Einheitliche Ladekabel für Handys: Was Nutzer jetzt wissen müssen

Einheitliche Ladekabel für Handys: Was Nutzer jetzt wissen müssen

Der Handy-Akku ist leer und kein Ladekabel greifbar - ein Problem, das viele kennen. Damit könnte bald Schluss sein. Die EU-Kommission hat einen Gesetzesvorschlag für ein einheitliches Kabel vorgelegt.

Akku alle aber kein passendes Ladekabel in der Nähe - ein Szenario, das wohl schon jeder Handynutzer einmal erlebt hat. Denn der Büro-Nachbar ist leider Android-Nutzer, das eigene Gerät aber aus dem Hause Apple. Doch damit könnte in ein paar Jahren Schluss sein. Die EU-Kommission hat am Donnerstag einen Gesetzesvorschlag für einheitliche Ladebuchsen in Elektrogeräten vorgelegt.

Ob es nun der Kabelsalat in Ihren Schubladen ist, der Sie zu Hause nervt oder der Null-Prozent-Moment, wenn Sie unterwegs sind und das Ladegerät in besagter Schublade vergessen haben. Mit beiden könnte bald Schluss sein.

Der EU geht es um mehr Nachhaltigkeit. Sie strebt ein Wirtschaftsmodell an, bei dem es um die Vermeidung von Müll und die Wiederverwertung von Rohstoffen geht. Der Kabelstandard, der für Handys, Tablets, Kopfhörer, Lautsprecher, tragbare Spielekonsolen und Kameras gelten soll, ist da nur ein Aspekt.

Was sind für Verbraucher die Vorteile eines einheitlichen Kabels?

Die Kabelmenge pro Nutzer soll dadurch reduziert werden. Denn dann hätte jeder nur noch ein Kabel für mehrere Geräte. Unterwegs wird es Handybesitzern angesichts einheitlicher Ladestandards zudem leichter fallen, ein Leih-Kabel bei Freunden oder Kollegen zu besorgen.

Der Standard hätte weitere Vorteile für die Nutzer, weiß WDR-Digitalexperte Dennis Horn: "Ein einheitliches System erleichtert vor allem den Umstieg auf Smartphones anderer Hersteller. Wer bisher von Apple zu Google - oder umgekehrt - wechseln möchte, muss oft auch den Kauf teurer Kabel oder Adapter einplanen."

Müssen Nutzer durch einheitliche Standards Qualitätseinbußen befürchten?

Porträtfoto von Dennis Horn

WDR-Digitalexperte Dennis Horn

Ein Apple-Sprecher äußerte am Donnerstag die Sorge, "dass ein strenger Regulierungsrahmen, der nur eine Art von Ladebuchsen vorschreibt, Innovation eher behindert als fördert". Horn hält diese Bedenken jedoch für vorgeschoben, da der Konzern "in den vergangenen Jahren gutes Geld mit teuren Kabeln und Adaptern gemacht" habe. In der Zeit habe sich die USB-C-Schnittstelle zur eigentlichen Innovation entwickelt. Diese Schnittstelle soll künftig üblich werden und wird von Apple selbst auch schon benutzt.

Ein Herausforderung könne die Neuerung für Menschen bedeuten, die ihr Smartphone schnell laden möchten, so Horn: "Wer den Akku in unter einer Stunde wieder auf 100 Prozent haben möchte, braucht dazu auch das entsprechende Netzteil. Wer auf Netzteile und Kabel zurückgreift, die er gerade zufällig zur Hand hat, muss in vielen Fällen mit einer längeren Aufladedauer rechnen."

Wie lange wird es bis zur Umsetzung dauern?

Vieles hängt von von der genauen Umsetzung dieses Gesetzesvorschlags ab. Jetzt müssen sich EU-Staaten und Europaparlament erstmal beraten und eine gemeinsame Linie finden. Anschließend hätten die nationalen Regierungen noch ein Jahr Zeit, die neuen Regeln in nationales Recht umzusetzen. Zudem ist eine Übergangsfrist von zwei Jahren für die Unternehmen vorgesehen.

Frühestens Ende 2024 wäre die einheitliche Ladebuchse also verpflichtend für die Unternehmen - und der Kabelsalat in den Haushalten würde zurückgehen. "Bis sich die Umstellung bemerkbar macht, werden bestimmt fünf Jahre vergehen", sagt Horn. Man müsse auch bedenken, dass viele Verbraucher ihre Geräte einige Jahre nutzen, bevor sie sich neue kaufen.

Stand: 23.09.2021, 20:03

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