Hagen: Festnahmen nach Anschlagsplänen gegen Synagoge

Von Christian Wolf

Nach dem Großeinsatz der Polizei im Umfeld der Hagener Synagoge hat es Festnahmen gegeben. Innenminister Reul spricht von einer "islamistisch motivierten Bedrohungslage".

Vor zwei Jahren ereignete sich in Halle zum jüdischen Feiertag Jom Kippur ein Anschlag auf die dortige Synagoge. Derzeit feiern Juden ihren höchsten Feiertag erneut. Und ausgerechnet da gab es offenbar die Gefahr eines Angriffs in Hagen. Laut NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) gab es einen "sehr ernst zu nehmenden und konkreten Hinweis" auf Tatzeit, Tatort und Täter.

NRW-Innenminister Herbert Reul | Bildquelle: dpa/Thomas Banneyer

"Es bestand die Gefahr eines Anschlags auf die Synagoge", sagte Reul am Donnerstag und sprach von einer "islamistisch-motivierten Bedrohungslage". Wegen eines Bezugs zur Hagener Synagoge habe es am Mittwochabend "gefahrenabwehrende Maßnahmen" gegeben. Die Synagoge sei geräumt und durchsucht, gefährliche Gegenstände aber nicht gefunden worden.

Festnahmen und Durchsuchung in Hagen

Nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft führt die Spur zu einem 16-Jährigen. Er wurde am Donnerstagmorgen festgenommen. Laut Reul handelt es sich um einen syrischen Staatsbürger. Er soll Kontakt zu einem bekannten Islamisten im Ausland gehabt und sich mit Fragen des Bombenbaus beschäftigt haben, hieß es aus Sicherheitskreisen.

Bei einer Wohnungsdurchsuchung waren auch sein Vater und zwei Brüder angetroffen und ebenfalls festgenommen worden. Gegen sie bestehe aber derzeit kein Tatverdacht, betonte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft in Düsseldorf.

Hinweis kam von ausländischem Geheimdienst

Die Zentralstelle Terrorismusverfolgung NRW bei der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf hat am Donnerstag die Ermittlungen übernommen. Konkret ist vom Vorwurf der "Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat" die Rede.

Der "Spiegel" berichtet, der 16-Jährige habe einen Sprengstoffanschlag auf die Synagoge geplant. Die Sicherheitsbehörden hätten einen Hinweis eines ausländischen Geheimdienstes erhalten. Es sei vor einem mutmaßlichen Islamisten gewarnt worden, der sich im Internet verdächtig verhalte.

Großalarm an Hagener Synagoge

Schwerbewaffnete Polizisten vor der Synagoge in Hagen | Bildquelle: Alex Talash

Am Mittwochabend war die Polizei mit einem Großaufgebot angerückt und hatte das Gebiet rund um die Synagoge in Hagen mit Straßensperren weitläufig gesichert. Am frühen Donnerstagmorgen konnte ein Großteil der Einsatzkräfte abgezogen werden.

Eine akute Gefährdung für Personen habe nicht vorgelegen, sagte ein Polizeisprecher. Das Gebäude wird weiterhin überwacht. Ein für Mittwochabend geplanter Gottesdienst zu Jom Kippur in der Hagener Synagoge wurde abgesagt. Hinweise auf die Gefährdung anderer jüdischer Gemeinden in NRW liegen derzeit nicht vor.

Politik äußert Solidarität

Die Synagoge in Hagen am Abend des Polizeieinsatzes | Bildquelle: dpa/Sauerlandreporter/Markus Klümper

Hagens Oberbürgermeister Erik O. Schulz versicherte der jüdischen Gemeinde seine Solidarität. "So wenig wir auch über die genaue Situation wissen - in unseren Gedanken sind wir bei der Jüdischen Gemeinde Hagen", sagte er der "Westfalenpost". NRW-Ministerpräsident Armin Laschet sagte, dem Zentralrat der Juden sei versichert worden, dass alles getan werde für die Sicherheit der Juden in Deutschland. In Hagen sei die Lage ernst gewesen. Jetzt sei aufzuklären, "welche Netzwerke möglicherweise hinter diesen Anschlägen standen".

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) sagte, der Vorfall wecke entsetzliche Erinnerungen an den Anschlag auf die Synagoge in Halle vor zwei Jahren. "Es ist unerträglich, dass Jüdinnen und Juden erneut einer so schrecklichen Bedrohungslage ausgesetzt sind und den Beginn ihres höchsten Festes Jom Kippur nicht friedlich gemeinsam feiern konnten." Nordrhein-Westfalens Antisemitismus-Beauftragte Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sagte, die Anschlagsdrohung am Feiertag Jom Kippur sei "besonders verwerflich".

Jom Kippur - der höchste jüdische Feiertag

Die Synagoge in Halle war 2019 Ziel eines rechtsextremistischen Anschlags | Bildquelle: dpa/Hendrik Schmidt

Im Oktober 2019 hatte ein bewaffneter Rechtsextremist versucht, gewaltsam in die Synagoge in Halle in Sachsen-Anhalt einzudringen. Als die Tür standhielt, erschoss er in der Nähe zwei Menschen und verletzte auf der Flucht zwei weitere.

Der Anschlag ereignete sich damals an Jom Kippur. Der Großalarm von Hagen fällt nun auch auf dieses Fest. Jom Kippur ist der höchste Feiertag im Judentum. Der Versöhnungstag startete in diesem Jahr am Mittwochabend und dauert bis Donnerstag. Jom Kippur wird als strenger Fast- und Ruhetag begangen. Das öffentliche Leben kommt zum Erliegen. Vor Anbruch der Nacht versammeln sich die Gläubigen in den Synagogen.