Handwerker nach Hochwasser extrem gefragt: Längste Wartezeit bei Dachdeckern

Handwerker nach Hochwasser extrem gefragt: Längste Wartezeit bei Dachdeckern

Von Claudia Wiggenbröker

Nach der verheerenden Hochwasser-Katastrophe in NRW geht es nun an den Wiederaufbau. Doch überall fehlt es an Handwerkern. Was die Gründe dafür sind und wo es nun besonders lange Wartezeiten gibt.

Alexander Bajus atmet hörbar aus. Er rechnet damit, dass der Wiederaufbau seines Sanitätshauses in Stolberg lange dauern wird. Aber nicht, weil es keine finanzielle Unterstützung von Bund und Land gibt. Auch nicht, weil die Gelder vielleicht nicht schnell genug fließen.

"Ich glaube, das Problem wird sein, dass in acht Wochen - wenn alles trockengelegt ist - jeder gerne einen Handwerker hätte." Und dann keiner verfügbar ist. Bajus rechnet damit, dass die Fachkräfte fehlen werden.

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Durch Flut müssen Handwerks-Aufträge priorisiert werden

Schon vor der Flutkatastrophe waren die Fachkräfte extrem gefragt. "Wir haben teils beträchtliche Wartezeiten", sagt NRW-Handwerkspräsident Andreas Ehlert dem WDR. Und zwar:

  • 13 Wochen für Zimmerer und Dachdecker
  • 12 Wochen für Maurer
  • 10 Wochen für Heizungsbauer
  • 9 Wochen für Fliesenleger und Maler

"Und wir wissen von vielen Betrieben, dass sie ihre Aufträge nun priorisieren", so Ehlert weiter. Arbeiten in Hochwassergebieten werden vorgezogen. "Um die größte Not zu lindern."

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Andere Kunden müssen vertröstet werden

Mittwochnachmittag, Günter Bochenek steht im Stau. Das tut der guten Laune des Rheinländers aber keinen Abbruch. Dabei müsste er eigentlich ausgelaugt sein - darauf ließe zumindest sein Pensum der vergangenen zwei Wochen schließen. Der Parkettleger hat geschädigte Böden aus geschädigten Häusern gerissen. "4.600 Quadratmeter", sagt er, gemeinsam mit über 30 weiteren Kräften seiner Zunft.

Aus ganz Deutschland waren die helfenden Handwerker gekommen. "Manche Kollegen haben ihre Betriebe mehrere Tage zugemacht." Die würden, wenn sie wieder Zuhause sind, Aufträge nacharbeiten. Aber auch ein Handwerker kann nicht mehr als zehn, zwölf Stunden am Tag schaffen.

Termine bei Kunden, die nicht von der Flut betroffen sind, mussten also verschoben werden. "Die meisten haben aber mit viel Verständnis reagiert", sagt Bochenek. Einige seiner Kollegen hätten auch Preisnachlässe angeboten, um ihre Auftraggeber zu besänftigen.

Material ist knapp und teuer

NRW-Handwerkspräsident Andreas Ehlert wirbt für Verständnis bei Kunden, deren Renovierungen nun etwas aufgeschoben werden. Die größte Not bei den Flutopfern müsste gelindert werden. "Aber wenn das passiert ist, werden Handwerker in ihren normalen Rhythmus zurückkehren." Arbeiten in Hochwassergebieten würden dann nicht mehr priorisiert und vorgezogen.

Schlimmer als der Fachkräftemangel sei das Problem der Material-Engpässe. Denn Rohstoffe wie Holz sind knapp und teuer. "Durch Corona sind die Lieferketten gestört", erläutert Ehlert. Das sei der Hauptgrund für Probleme.

Es gäbe Betriebe, die hätten volle Auftragsbücher - und wären trotzdem in Kurzarbeit, weil sie einfach kein Material bekommen. Diese Problematik hätte sich regional durch den zusätzlichen Bedarf in den Hochwassergebieten nun nochmals zugespitzt.

Handwerkskammer Aachen setzt auf Hilfe von auswärts

Peter Deckers, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Aachen, setzt darauf, bald Hilfe aus anderen Regionen zu bekommen: "Alleine mit unsere regionalen Handwerkern werden wir das in einer angemessenen Zeit nicht in den Griff bekommen", sagte Deckers am Donnerstag im WDR-"Morgenecho".

Zum Glück hätten sich bereits Kollegen aus entfernteren Handwerkskammern gemeldet und Hilfe angeboten. "Schickt uns Handwerker", so sein Appell. Die Handwerkskammer Aachen werde gerne eine Vermittlerrolle einnehmen.

Stand: 05.08.2021, 07:14

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