Der Entertainer Herbert Feuerstein ist tot

Herr Feuerstein schreibt seinen Nachruf – Und lebt noch 2091 Tage WDR 07.10.2020 58:50 Min. Verfügbar bis 07.10.2021 WDR Von Klaus-Michael Heinz

Der Entertainer Herbert Feuerstein ist tot

Von Thomas Köster

Teil 2/2 - Der Entführer Mutter Beimers

Dabei hat Feuerstein den Verweis auf Schmidt Mitte der 90er Jahre schon längst nicht mehr nötig. Als eigene Marke gehobenen Blödsinns funktioniert er auch allein.

Herbert Feuerstein in dem ARD-Märchenfilm “Frau Holle“ (2007)

Herbert Feuerstein in dem ARD-Märchenfilm “Frau Holle“ (2007)

Von dieser Popularität beim Publikum zeugen zahllose Auftritte in Talkshows oder Märchenfilmen, aber auch seine Episodenrolle als fanatischer Mutter-Beimer-Entführer Detlef Hase in einem Filmspecial zum zehnjährigen Bestehen der "Lindenstraße".

Oder zwei je zwölfstündige, "Feuersteins Nacht" überschriebene Live-Sendungen, in denen der Entertainer von seiner Kölner Dachwohnung aus über das Leben räsoniert, mit Prominenten, die in einer nahegelegenen Telefonzelle stehen, in Sichtdistanz über Gott und die Welt spricht, mit Passanten spielt – oder vor laufender Kamera einfach einschläft.

Schon die erste Sendung von 1997 geht laut Feuerstein "in die Fernsehgeschichte ein, als größtes, teuerstes und verrücktestes TV-Experiment des WDR".

Für seine Arbeit wird Feuerstein mehrfach ausgezeichnet. 1994 erhält er den Fernsehpreis "Bambi" für seine "anarchistische Qualität" und seinen "hemmungslosen Mut zum Chaos", 2010 in Köln beim Deutschen Comedypreis den Ehrenpreis. Eine einzige "überbordende Beklopptheit" sei sein Lebenswerk, wie Laudator Bastian Pastewka lobhudelt.

Vor dem Tod die Welt begreifen

Da ist Herbert Feuerstein längst auch schon in ernsthafteren Gefilden unterwegs. Für WDR 3 präsentiert der begeisterte Orgelspieler Ende der 90er Jahre Klassik-Sendungen im Hörfunk und macht Live-Präsentationen mit dem WDR-Rundfunkorchester.

2001 besucht er in der Reihe "Feuersteins Festival Frühstück" im ARD-Morgenmagazin an 15 Tagen 15 Festivalstätten. Zwischen 2003 und 2008 gibt er an der Oper Köln rund 75 Mal den Gefängniswärter Frosch in der Operette "Fledermaus" von Johann Strauss.

Neben dem Humor und der Musik ist die Fremde Feuerstein da schon zur dritten Heimat geworden. Dies zeigt sich nicht zuletzt in der vom WDR produzierte Expeditionsreihe "Feuersteins Reisen".

Herbert Feuerstein in der TV-Klassikshow “Eine große Nachtmusik“ (2006) in München

Herbert Feuerstein an der Harfe

Sie führt den Entertainer ab 1995 in sehr persönlichen, teils skurril anmutenden Reisereportagen von Oman bis Moldawien und von Alaska bis zur Südsee in die verschiedensten Weltregionen. Nach eigenem Bekunden will er so vor seinem Tod "noch etwas von der Welt begriffen haben".

"Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut"

Das sagte Herbert Feuerstein knapp ein Jahr lang rund 200 Mal als österreichischer Kaiser in der Operette "Im weißen Rössl" im Hamburger Tivoli.

Und so steht es auch Anfang 2014 auf seiner Website, wo er bekannt gibt, sich endgültig "vom Fernsehen, den Lesungen und Konzerten sowie dem Veranstaltungskalender" zurückzuziehen – allerdings nur, um sich Ende 2014 mit einer Autobiografie und in zahlreichen Lesungen zurück zu melden.

2016 besuchte der SWR Feuerstein noch einmal in seinem Haus in Erftstadt. Dabei spricht der damals 79-Jährige auch über seinen Tod, natürlich nicht, ohne darüber Witze zu machen. Er habe die Nachrufe auf sich selbst für WDR-Fernsehen und -Hörfunk schon vorbereitet, erzählt er dem Moderator. Seitdem werde immer gefragt: "Wieso lebt der noch? Wieso können wir das nicht senden? Das wird doch alt!"

Nun ist er tot, gestorben am Dienstag, 6. Oktober 2020.

Auf seinem Grabstein solle dereinst als "größte Lebensleistung" stehen, die deutsche Sprache als MAD-Chefredakteur um Worte wie "lechz", "würg", "stöhn" und "hechel" bereichert zu haben. So verfügt es Herbert Feuerstein in mehreren Interviews. Es bleibt zu hoffen, dass sich dieser letzte Wunsch erfüllt.

Stand: 07.10.2020, 13:57

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