Herbert Schnoor ist tot: Verteidiger der Freiheitsrechte

Herbert Schnoor (SPD), Aufnahme aus dem Jahr 1981

Herbert Schnoor ist tot: Verteidiger der Freiheitsrechte

Heute ist der ehemalige NRW-Innenminister Herbert Schnoor (SPD) im Alter von 94 Jahren gestorben. Ein Nachruf.

Ein hagerer Mann schaut mit sorgenvollem Blick über eine halbe Lesebrille – so war Herbert Schnoor als NRW-Innenminister weit über die Landesgrenzen bekannt.

Am 1. Juni 1927 wird Herbert Schnoor im ostfriesischen Aurich als Sohn eines Volksschullehrers geboren. Er studiert Jura, promoviert und arbeitet dann in Niedersachsen in der Verwaltung. 1964 wechselt er als Referent im Kultusministerium in den NRW-Landesdienst. Erst mit 37 Jahren tritt er in die SPD ein.

Im Schatten der Macht

Seine politische Laufbahn verläuft zunächst in zweiter Reihe und ist eng verknüpft mit der von Johannes Rau (SPD): Schnoor wird 1970 dessen Staatssekretär im Wissenschaftsministerium und auf Raus Empfehlung 1975 zum Leiter der Staatskanzlei unter Ministerpräsident Heinz Kühn (SPD). Dort, im Maschinenraum der Macht, bewährt sich Schnoor und empfiehlt sich für weitere Ämter.

Als die SPD 1980 die absolute Mehrheit holt und damit die sozialliberale Koalition endet, macht Ministerpräsident Rau seinen Weggefährten zum Innenminister – trotz anfänglicher Bedenken. "Ich weiß nicht, ob du das durchstehst", soll Rau dem sensiblen Freund gesagt haben.

Bundesweite Anerkennung

Schnoor steht es nicht nur durch, sondern wird mit norddeutscher Sachlichkeit und einem klaren liberalen Profil zu einem der herausragenden Landesminister – mit bundesweiter Reputation: "Besonnener Liberaler mit Skrupel" (Die Zeit), "Vorkämpfer sozialdemokratischer Rechts- und Innenpolitik mit bundesweiter Ausstrahlung" (SZ), "Ressortminister mit Augenmaß und Einfallsreichtum" (Spiegel) – so urteilt die Presse über ihn.

Der Gegenspieler des CSU-Hardliners

Die Amtsperiode Schnoors als Innenminister (1980 bis 1995) fällt in eine Zeit großer politischer Debatten in der BRD. Die Friedens- und die Anti-Atomkraft-Bewegung lässt Hunderttausende von ihrem Demonstrationsrecht Gebrauch machen: in Bonn, Mutlangen und Wackersdorf.

Schnell entwickelt sich Schnoor zum liberalen Gegenspieler des Bundesinnenministers Friedrich Zimmermann (CSU). Dieser lässt die Bundespolizei mit Reizgas gegen Demonstranten vorgehen. Herbert Schnoor hingegen testet das CS-Gas zunächst am eigenen Leib, fühlt sich danach "sauelend" und "wie ausgekotzt" und entscheidet sich gegen den Einsatz in NRW. Das Demonstrationsrecht ist Schnoor ein heiliges Gut, er nennt es "die Pressefreiheit des kleinen Mannes."

Stand: 21.06.2021, 16:25

Weitere Themen

Aktuelle TV-Sendungen