Inklusion demnächst fast ohne Gymnasien

Archivbild: Schülerinnen arbeitet in der Gemeinschaftsgrundschule, eine Inklusionsschule

Inklusion demnächst fast ohne Gymnasien

Von Nina Giaramita

  • Gymnasien in NRW steigen weitgehend aus Inklusion aus
  • Gewerkschaft kritisiert Entwicklung
  • Schulministerium verspricht mehr Stellen

In Essen war die Alfred-Krupp-Schule das erste Gymnasium, das die Vorgaben der UN-Behinderten-Rechtskonvention erfüllte: Seit 2011 saßen Regelschüler gemeinsam mit lernbehinderten Kindern im Unterricht. Jetzt soll mit der Inklusion Schluss sein.

Inklusion in der Sackgasse?!

WDR RheinBlick 09.11.2018 24:36 Min. WDR Online

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"Wir haben lange darüber diskutiert, ob wir diesen Schritt gehen", sagt Schulleiter Berthold Urch. "Wir hatten uns Inklusion zur Aufgabe gemacht".

Letztlich, sagt er, seien die Bedingungen für guten gemeinsamen Unterricht jedoch immer schlechter geworden. Geeignete Lehrer sowie Räumlichkeiten fehlen an der Schule.

"Politisch gewollte" Entwicklung

Damit steigt auch das letzte Essener Gymnasium aus der Inklusion aus. Die Entwicklung steht exemplarisch für das, was im Rest des Landes passiert. "Dass die Gymnasien der Inklusion den Rücken kehren, ist politisch gewollt", sagt Dorothea Schäfer von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) NRW.

Die Gewerkschaft führt die Entwicklung vor allem auf den Erlass der NRW-Landesregierung vom Oktober 2018 zurück. Die Inklusion soll damit an den weiterführenden Schulen neu geregelt werden. Inklusionsschüler sollen an Gymnasien in der Regel nur noch unterrichtet werden, wenn sie eine reelle Chance auf das Abitur haben.

Widerstand von Gesamtschulen

Nach der Vorstellung der Landesregierung soll inklusiver Unterricht künftig an Schwerpunktschulen gebündelt werden - das sind vor allem die Gesamt- und Realschulen. In Moers soll beispielsweise unter anderem die Geschwister-Scholl-Gesamtschule die Rolle übernehmen.

Die Schulkonferenz hat jedoch beschlossen, dass sie das unter den Voraussetzungen nicht stemmen kann. Schulleiter Rolf Grüter hat dem Schulministerium einen mehrseitigen Brief geschrieben: Darin bemängelt er dass die Gruppen, in denen Schüler mit und ohne sonderpädagogischen Bedarf unterrichtet werden, immer größer würden.

Mehr Stellen versprochen

"Die Entwicklung ist für unsere Schüler nicht mehr verantwortbar", sagt er. Die Entscheidung, die Inklusion weitgehend ohne Gymnasien stattfinden zu lassen, hält er für falsch. "Damit sind wir von einer gerechten Aufgabenverteilung weit entfernt", so Grüter. Vor allem die betroffenen Schulen in den städtischen Regionen seien mit der Neuausrichtung überfordert.

Das Schulministerium verspricht den Schulen, die die Aufgabe der Inklusion zukünftig schultern sollen, für die kommenden Jahre eine "bessere Ressourcenausstattung". So sollen schrittweise rund 6.600 neue Stellen geschaffen werden.

Stand: 26.01.2019, 08:00

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