Der Hambacher Forst nach dem großen Ansturm

Im Hambacher Forst: Spaziergänger auf Waldweg im sonnigen Gegenlicht

Der Hambacher Forst nach dem großen Ansturm

Der Hambacher Forst war am Wochenende (06. und 07.10.2018) Schauplatz von Großdemonstrationen und einem Grünen-Parteitag, er wurde zur Feiermeile der Braunkohle-Gegner. Wie sieht er jetzt aus?

Der Hambacher Forst ist zum Mittelpunkt einer politischen Auseinandersetzung geworden: Zehntausende demonstrierten am Wochenende für den Braunkohle-Ausstieg und feierten den vorläufigen Rodungsstopp. Die Polizei hat sich in der Nacht auf Montag (08.10.2018) aus dem Wald zurückgezogen.

Wie sieht es nun aus im Wald? Die wieder gewonnene Ruhe mischt sich mit dem Anblick von Wegsperren und neu errichteten Unterkünften der Aktivisten. Anwohner freuen sich, dass der Wald wieder freigegeben ist - und ärgern sich über neu entstandene Brachflächen. Impressionen aus dem Hambacher Forst.

Hambacher Forst: "Komisch, diese Ruhe im Wald"

Von Sabine Tenta

Im Hambacher Forst: Sonne scheint auf Totholz auf dem Boden

Das Tock-tock-tock eines Spechtes ist zu hören, auf der Suche nach Futter in einem alten Baum. Eine Amsel zetert, und Blaumeisen flattern durchs Geäst. Die Sonne lässt das Herbstlaub leuchten.

Das Tock-tock-tock eines Spechtes ist zu hören, auf der Suche nach Futter in einem alten Baum. Eine Amsel zetert, und Blaumeisen flattern durchs Geäst. Die Sonne lässt das Herbstlaub leuchten.

Efeu wächst am knorrigen Stamm einer uralten Eiche hoch. Es ist fast wie in einem ganz normalen Wald, hier im Hambacher Forst.

Wenn da nicht diese Ast-Sperren wären, die quer über den Wegen liegen. Und erstaunlich viele jugendliche Spaziergänger. Die Aktivisten und ihre Spuren erinnern daran, dass hier nicht irgendein Wald ist, sondern ein umkämpfter Forst, der zum Symbol für den Ausstieg aus der Braunkohle geworden ist.

Bemerkenswert ist, dass, Tage nachdem Tausende Demonstranten durch den Wald spazierten, kaum etwas davon zu sehen ist. Rastplätze an beliebten Wanderstrecken sehen mitunter deutlich zugemüllter aus.

Auch wenn wieder neue Baumhäuser gebaut werden - nach der Räumung sind die meisten Behausungen der Braunkohle-Gegner bodennah.

In einem Camp sitzen Menschen unterschiedlichen Alters um ein Lagerfeuer, kochen Tee und essen Suppe. Am Wochenende haben sie mit zehntausenden Demonstranten den vorläufigen Rodungsstopp gefeiert. In der Nacht sind die letzten Polizisten abgezogen. So ganz können die Aktivisten dem Frieden noch nicht trauen: "Mal abwarten, wie es weitergeht", sagt eine junge Frau skeptisch.

In einer anderen Ecke des Forsts gehen Anwohner spazieren. Sie können nun endlich wieder ungestört in ihren Wald - ohne Polizeikontrollen.

"Schon komisch, diese Ruhe hier", meint Klaus Müller. Er wohnt in Buir und fühlte sich durch die Polizeipräsenz regelrecht belagert. Ohne Ausweis sei er nicht mehr aus dem Haus gegangen, erzählt er. Seine Partnerin Sylvia Pieta ergänzt: "Ich habe mir den ersten Platzverweis meines Lebens eingefangen." Sie wollte ihre Hündin Canela Gassi führen. Der Zutritt zum Wald sei ihr nach einer Kontrolle ohne Angabe von Gründen für 24 Stunden verboten worden, sonst drohe Gewahrsam.

Doch Klaus Müller und Sylvia Pieta ließen sich davon nicht abschrecken. Sie zeigten den Polizeikontrollen ihre Taschen und ließen sich abtasten, um weiterhin in den Wald zu kommen. "Die Polizei ist sehr brachial vorgegangen", schildert Müller seine Eindrücke und blickt kopfschüttelnd auf die Lichtung vor sich: "Vorher war hier dichter Wald und jetzt – nur noch Brache."

Ein junger Mann mit dunklen langen Haaren und Vollbart spricht alle Spaziergänger an: Ab Donnerstag würden die ersten Wegsperren weggeräumt, damit Fahrräder und Kinderwagen wieder ungehindert durch den Wald können. "Kommt vorbei und helft mit. Und bitte weitersagen!"

So langsam kehrt Normalität ein. Vielleicht wird "Hambi", der seit Wochen im Epizentrum erbitterter politischer Auseinandersetzungen steht, irgendwann einfach nur wieder Wald sein.

Stand: 10.10.2018, 06:30

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