "Oxfam", "AWO International" oder "CARE Deutschland".

IBAN: DE53 200 400 600 200 400 600
Stichwort: ARD/ Nothilfe Ukraine

Ein Spendenkonto gibt es auch bei der Deutschen Bahn:

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Unterkunft: Dringend gesucht

Definitiv helfen kann man auch mit Unterkunft: Es wäre "ideal", wenn möglichst viele Geflüchtete aus der Ukraine erstmal privat untergebracht werden könnten, hatte NRW-Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) am Sonntagabend im WDR Fernsehen gesagt. Fast alle Kommunen haben auf ihrer Homepage Emails oder Telefonnummern veröffentlicht, unter denen sich Menschen melden können, die ein Zimmer oder gar eine Wohnung anbieten können.

Sind die Gäste dann erstmal beim Amt registriert, haben sie Anspruch auf Unterstützung bei diversen Themen - wie Wohnen, Essen, Kita, Schule oder Arbeitsvermittlung.

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