Warum NRW überdurchschnittlich viel Müll produziert

Volle Mülltonnen vor einem Wohnhaus

Warum NRW überdurchschnittlich viel Müll produziert

  • NRW liegt bei Haushaltsmüll über Bundesschnitt
  • 2017 waren es pro Kopf sieben Kilogramm mehr
  • Dafür gibt es unterschiedliche Gründe

Jeder NRW-Bürger hat 2017 durchschnittlich 469 Kilogramm Haushaltsabfall verursacht. Damit lag die Müllmenge im bevölkerungsreichsten Bundesland pro Kopf sieben Kilogramm über dem Bundesdurchschnitt, wie das Statistische Landesamt am Mittwoch (14.08.2019) mitteilte.

Am wenigsten Haushaltsabfälle verursachten im deutschlandweiten Vergleich die Sachsen mit 339 Kilogramm und die Berliner mit 383 Kilogramm pro Kopf. Die größten Müllmengen produzierten nach Angaben der Statistiker die Menschen in Rheinland-Pfalz und Niedersachsen mit mehr als 520 Kilogramm pro Kopf.

Schwer vergleichbar

"Die Zahlen sind mit Vorsicht zu genießen und können nicht direkt miteinander verglichen werden", sagte Henning Wilts, Leiter der Abteilung Kreislaufwirtschaft beim Wuppertal Institut, dem WDR. Dafür gebe es verschiedene Gründe.

Die Müllmenge hänge beispielsweise von der Anzahl der Singlehaushalte ab, die mehr Abfall produzierten als Familienhaushalte. Auch die Anzahl der Innenstädte in einem Bundesland spiele eine Rolle: "Dort werden mehr Einwegverpackungen wie etwa To-Go-Kaffeebecher verbraucht."

Mehr Einkommen, mehr Müll

Ein Faktor ist laut Müllexperte Wilts auch das Haushaltseinkommen: "Wer mehr Geld verdient, macht auch mehr Müll."

Hinzu komme, dass die Statistischen Bundesämter und einzelne Kommunen teilweise unterschiedliche Berechnungsmethoden hätten. "Manche rechnen den Grünschnitt aus Parkanlagen und den Inhalt öffentlicher Mülleimer dazu - andere wiederum nicht."

NRW im "grünen Bereich"

Die Daten zum Haushaltsmüll sind Teil eines umfangreichen Ländervergleichs ("Umweltökonomische Gesamtrechnungen der Länder"). Betrachtet werden Bereiche wie Abfall, Energie, Treibhausgase, Rohstoffe, Verkehr und Wasser.

Für jeden dieser Bereiche gibt es einen Trend, der auf den Daten der letzten zehn Jahre basiert. Der Trend ist in den Ampelfarben grün (positive Entwicklung), rot (negative Entwicklung) und gelb (konstante Entwicklung). NRW hat sich demnach beim Haushaltsmüll, den Erneuerbaren Energien, dem Endenergieverbrauch und den Treibhausgasen tendenziell verbessert.

"Kein Grund, sich auszuruhen"

Für Henning Wilts vom Wuppertal Institut reicht das nicht aus, um die Klimakrise abzuwenden: "Das ist überhaupt kein Grund, sich jetzt auszuruhen." Die hohe Abfallmenge habe überhaupt nichts mit Nachhaltigkeit zu tun. Auch wenn das Entsorgen gut funktioniere, viel wichtiger sei die Abfallvermeidung: "Es werden aktuell viel zu viele Ressourcen verbraucht."

Saubere Städte – wie geht das?

WDR 5 Tagesgespräch 12.08.2019 43:07 Min. Verfügbar bis 11.08.2020 WDR 5

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Grillverbot wegen zu viel Müll: Rat Lünen berät 02:40 Min. Verfügbar bis 14.08.2020

Stand: 14.08.2019, 16:17

Kommentare zum Thema

5 Kommentare

  • 5 Marianne 15.08.2019, 17:28 Uhr

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  • 4 Anonym 14.08.2019, 23:07 Uhr

    Schon die Überschrift ist irreführend und falsch! Weder "NRW" noch ich als Endverbraucher "produziere" Müll - das macht die Industrie, die alles doppelt und dreifach in Plastik verpacken muss. *Ich* brauche das nicht. Ohne den Müll kann ich die Produkte nur leider nicht erwerben!

    Antworten (1)
    • Marianne 15.08.2019, 17:44 Uhr

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  • 3 Moni 14.08.2019, 22:38 Uhr

    Die AfD ist aufm Vormarsch: Vlt dieser Müll auch ins Gewicht.

  • 2 Jonas P. 14.08.2019, 22:27 Uhr

    Für mich ist der geistige Müll, der u. a. auch von div. Medien verbreitet wird, wobei der WDR auch nicht abseits steht, viel schlimmer. Er ist mitverantwortlich für die immer stärker werdende Verrohung unser Gesellschaft.

    Antworten (1)
    • Marianne 15.08.2019, 17:52 Uhr

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  • 1 Michael K. 14.08.2019, 17:43 Uhr

    Ich ärgere mich jedes mal über die Behauptung, die Haushalte produzierten Müll. Das stimmt nicht: Sie entsorgen ihn, aber produziert wird er von anderen, Verpackungsmüll beispielsweise von der Verpackungsindustrie.

    Antworten (1)
    • Sebastian L. 15.08.2019, 08:38 Uhr

      Es liegt aber nun mal in der Verantwortung eines jeden Verbrauchers, welche Produkte er sich aussucht und damit entsprechend den Verpackungsmüll entsorgen muss. Bewusstes Einkaufen ist entscheidend für die Menge an Müll aus den Haushalten.

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