Gregor Gysi diskutiert mit Studierenden in Duisburg

Gregor Gysi (Die Linke) mit der Ernennungsurkunde zum Gastprofessor. (von links: Dr. Felix Streiter, Stiftung Mercator, Gysi, Prof. Karl-Rudolf Korte, Direktor der NRW School of Governance, Prof. Ulrich Radke, Rektor der Universität Duisburg-Essen)

Gregor Gysi diskutiert mit Studierenden in Duisburg

Von Michael Jung

  • Linken-Politiker als Gastprofessor
  • Gregor Gysi gibt Tipps fürs Politikgeschäft
  • Vorlesung vor hunderten Studierenden

Gerade noch Bundestagsabgeordneter, im nächsten Moment Hochschulprofessor: Gregor Gysi (Die Linke) hat am Dienstag (26.11.2019) die Gastprofessur für Politikmanagement an der NRW School of Governance der Universität Duisburg-Essen übernommen.

Thema der Antrittsvorlesung: "Die Welt 30 Jahre nach Ende des kalten Krieges". Zwei Stunden lang zeigte Gysi: Die Welt erklären – das kann er.

Gysi erzählt Politik in Anekdoten

Es ist ein Galopp, der die mehr als 200 Studierenden im Duisburger Hörsaal fordert: Von Russland in die Lausitz, nach China, in den nahen Osten und von dort in die USA. Zwischendurch ist er bei Greta Thunberg und dann wieder bei Willy Brandt, Helmut Kohl, der Schwarzen Null oder John F. Kennedy. Politik in Anekdoten und Pointen.

"Niederlagen einplanen"

Und Gysi spart nicht mit Tipps für das politische Geschäft: Nach drei Siegen sei es taktisch klug, eine Niederlage einzuplanen. Das sei förderlich für Beziehungen – politisch wie privat. Ein politischer Kompromiss bedeute für ihn, "alle Schritte in die richtige Richtung zu gehen – aber sie dürfen kleiner sein, als ich sie machen würde".

Gastprofessur Gregor Gysi bei seiner Antrittsvorlesung im vollbesetzten Hörsaal auf dem Campus Duisburg.

Der Hörsaal war zu Gysis Antrittsvorlesung vollbesetzt.

Daneben gibt es aber auch viele Gemeinplätze: "Die Welt steht am Scheideweg", es gebe "große Unsicherheit". Das Vertrauen in Politik sei auch deshalb gesunken, weil Politiker nicht die Sprache des Volkes sprächen. "Die Zeit der Volksparteien alten Typs ist vorbei."

Und zu Trump: "Was er morgens twittert, hat er abends vergessen." Übrigens sei der amerikanische Präsident "ein Mann voller Minderwertigkeitskomplexe". Trotz solcher oberflächlichen Betrachtungen erhält Gysi immer wieder anhaltenden Zwischenapplaus – im akademischen Betrieb eher unüblich.

Selbstkritik erst auf Nachfrage

Erst auf Nachfrage wird Gysi auch selbstkritisch: Die Linke profitiere nicht von der wachsenden Ungerechtigkeit in Deutschland, weil sie zu sehr mit sich befasst sei: "80 Prozent Selbstbeschäftigung und nur 20 Prozent Politik – das ist schwer zu ertragen."

Gregor Gysi, Politiker

WDR 5 Erlebte Geschichten 14.01.2018 22:49 Min. Verfügbar bis 12.01.2028 WDR 5

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"Wir suchen das System Gysi", hatte Prof. Karl-Rudolf Korte, Direktor der NRW School of Governance, zu Beginn angekündigt. An der Suche hätten sich gerne noch weit mehr Studierende beteiligt: "Wir hätten 800 Plätze besetzen können", so Mitorganisator Philipp Richter.

Stattdessen verfolgten etwa 400 Interessierte den Livestream der Vorlesung im Netz. Bei den kommenden vier Vorlesungen mit Gysi wird das nicht mehr möglich sein: Sie stehen nur den eingeschriebenen Studierenden der NRW School of Governance offen.

Stand: 26.11.2019, 20:54

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