Große Solidarität in NRW mit jüdischen Gemeinden

Große Solidarität in NRW mit jüdischen Gemeinden

  • Ministerpräsident Laschet: "Kein Platz für Judenhass"
  • Mahnwachen im ganzen Land
  • Kirchen, Muslime und Klubs nehmen klar Stellung

Nach dem Anschlag eines Rechtsextremisten in Halle (Saale) haben Politik, Kirchen und Muslime in NRW ihre Solidarität mit der jüdischen Gemeinschaft Deutschlands demonstriert. Mit einer Schweigeminute an der Neuen Synagoge in Düsseldorf setzten NRW-Politiker am Donnerstagmorgen (10.10.2019) ein Zeichen der Verbundenheit.

Laschet: "Kein Platz für Antisemitismus"

WDR 5 Westblick - aktuell 10.10.2019 02:42 Min. Verfügbar bis 09.10.2020 WDR 5 Von Daniela Junghans

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Weiße Rosen auf Synagogen-Treppe

"Wir stellen uns gemeinsam schützend vor die Synagoge in Düsseldorf", sagte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU). Gemeinsam mit den Parteivorsitzenden von SPD, Grünen und FDP legte er weiße Rosen auf die Treppe vor der Synagoge.

"Judenhass darf in unserer offenen Gesellschaft keinen Platz haben. Der Kampf gegen Antisemitismus und Rassismus eint alle demokratischen Kräfte in NRW", betonten die Landesparteichefs in einer gemeinsamen Erklärung.

Die AfD war nicht zu der Solidaritätsaktion eingeladen. Sie stehe "unverbrüchlich hinter den jüdischen Gemeinden in Deutschland", sagte der NRW-Landesvorsitzende Rüdiger Lucassen.

Mahnwachen in ganz NRW

Menschen legen Bumen und Kerzen zur Mahnwache nieder

Zu der Mahnwache in Düsseldorf hatte u.a. die Mahn- und Gedenkstätte aufgerufen.

Später am Nachmittag versammelten sich vor der Düsseldorfer Synagoge 300 Menschen zu einer Mahnwache. Sie beteten zusammen das jüdische Totengebet, sangen und hielten sich an den Händen. Auch der Landtag gedachte der Opfer des Anschlags.

"Dieser Anschlag ist ein Anschlag gegen uns alle", sagte Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) bei einer Mahnwache vor dem Kölner Dom. "Die antisemitischen Gedanken, Worte und Taten müssen bekämpft werden". Die Tatsache, dass Synagogen in Deutschland bewacht werden müssten, sei ein Armutszeugnis.

David Klapheck, Geschäftsführer der Synagogen-Gemeinde Köln, sagte: "Freunde haben mich angerufen und festgestellt, dass Israel der sicherste Ort für Juden ist. Noch vor ein paar Jahren dachte ich, Deutschland wäre das. Das kann ich heute nicht mehr glauben."

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In Essen versammelten sich am Donnerstagabend rund 400 Menschen vor dem Hauptbahnhof. In einem gemeinsamen Trauermarsch trugen sie Kerzen und weiße Blumen bis vor die Alte Synagoge. "Für die kleine jüdische Gemeinde hilft das sicherlich, wenn sie den Eindruck hat, dass sie nicht allein gelassen wird", sagte der leiter der Synagoge, Uri Kaufmann. Die Mehrheitsgesellschaft müsse "Flagge zeigen" gegen Antisemitismus.

Auch in Gelsenkirchen und Dortmund gab es Gedenkveranstaltungen.

Kirchen fordern konsequentes Vorgehen

Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, forderte ein konsequentes Vorgehen gegen rechtsextremistische Gruppen, Parteien und Personen sowie ihr Umfeld. Auch die evangelische Kirche von Westfalen äußerte sich besorgt, dass "rechtsextreme Tendenzen in unserem Land immer stärker an Boden gewinnen".

Ditib: "Klima wird durch rechtes Gedankengut vergiftet"

Die Türkisch-Islamische Union (Ditib) beklagte, "dass das gesellschaftliche Klima zunehmend durch rechtes Gedankengut vergiftet wird und gerade im Internet bedrohliche Maße längst überschritten hat."

Nach Ansicht des Landesintegrationsrats werden in der gesamtgesellschaftlichen Atmosphäre "Rassisten und Rechtsextreme geradezu ermutigt, mit ihren Taten als Vollstrecker des sogenannten Volkswillens zu handeln".

Auch Sportvereine, darunter Fußball-Bundesligist 1. FC Köln, solidarisierten sich mit den Opfern. "Niemand darf sich raushalten, wenn Juden nicht angstfrei beten können und Terror wie in Halle möglich ist", twitterte der Klub.

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Stand: 11.10.2019, 08:14

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