"Große Not" bei Hebammen in NRW

Eine Hebamme hört die Herztöne eines Babys im Mutterleib ab

"Große Not" bei Hebammen in NRW

  • Umfrage: Fast jede zweite Hebamme betreut drei Geburten gleichzeitig
  • Ziel der Eins-zu-Eins-Betreuung in weiter Ferne
  • Hebammenverband hofft auf neues Gesetz

Die Empfehlung der medizinischen Fachgesellschaften für die stationäre Geburtshilfe ist klar: Im Kreißsaal soll sich eine Hebamme nur um eine Gebärende kümmern - die so genannte Eins-zu-Eins-Betreuung.

Doch von dieser Empfehlung ist man in den Kreißsälen weit entfernt. Wie aus einem aktuellen Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags hervorgeht, müssen fast die Hälfte der Hebammen drei Gebärende gleichzeitig betreuen. In Intensivschichten sei es auch keine Seltenheit, dass eine Hebamme für vier und mehr Geburten zuständig sei.

Spardruck der Kliniken führt zu Personalnot

"Der überwiegende Teil der Hebammen im Land ist in großer Not", sagte Barbara Blomeier, Vorsitzende des Landesverbandes der Hebammen in NRW, am Donnerstag (12.09.2019) dem WDR. Die Eins-zu-Eins-Betreuung sei zwar von nahezu allen Seiten gewünscht, würde aber aufgrund des Spardrucks in den Kliniken kaum umgesetzt werden.

Nach der Geburt noch den Kreißsaal putzen

"Es ist nicht selten, dass eine Hebamme in einer Nacht vier Entbindungen macht. Und danach muss sie auch noch den Kreißsaal putzen", sagt Blomeier. Auch die Vorsitzende des Bundestagsauschusses für Familien, Senioren, Frauen und Jugend, Sabine Zimmermann (Die Linke), kritisiert den Zustand: "Von schlechten Arbeitsbedingungen werden Hebammen in die Teilzeit oder ganz aus dem Beruf getrieben", sagte sie der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Hebammen gesucht

WDR 5 Politikum - Meinungsreportage 11.02.2019 03:06 Min. Verfügbar bis 11.02.2020 WDR 5

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Hebammenverbände fordern schon lange, die Eins-zu-Eins-Betreuung im Kreißsaal gesetzlich vorzuschreiben. Doch das Geburtshilfestärkungsgesetz gehöre derzeit leider nicht zu den Prioritäten im Gesundheitsministerium, sagt die Verbandsvorsitzende Blomeier.

Stand: 12.09.2019, 11:59

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