Sturm in NRW - Wind flaut ab, Probleme bleiben

Sturm in NRW - Wind flaut ab, Probleme bleiben

Der erste Herbststurm des Jahres ist am Donnerstag mit orkanartigen Böen übers Land gezogen. Die Bahn musste zeitweilig den Fernverkehr einstellen - die Nachwirkungen halten an.

Nordrhein-Westfalen hat den ersten Herbststurm des Jahres vorerst überstanden. Das Sturmtief hatte vor allem in der Nacht zu Donnerstag und in den Morgen- und Mittagsstunden unzählige Einsätze der Feuerwehr ausgelöst, teilweise schwere Sachschäden verursacht und den Verkehr in großen Teilen des Landes ausgebremst.

Zwischen 7 und 20.30 Uhr musste beispielsweise die Kölner Feuerwehr am Donnerstag 162 Mal ausrücken, um Sturmschäden zu beseitigen. Zu den Einsatzschwerpunkten gehörten lose Äste, Dachziegel, Baustellenabsperrungen und umgestürzte Bäume. Verletzte gab es keine. Im Einsatz waren 235 Kräfte der Feuerwehr Köln, allein 195 davon von der Freiwilligen Feuerwehr.

Sturm-Bilder: NRW wird heftig durchgewirbelt

Das Sturmtief hat in NRW ganz schön an Gebäuden, Bäumen und Oberleitungen gerüttelt. Das blieb nicht ohne Folgen. Eindrücke und Bilder aus dem Land.

Ein Kleintransporter steht eingeklemmt unter einem Lastwagen

Auf den Straßen im Land kam es zu mehreren Unfällen: Auf der A45 wurde ein Lieferwagen vom Sturm gegen einen stehenden Lkw geweht.

Auf den Straßen im Land kam es zu mehreren Unfällen: Auf der A45 wurde ein Lieferwagen vom Sturm gegen einen stehenden Lkw geweht.

Am Hauptbahnhof in Düsseldorf stehen zahlreiche Reisende vor dem Reisezentrum, um sich über Zugausfälle zu informieren.

Aufgrund des Sturms wurde in NRW der Fernverkehr der Deutschen Bahn vorübergehend eingestellt. Seit dem Mittag läuft der Fernverkehr wieder.

Teilweise gab es chaotische Zustände in den Bahnhöfen im Land - wie hier in Köln.

Auch der Regionalbetrieb war massiv gestört: Bei Rudersdorf musste die Bahnstrecke zwischen Siegen und Dillenburg gesperrt werden. Mehrere Fichten waren auf die Stromleitungen der Bahntrasse gefallen.

In Köln wurden vorsichtshalber Teile des Domvorplatzes gesperrt.

Schilder warnen vor "Steinschlag", also Steinbrocken, die sich vom Kölner Dom lösen könnten.

Bereits am Mittwochabend wurde an der niederländischen Grenze einen Tornado gesichtet und gefilmt. Nach Informationen der WDR-Wetterredaktion gab es den Tornado tatsächlich in der Nähe von Emmerich-Elten. Über Schäden oder Verletzte ist nichts bekannt.

Vielerorts sind Feuerwehr und Polizei pausenlos mit Sturmeinsätzen beschäftigt. Im Kreis Soest gibt es zwei Vollsperrungen. Die Landstraßen zwischen Warstein Hirschberg und Meschede und zwischen Hirschberg und Lattenberg sind gesperrt.

In der Nacht zu Donnerstag mussten Polizei und Feuerwehr immer wieder ausrücken, um Straßen von abgebrochenen Ästen zu befreien.

Manchmal waren auch ganze Bäume umgestürzt.

Die mussten dann möglichst rasch zerkleinert und entfernt werden.

Auch auf die Endreinigung wurde nicht verzichtet.

NRW-Fernverkehr läuft wieder

Seit Freitagmorgen läuft der Bahnverkehr wieder weitestgehend normal. Gesperrt ist noch eine Regionalstrecke, zwischen Köln, Overrath und Lüdenscheid, dort kann aber erst gearbeitet werden, wenn es hell ist. Statt der RB25 fahren deshalb Ersatzbusse.

Bahnsprecherin Anja Bröker sagte dem WDR, es könne hier und da noch zu Verspätungen und Ausfällen kommen. Das hänge mit den Sturm-Auswirkungen zusammen. Das werde sich aber im Laufe des Tages einpendlen. Fahrgäste sollten sich rechtzeitig online auf bahn.de erkundigen, ob ihr Zug fährt.

Zudem weist die Bahn darauf hin, dass Fahrgäste, die gestern ihre Fahrt sturmbedingt verschoben haben, ihr Ticket "noch sieben Tage nach Störungsende flexibel nutzen können."

Massive Störungen am Donnerstag

Am Donnerstagmorgen ruhte der Fernverkehr der Bahn für fast vier Stunden, nachmittags lief er langsam wieder an. Am Abend gab es besonders auf der Strecke Düsseldorf und Köln sowie rund um Wuppertal noch Probleme.

WDR-Reporter an den Bahnhöfen Köln und Essen berichteten am Abend von chaotischen Zuständen. Pendler warteten auf vollen Bahnsteigen darauf, einen der wenigen Züge zu erwischen. Überall herrsche großes Gedränge, die wenigen Züge seien überfüllt. Erst nach 20 Uhr leerten sich die Bahnsteige langsam wieder. Auch am Freitag werden voraussichtlich zunächst viele Züge nicht nach Fahrplan fahren.

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Wind bleibt frisch

Ganz vorbei ist die Sturmlage noch nicht. Laut WDR-Meteorologe Sven Plöger sind auch am Freitag im Osten von NRW Windgeschwindigkeiten von 70 bis 90 Stundenkilometern möglich, im Westen immerhin 50 bis 70 km/h. Auch am Freitag sollte man also Vorsicht walten lassen und natürlich Waldgebiete meiden.

Herbststurm über Deutschland WDR aktuell 21.10.2021 09:14 Min. UT Verfügbar bis 21.10.2022 WDR

Tornado in Emmerich am Niederrhein

Bereits am Mittwochabend hatten Menschen an der niederländischen Grenze einen Tornado gesichtet und gefilmt. Nach Informationen der WDR-Wetterredaktion gab es den Tornado in der Nähe von Emmerich-Elten.

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Der Tornado soll für etwa eine Minute Bodenkontakt gehabt haben. Tornados am Niederrhein sind aber keine Seltenheit - sie treten gerade auf freien Flächen häufiger auf, sagen die Wetterexperten.

Tornado: Emmerich 00:11 Min. Verfügbar bis 21.10.2022

Autobahnabschnitte mussten gesperrt werden

Auch der Straßenverkehr war am Donnerstag teilweise massiv beeinträchtigt. Besonders viel war auf der A44 im Raum Aachen los, besonders zwischen den Autobahndreiecken Jackerath und Holz. Hier waren Bäume umgestürzt, auf der Fahrbahn lagen Äste und Schilder, Teile der Autobahn mussten gesperrt werden.

Eine weitere Sperrung auf der A44 gab es zwischen Holz und Wanlo. Wegen des Braunkohletagebaus könnten die Sturmböen auf diesem Abschnitt ihre ganze Wucht entfalten, erklärte ein Polizeisprecher.

Schwer verletzte Autofahrerin im Oberbergischen Kreis

Immer wieder fielen abgebrochene Äste und ganze Bäume auf Straßen. In Nümbrecht im Oberbergischen Kreis wurde eine Autofahrerin dabei schwer verletzt. Wie die Polizei mitteilte, war die 36-Jährige auf der Landstraße 320 unterwegs, als der Baum auf das Dach ihres Autos kippte. Die Fahrerin verlor die Kontrolle über das Fahrzeug, kam von der Fahrbahn ab und überschlug sich.

Einsatz nach Unwetter

In Düsseldorf musste die Feuerwehr seit der Nacht zu Donnerstag zu 47 Gefahrenstellen ausrücken meistens wegen loser Äste, umgekippter Bäume oder Absperrungen an Baustellen. Zwei Zelte, die unter anderem als Corona-Testzentrum genutzt wurden, mussten gesichert werden.

Auch im Märkischen Kreis mussten die Einsatzkräfte viele umgestürzte Bäume von der Straße räumen. Im Märkischen Kreis und in Siegen-Wittgenstein mussten auch einige Straßen gesperrt werden.

Vorsorge am Kölner Dom

In Köln waren Teile des Domvorplatzes für Fußgänger abgesperrt. Schilder warnten vor Steinschlag. Dass dies keine übertriebene Maßnahme ist, zeigt ein Fall aus Essen. Dort wurde ein großes Metallkreuz von einer Kirchturmspitze geweht. Erst am Nachmittag konnte das Kreuz mit Hilfe einer Werksfeuerwehr mit einem besonders hohen Hubsteiger gesichert werden.

Warnschild und Absperrung vor Kölner Dom wegen Sturmtief

Kölner Dom: Warnschild und Absperrung

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) empfahl: "Meiden Sie Wälder und achten Sie auch in den Städten auf herumfliegende und herabfallende Objekte." Das gilt auch für die kommenden Tage.

Tipps, wie man sich bei Sturm und in den Tagen danach richtig verhält, haben wir hier zusammengefasst:

Mit Wind und Regen wird es kälter

Ab Freitag wird es mit sieben bis elf Grad deutlich kühler. Der Tag beginnt zwar noch mit Wind und Schauern, teilweise auch Graupel, zeigt sich aber später schon entspannter, so die Prognose der WDR-Wetterredaktion. Ab Samstag soll die Sonne dann wieder öfter herauskommen. Das Hoch trägt dann übrigens den schönen Namen "Quedlinburgia" - nach der Stadt Quedlinburg.

Stand: 22.10.2021, 09:26

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