Neue Hebammenausbildung: "NRW nicht vorbereitet"

Eine Hebamme untersucht eine schwangere Frau

Neue Hebammenausbildung: "NRW nicht vorbereitet"

Von Dominik Reinle

  • Hebammen sollen künftig studieren
  • Bundestag entscheidet über entsprechendes Gesetz
  • Für Hebammenverband ist NRW schlecht vorbereitet

Der Bundestag beschließt voraussichtlich am Donnerstag (26.09.2019) ein Gesetz, das die berufliche Ausbildung von Hebammen neu regelt. Sie sollen künftig ein Studium absolvieren. Es soll sechs bis acht Semester dauern und die wissenschaftliche Theorie mit der Praxis verknüpfen.

Das duale Studium wird künftig mit einem Bachelor sowie einer staatlichen Prüfung enden. Während der gesamten Ausbildungszeit werden die angehenden Hebammen bezahlt.

Umsetzung einer EU-Richtlinie

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn setzt damit eine EU-Richtlinie um, nach der die Ausbildung für das Berufsfeld bis zum Januar 2020 reformiert sein muss.

Studium für Hebammen

WDR 5 Quarks - Hintergrund 10.04.2019 09:28 Min. Verfügbar bis 09.04.2024 WDR 5

Download

Wie ist die Ausbildungssituation in NRW?

Bislang erfolgt die Ausbildung in NRW an zwölf Hebammenschulen. In Köln kann danach an der Katholischen Hochschule eine Zusatzausbildung mit Abschluss Bachelor gemacht werden. Zudem gibt es einen Modellstudiengang an der Hochschule für Gesundheit in Bochum.

Der Landesverband der Hebammen in NRW begrüßt die Reform der Ausbildung: "Wir sind heilfroh über die Gesetzesänderung", sagte die Vorsitzende Barbara Blomeier dem WDR. "Die Anforderungen an Hebammen sind durch den medizinischen Fortschritt ganz andere als früher." Das mache ein Studium notwendig. Eine Fachschule könne das nicht mehr leisten.

Ist NRW auf die Gesetzesänderung vorbereitet?

Nein, sagt der Hebammenverband NRW. "Wir hängen total in der Luft", so die Vorsitzende Blomeier. Aus ihrer Sicht müsste es fünf bis sechs Studienstandorte in NRW geben - in jedem Regierungsbezirk eine. "Eine regionale Verankerung ist wichtig." Damit steige auch die Chance, dass Hebammen nach dem Studium dort arbeiten.

Allerdings bestehe derzeit ein Pattsituation: "Die Hochschulen warten auf Ansagen der Landes, und das Land wartet auf Konzepte der Hochschulen", kritisiert Blomeier. "Die Landesregierung müsste deutliche Signale rausschicken - zur Anzahl der Studienorte, zur Zahl der Studienplätze, zur Finanzierung."

Welche Verbesserungen bringt ein Studium?

"Dadurch steigt die Attraktivität des Berufs", sagt Barbara Blomeier, Vorsitzende des Landesverbandes der Hebammen in NRW. "Langfristig kann damit dem Hebammenmangel entgegengewirkt werden."

Auch für die Versorgung der Schwangeren sei eine Verbesserung zu erwarten. Durch eine veränderte Zusammenarbeit von Hebammen und Ärzten könne sich auch die Arbeitsqualität erhöhen. Die Arbeitszufriedenheit könne ebenfalls steigen. "Damit wird die Abwanderung von Hebammen aus Kliniken verhindert."

Stand: 26.09.2019, 12:30

Aktuelle TV-Sendungen