Helmpflicht für Radfahrer umstritten

Frau probiert Fahrradhelm auf, im Hintergrund viele Fahrradhelme in unterschiedlichen Farben in einem Verkaufsregal an einer Ladenwand

Helmpflicht für Radfahrer umstritten

Von Nina Giaramita

  • NRW-Innenministerium stellt Unfallstatistik 2018 vor
  • Radfahrer sind besonders gefährdet
  • ADFC gegen Einführung einer Helmpflicht

Der NRW-Fahrradverband ADFC spricht von "bitteren Zahlen": Es geht um die Zahl der Radfahrer, die Jahr für Jahr in Nordrhein-Westfalen tödlich verunglücken. 2017 waren es insgesamt 50 Menschen. Rechtzeitig zur Veröffentlichung der Zahlen für das Jahr 2018 hat die Gewerkschaft der Polizei (GdP) aus diesem Grund nun eine Helmpflicht für Radfahrer eingefordert.

"Die Mobilität ändert sich", sagt Heiko Müller vom NRW-Landesverband der GdP. "Immer mehr Leute fahren Fahrrad, dadurch steigen in dem Bereich auch die Unfallzahlen." Durch Einführung einer Helmpflicht ließen sich die schweren und tödlichen Rad-Unfälle zumindest reduzieren, so die Überzeugung der Polizei.

Ältere Radfahrer besonders gefährdet

Auch die Verkehrswachten im Land plädieren für eine Helmpflicht - und das schon seit geraumer Zeit. "Wir sorgen uns vor allem um die zunehmende Anzahl von Unfällen, an denen Pedelec-Fahrer beteiligt sind", sagt Sprecher Matthias Schiffmann. Vor allem Ältere seien gefährdet, denn die Elektrofahrräder seien bei Senioren sehr beliebt, so Schiffmann. "Sie unterschätzen aber die Geschwindigkeit der Räder."

Tatsächlich war bereits 2017 ein Großteil der getöten Pedelec-Fahrer 65 Jahre und älter. Die Verkehrswacht nimmt in ihrer täglichen Beratung daher zunehmend die Älteren in den Blick. Die Berater werben unter anderem auf Messen und in Krankenhäusern für das Tragen eines Fahrradhelms. Auch in kostenlosen Pedelec-Kursen wird den Teilnehmern eingeschärft, dass ein Helm zur Grundausstattung dazu gehören sollte.

ADFC für gute Fahrradwege statt Helmpflicht

Der ADFC NRW hält von einer Helmpflicht dagegen nicht viel. "Diese Forderung lenkt von den eigentlichen Problemen ab", sagt Sprecherin Christina Wolff. "Wir haben nichts dagegen, wenn die Leute einen Fahrradhelm tragen", so Wolff. Insgesamt sei es jedoch viel wichtiger, die Radinfrastruktur in den Städten nachhaltig zu verbessern - beispielsweise durch die Einrichtung von geschützten Radfahrstreifen.

Der Verband fürchtet zudem, dass sich durch eine Helmpflicht insgesamt weniger Leute auf das Rad schwingen würden. Schließlich sei die Anschaffung eines Helms auch mit Kosten verbunden - und das könne sich nicht jeder ohne Weiteres leisten.

Stand: 27.02.2019, 06:00

Kommentare zum Thema

17 Kommentare

  • 17 tom 28.02.2019, 19:09 Uhr

    Wenn man nichts für die Infrastruktur machen möchte, ist es natürlich, das Problem auf die Schwächsten der Gesellschaft abzuwälzen. Das ist alles nur ein Ablenkungsmanöver (auch vom WDR) - berichten sie doch mal über die wahren Hintergründe und warum es in Holland so viel besser ist. ..wo bleibt der Bildungsauftrag, oder geht es hier nur ums "wegducken"?

  • 16 Der Pedelecer 28.02.2019, 17:34 Uhr

    Zitat: "Schließlich sei die Anschaffung eines Helms auch mit Kosten verbunden - und das könne sich nicht jeder ohne Weiteres leisten." Dies ist Unfug. Ein Fahrradhelm mit Norm kostet bei Aldi und oder Lidl maximal 12,- €, da kann man ja mal auf eine Schachtel Zigaretten verzichten und sich einen Helm kaufen. Dieses Argument vom ADFC zählt nicht. Diese ganze Diskussion ist für nichts gut. Es gibt keine Helmpflicht. Sofern die Städte, Gemeinden, Kommunen, das Land und Herr Scheuer als Verkehrsminister mehr Geld ausgeben würde, kämen auch weniger Radfahrer durch Kraftfahrer ums leben. Um mehr Fahrradfahrer mit einem Helm oder dem neuen Airbag aus zu statten, sollte ein Vorzugspreis für interessierte durch z.B. das Land NRW finanziert werden. Könnte man z.B. bei der Steuererklärung einreichen. Herr Fortak, ich bin enttäuscht von dem Artikel, sie haben einfacher nur Argument zusammen getragen aber keine Gegenargumente aufgeführt. Schwach.

  • 15 Vito Leone 28.02.2019, 11:26 Uhr

    Helmpflicht für Radfahrer? Ich finde, dass das nicht weit genug geht und fordere: Narrenkappen für die Polizei! Jeder Jeck soll wissen, dass diese peinliche Symptombekämpfung auf der Karnevalsbühne ausgelacht gehört. Oh, was für ein günstiger Zufall...

  • 14 Radlerin 28.02.2019, 10:57 Uhr

    Ich kann die Aufregung um eine Helmpflicht überhaupt nicht nachvollziehen. Es geht schließlich darum im Falle eines Unfalles geschützt zu sein. Im Gegenteil ich würde sogar noch weiter gehen auch eine z. B. Warnwestenpflicht (fahre selbst auch nur mit) o. ä. in der Dunkelheit vorschreiben um die Sichtbarkeit und Sicherheit zu erhöhen. Wenn man in der jetzigen Jahreszeit sieht mit welchen Funzeln so mancher Fahrradfahrer sein Rad und sich selbst „beleuchtet“ da kann man sich bei soviel Unverantwortlichkeit nur an den Kopf fassen. Und es geht nicht nur um Unfälle zwischen Rad- und Autofahrer auch Unfälle zwischen zwei Radlern können ernsthafte Folgen haben. Aber die Forderung des ADFC nach geschützten Radwegen ist kontraproduktiv. Radfahrer gehören auf die Straße wo sie gesehen werden und nicht auf irgendwelche geschützte Radwege wo sie aus dem Blickfeld der Autofahrer verschwinden. Das hatten wir die letzten Jahrzehnte und gebracht hat es absolut nichts.

    Antworten (1)
    • Inglaterra 28.02.2019, 13:40 Uhr

      Volle Unterstuetzung! Ich habe den Fahrradhelm auch zuerst gehasst (nachdem ich ihn auf der ersten Fahrt verkehrt herum aufgesetzt hatte). Aber spaetestens nach meinem Crash bin ich von der Wirkung ueberzeugt. Die Frontseite wurde einige Zentimeter eingedellt - das haette mein Kopf sein koennen. Zum Fahren im Dunkeln: Licht und passive Sichtbarkeit sind sehr wichtig, aber leider ist es schwer, zuverlaessiges Material zu bekommen. Durchrutschende Dynamos, brechende Kabel, oder Ruecklichter, die sich beim Ueberfahren eines Schlagloches selbsttaetig ausschalten - alles schon erlebt. Deshalb habe ich immer mindestens zwei Strahler vorne und hinten (besonders wichtig, weil man einen Fehler beim Ruecklicht nicht sofort bemerkt). Die Mode (speziell Herrenmode) ist auch nicht gerade hilfreich: Kleidung in dunkelgruen, braun oder depressiv-dunkelgrau sind der passiven Sichtbarkeit nicht zutraeglich. Eine Warnweste hilft, solange man keinen Rucksack traegt, der sie verdeckt.

  • 13 Jupiter 28.02.2019, 09:17 Uhr

    immer der gleich Brei, der hier veröffentlicht wird! Schaut nach Holland! Helme tragen dort nur die Deutschen. ich werde auch bei Helmpflicht keinen Helm tragen. Selbst Brummfitze-Fahrer tragen keine - und haben meistens kein Licht an. Aber - man hört sie ja kommen. das reicht! :-))

  • 12 Oliver 28.02.2019, 08:44 Uhr

    Der bessere Ansatz: Hirnpflicht statt Helmpflicht! Ein guter Ansatz um das Hirn zu schützen wäre im ersten Schritt, es einfach mal zu benutzen. Denn leider verhalten sich viele Radfahrer im Straßenverkehr als wären Sie allein auf der Welt. Wenn sich Radfahrer an die Regeln halten würden, die schon existieren, würden die Unfallbilanzen deutlich besser aussehen und es wären keine neuen Gesetze und Pflichten nötig. Denn auch wenn im Stadtverkehr zugegebenermaßen ein Helm durchaus Sinn machen kann, vergisst man in der Diskussion all jene, die in Ihrer Freizeit aufs Rad steigen, irgendwo in der Natur auf abgelegenen Radwegen und in verkehrsarmen Gegenden, um einfach ein bisschen Zeit an der frischen Luft zu genießen ... und nicht um sich unter einer Plastikschale zu Tode zu schwitzen. Es gibt auch viele Wege, die sich Radfahrer und Fußgänger teilen. Hier sind die Fußgänger in der Regel stärker gefährdet als die Radfahrer. Sprechen wir doch mal über eine Helmpflicht für Fußgänger. ;-)

  • 11 Helmpflicht für Radfahrer 28.02.2019, 07:45 Uhr

    Ich gehe davon aus das die Helmpflicht für Radfahrer nur eingeführt werden soll damit die Polizei für die Stadt eine neue Einnahmequelle erschießen kann. Ich bin mehrfach gestürzt ohne Helm, auch bei 40 km/h, hier tritt dann ein Reflex ein der die Arme automatisch zum Kopf führt um ihn zu schützen. Mit Helm wird dieser Reflex ausgeschaltet. Ich bin sehr froh das ich ohne Helm gestürzt bin, mit Helm wäre mein Genick gebrochen so hatte ich nur ein paar Schürfwunden und die sind zu verschmerzen.

    Antworten (1)
    • Inglaterra 28.02.2019, 13:32 Uhr

      Gewagte These. Vor allem, warum sollte ein Helm einen Reflex ausschalten? Bei meinem "Experiment" (Auto kam aus Seitenstrasse geschossen, Aufprall mit etwa 20km/h) kamen auch reflexartig die Haende, aber das konnte den Aufprall mit der Stirn auf die Strasse nicht vermeiden. Der Helm war an der Stelle um einige Zentimeter plastisch verformt. Oben ohne haette mein Kopf die kinetische Energie abbekommen. Und nein, mein Genick habe ich nicht gebrochen. Natuerlich kann man Glueck haben und ohne Helm mehrfache Stuerze ueberstehen. Genauso wie man einen Autounfall ohne Anschnallen ueberleben kann. Es sind aber die statistischen Wahrscheinlichkeiten, die das Gesamtbild abgeben.

  • 10 Pedelectourer 27.02.2019, 22:20 Uhr

    Vieleicht erst einmal Helme Herstellen die passen.Eine massanfertigung wie im rennradsport oder bei skischuhen standart würde das problem schlecht passender radhelme lösen. Übrigens ich trage immer Einen Radhelm, Leider einen der nach kurzer zeit drückt. Heute 4 geisterradler auf 12 km tour begegnet.Beim ansprechen seucher leute werden die noch agressiv.

  • 9 Richard Terwolbeck 27.02.2019, 21:04 Uhr

    Viel wäre schon erreicht, wenn Radfahrer, die bei Dunkelheit ohne Licht unterwegs sind, geahndet würden. Auch das Fahren auf der falschen Seite wird gerne praktiziert - zugegebenermaßen auch hin und wieder von mir. Allerdings sollte man sich dabei so defensiv verhalten, dass jede Behinderung anderer Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist - gegebenenfall auch absteigen und schieben. Wenn jetzt noch die Helmpflicht eingeführt werden sollte, käme eine weitere Verordnung hinzu, die auch kontrolliert werden müsste, denn nichts ist schlimmer als Gesetze, deren Einhaltung nicht überwacht wird - im Straßenverkehr allerdings ist das leider Normalität (nicht nur Radfahrer, auch Autofahrer setzen sich permanent über Vorschriften hinweg, Beispiel: Einhaltung der erlaubten Höchstgeschwindigkeit. Wenn alle mehr Rücksicht aufeinander nähmen, hätten wir ein Großteil der Probleme nicht.

  • 8 MBT 27.02.2019, 19:47 Uhr

    Hab irgendwo gelesen das man den Führerschein der Autofahrer alle 5 Jahre kontrolieren soll. Mal ein Gegenvorschlag ... Auch bei Fahrradfahrer noch schlimmer E Bikefahrer konsequent durchgreifen wenn man gegen Verkehrsregeln verstößt. Dazu gehört es zB auch das man nichts auf Bundesstraßen zu suchen hat, schon garnicht als Fahrradfahrer, wenn 2m daneben ein Radweg zur Verfügung steht. Also Fahrradführerschein Pflicht anstatt Helmpflicht. In Städten werden sehr oft aus blindem Aktionismus Radwege an gefährlichen stellen entlängsgeführt anstatt die ungefährliche Nebenstraße. Und bevor jetzt alle Radfahrer auf mich eindreschen, bin selbst Radfahrer.

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    • Inglaterra 28.02.2019, 14:33 Uhr

      Zu den Bundesstrassen: Ich habe auch schon trotz Radweg welche benutzt. Das nicht aus Ruecksichtslosigkeit, sondern weil (i) der Radweg schlecht ausgeschildert war und auf einmal aus dem Nichts auftauchte, (ii) keine Chance gegeben wurde, auf den Radweg aufzufahren mangels Bordsteinabsenkung, oder (iii) ein bidirektionaler Radweg so angelegt wurde, dass ich links der Bundesstrasse fahren musste und trotz Fahrradlichts durch die Blendwirkung entgegenkommender Fahrzeuge die Strecke nicht mehr erkennen konnte. Leider werden solche Radwege meist nur auf die Belange der Autofahrer hin angelegt, ohne einmal die Belange der Radler zu erfragen. Wenn ich eine Bundesstrasse ueberqueren muss, um einen bidiretionalen Radweg auf linker Seite zu erreichen, auf dem ich dann geblendet werde (und Autofahrer bei der naechsten Einmuendung nicht mit mir rechnen, weil ich ja "auf falscher Seite" daherkomme), dann ist die Hemmschwelle zur Nutzung des Radweges naturgemaess hoch.

  • 7 T. Herkenrath 27.02.2019, 16:53 Uhr

    Ich fahre seit 20 Jahren mit dem Helm, ohne wäre ich nackt! Auch auf kurzen Strecken -alles gut! In Holland fahren wirklich nur Rennradfahrer mit Helm -aber auf der Skipiste alle!!! ;-) Freundliche Grüße aus Hilden

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