Hambacher Forst: Worum geht es?

Rodungen im Hambacher Forst

Hambacher Forst: Worum geht es?

  • Fragen und Antworten zum Hambacher Forst
  • Tagebaubetreiber RWE will weiter roden
  • Umweltschützer protestieren massiv dagegen

Warum will RWE für den weiteren Kohleabbau Wald roden?

Die Rodung sei "zwingend erforderlich, um den Fortschritt des Tagebaus und damit einen wichtigen Teil der Stromversorgung in Deutschland nicht zu gefährden", sagt RWE. 15 Prozent des Stroms in NRW würden hier erzeugt.

Welche Bedeutung hat dieser Wald für Umweltschützer?

Der Hambacher Wald ist einer der letzten "Bürgewälder" hierzulande: Er wächst seit Jahrtausenden ungestört. Hier lebt die selten gewordene Winterlinde, außerdem die streng geschützte Bechsteinfledermaus, die Haselmaus, 142 Vogel- und drei Amphibienarten.

Wie viel wurde schon gerodet?

Tagebau beim Hambacher Forst

Kein Wald mehr: Tagebau Hambach

Große Teile der heute rund 30 Quadratkilometer (3.000 Hektar) großen Hambacher Braunkohlegrube waren nach RWE-Angaben bewaldet. Seit 1978 die ersten Bagger anrückten, wurde der Hambacher Wald sukzessive vernichtet. Der BUND geht mittels Luftaufnahmen davon aus, dass noch 550 Hektar übrig sind. Klagen des BUND führten dazu, dass RWE im vergangenen Jahr nur zwei Hektar Wald roden konnte. Ab 1. Oktober will RWE weitere 100 Hektar beseitigen.

Sind auch Menschen/Dörfer betroffen?

Von der Waldrodung nicht unmittelbar. Für den Tagebau Hambach insgesamt aber wurden bereits rund 3.000 Menschen umgesiedelt. Die Dörfer Morschenich und Manheim stehen kurz vor dem Abriss. Bis 2040 sollen 5.200 Menschen ihre alte Heimat verlassen haben.

Seit wann wird dagegen protestiert?

2004 protestierten Greenpeace-Aktivisten mit spektakulären Aktionen gegen das weitere Abbaggern des Waldes. 2009 erhob der BUND die erste Klage gegen RWE.

2012 räumte die Polizei erstmals das neu entstandene Waldbesetzter-Camp. Dabei musste ein Aktivist aus einem sechs Meter tiefen Erdversteck geholt werden, andere wurden aus großer Höhe von ihren Baumplattformen abgeseilt. Unter anderem mit Klimacamps und "Waldspaziergängen" wird seitdem regelmäßig vor Ort protestiert und informiert.

Warum hat die Polizei den Ort als gefährlich eingestuft?

Von der Polizei beschlagnahmte Waffen.

Waffen, die die Polizei bei Demonstranten beschlagnahmte

Braunkohlegegner hätten in dem Wald in der Vergangenheit teils massive Straftaten begangen oder vorbereitet, sagt die Aachener Polizei. An einem "gefährlichen Ort" hat die Polizei mehr Rechte - etwa bei Personenkontrollen oder Durchsuchungen von Fahrzeugen.

Welche Rolle spielt die Kohlekommission in dem Streit?

Sie soll bis Ende Oktober entscheiden, ob Deutschland früher als 2045 aus der Kohleverstromung aussteigt. Braunkohlegegner fordern RWE auf, bis dahin mit der Rodung auszusetzen. Sie fürchten, dass sonst unumkehrbare Tatsachen mit gravierenden Folgen für Menschen und Umwelt geschaffen werden.

Stand: 05.09.2018, 09:52

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