NRW-Polizei erwischt zehntausende Handysünder

NRW-Polizei erwischt zehntausende Handysünder

  • Im ersten Halbjahr 81.000 Handynutzer im Straßenverkehr erwischt
  • Zwei-Sekunden-Blick bedeutet 30 Meter Blindflug über die Straße
  • Mindestens 100 Euro Bußgeld und Punkt in Flensburg

Zur Diskussion über Handys am Steuer

Ein kurzer Anruf, mal eben die letzte Mail checken oder sogar eine Nachricht eintippen - und das alles während der Autofahrt. Immer wieder verstoßen Autofahrer gegen das Handyverbot am Steuer. Rund 81.000 Handysünder erwischte die Polizei in NRW allein im ersten Halbjahr 2018. Davon waren laut NRW-Innenministerium 10.400 auf dem Rad unterwegs. Und das dürfte nur ein Bruchteil derjenigen sein, die während der Fahrt mit dem Smartphone hantieren.

Im Blindflug über die Straße

Dabei ist das Tippen während der Fahrt lebensgefährlich: Wer bei einer Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometern nur zwei Sekunden auf seinen Smartphone-Bildschirm schaut, fährt 30 Meter im Blindflug, rechnet das NRW-Innenministerium vor. "Und da haben sie erst einen Buchstaben getippt", so Pressesprecher Wolfgang Beus. "Wer Nachrichten während der Fahrt schreibt, ist so fahruntüchtig als habe er 0,8 Promille im Blut."

So weit reicht Ihr "Blindflug" bei Ablenkung am Steuer

Schon wenige Sekunden Ablenkung beim Steuern eines Autos können gefährlich werden. Der ADAC hat typische Situationen zusammengestellt und errechnet, über welche Strecken Sie dabei "blind" fahren würden.

Grafik: Wieviel Meter Blindflug, Basisrechnung

Die Basisrechnung des ADAC bezieht sich auf das abgelenkte Steuern eines Autos über eine Sekunde hinweg.

Die Basisrechnung des ADAC bezieht sich auf das abgelenkte Steuern eines Autos über eine Sekunde hinweg.

Mal eben nach der Brille suchen übersetzt der Autoverband mit drei Sekunden "Blindflug": bei Tempo 40 würde er über 33,3 Meter verlaufen.

Eine Steigerung um nur eine Sekunde - wir sind nun bei vier Sekunden Ablenkung - ergeben bei Tempo 40 ein "blindes" Steuern über 44,4 Meter hinweg - im Stadtverkehr eine beachtliche Strecke mit vielen möglichen Unfallquellen.

Und schließlich das Handy als Ablenkungsgrund: bei angenommenen sieben Sekunden fahren Sie mit Tempo 40 knapp 80 Meter blind, auf der Autobahn sind es sogar gut 252 Meter.

Hier noch einmal alle Beispiele auf einen Blick.

Mindestens 100 Euro Bußgeld

Handysündern drohen nicht nur Unfälle, sondern auch empfindliche Strafen. Um die Unfallgefahren zu senken, hatte der Bundesrat bereits 2017 beschlossen, die Strafen zu erhöhen: Wer beim Telefonieren am Steuer von der Polizei erwischt wird, wird mit einem Bußgeld von 100 Euro und einem Punkt in Flensburg bestraft. Wer einen Unfall mit Handy in der Hand baut, muss 200 Euro zahlen sowie einen Monat auf den Führerschein verzichten.

Hier ist Platz für Ihre Meinung.

Stand: 01.08.2018, 08:36

Kommentare zum Thema

14 Kommentare

  • 14 Reinig oliver 02.08.2018, 11:07 Uhr

    Strafe nicht dem tatsächlichen Risiko angepasst. 1000€ und 1 Jahr Führerscheinentzug da sehr leicht vermeidbar.

  • 13 Daniel 01.08.2018, 20:51 Uhr

    So mein Kommentar zum Handy am Steuer : Wenn ich m fahren bin, egal ob 20- 100- oder 200 km/h hat das Handy natürlich nichts in der Hand zu suchen. Aber mal ehrlich, wenn ich an einer roten Ampel stehe, wo ich weiSs das die eh länger auf rot steht ist es meiner Meinung in Ordnung das ich dann mal kurz mein Handy bediene. Mein Fahrzeug steht doch!!!! Wenn man dann noch die Strafe bzw die Punkte bekommt ist das meiner Munition noch abzocke!!!!!! Mit freundlichen Grüßen zur Polizeibehörde nach Düren und dem Rhein erft Kreis Daniel Wißmann

  • 12 Ralph 01.08.2018, 19:18 Uhr

    "Und das dürfte nur ein Bruchteil derjenigen sein, die während der Fahrt mit dem Smartphone hantieren." Das Problem sind nicht die (vermutlich auch) zu geringen Strafen, sondern auch die bei Verkehrsdelikten geringe Wahrscheinlichkeit, belangt zu werden. Wie bei Tempoverstößen - die schönsten Limits helfen nichts, wenn keiner die Einhaltung überwacht.

  • 11 Andreas 01.08.2018, 17:57 Uhr

    Es müssen dringend erheblich drastischere Bußgelder auf Handy-Spieler zu kommen incl. Fahrverbote ! Mir kommen teilweise Fahrzeuge entgegen, wo man nur die Haarpracht sieht.... Gesicht Fehlanzeige .....

  • 10 Andreas 01.08.2018, 17:49 Uhr

    Eine Freisprecheinrichtung zu kaufen ist doch kein Problem. Da ist das Thema schon aus der Welt. Die Handyseuche ist sowieso schon unerträglich. Aber auch die Deutsche Justiz. Drastische Strafen, bis zum sofortigen Führerscheinentzug, würden da vielleicht helfen. In anderen Ländern bekommt man 20 Jahre oder mehr für einige Vergehen, wo hier nur eine läppische Geldstrafe oder ein Jahr auf Bewährung den Menschen droht. Beim Erwischen durch die Polizei, sofort die Fahrerlaubnis abgeben, ohne Rücksicht auf den Beruf des Fahrers. Ist kein Beifahrer dabei, wird das Fahrzeug an Ort und Stelle stillgelegt. Jeder der einen Führerschein hat und darauf angewiesen ist, sollte entsprechend fahren. Dies sollte auch gelten für Gaffer und denen, die Polizei und Rettungskräfte behindern und beleidigen. Aber da ist die Deutsche Justiz nur noch lächerlich.

  • 9 Markus 01.08.2018, 17:43 Uhr

    Hmmmm....... Die Strafen sind immer noch zu niedrig. ca 1000 Euro und 2 Monate Fahrverbot das würde auch die Treffen den es vorher egal war. Vor Allem das Fahrverbot würde hier besonders ziehen!

  • 8 Uwe 01.08.2018, 16:38 Uhr

    Das Thema sollte genauso behandelt werden wie Alkohol am Steuer, nur ohne Einschränkungen, also Promillegrenzen o.ä. Wer das Handy während der Fahrt bedient, sollte den Führerschein dauerhaft entzogen bekommen und erst nach bestandener MPU zurück erhalten. Irgend etwas stimmt doch mit solchen Leuten nicht!!!

  • 7 Helmut G. 01.08.2018, 16:18 Uhr

    Passende Strafe: Sofort das Handy auf den Boden legen, vom Polizeibeamten einen dicken Hammer bekommen und dann mindestens fünfmal kräftig draufschlagen. Oooooch - das schöne (oft teure) Spielzeug ist kaputt! Und dabei bin ich doch sooooo wichtig und muss immer, immer, immer zu erreichen sein: Für die Firma, für die Kinder, für die Freunde, für neuesten Facebook-Blödsinn, Urlaubsgrüße per WhatsApp....

    Antworten (1)
    • Psychicahter 01.08.2018, 18:22 Uhr

      Sie sind ein Sadist.

  • 6 Gerd 01.08.2018, 15:24 Uhr

    Ich habe mit meiner Firma eine lukrative Geschäftsidee entwickelt. Wir stehen 3,0 Stunden täglich an bundesweiten Straßen und dokumentieren sämtliche Handysünder gerichtsfest - anstelle der Polizei. Es sind mehrere hundert pro Tag. Wir expandieren und haben jetzt schon 3-stellige Millionenumsätze.

  • 5 Ben 01.08.2018, 14:58 Uhr

    Das erste Mal 1.000,0 Euro und Handy einziehen. Das zweite Mal Führerschein weg und laufen lassen. Da können sie dann so viel mit dem Handy spielen wie sie wollen. Das dritte Mal Einweisung in Psychatrie. Nur das hilft gegen diese Krankheit.

  • 4 Anonym 01.08.2018, 14:34 Uhr

    Alles gut und richtig, aber den mittlerweile ausufernd-umfangreichen Bordcomputer der Neuwagen während der Fahrt zu bedienen, ist nicht besser. Passiert aber xfach täglich. Legal.

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